Schwarzer, roter, goldener Humor – Satire

Betrachtungen über die Welt, also das Homeoffice und dessen Nebenzimmer

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Kapitalanlage? Wie wertvoll werden in Zukunft Pizza und Corona-Bier sein? Lohnt sich das Hamstern?

Kaufbeuren – Die Corona-Pandemie hat unser Leben innerhalb kürzester Zeit grundlegend verändert. Im Moment ist alles schlechter als gestern, aber vielleicht doch besser als morgen. In der Pandemie nimmt die Zeit sowieso einen merkwürdigen Lauf. Für einen Teil der Menschen vergeht sie in der Beschränkung und Isolation quälend langsam. Andere wiederum wissen vor Arbeit und Belastung gar nicht, wo ihnen der Kopf steht. Kreisbote-Redakteur Ingo Busch gehört zur ersteren Gruppe. Seine Überlegungen zeigen, wie sich ein solcher Lebensstil auswirkt – und wie man dem mit Humor begegnen kann. Allerdings ist Humor sehr stark abhängig vom jeweiligen Geschmack – besonders dann, wenn er bereits nachgedunkelt ist.

Da haben wir noch einmal Glück gehabt bei der Stadtratswahl. Die Satirepartei „Die PARTEI“ hatte nämlich Kandidaten für den Stadtrat nominiert, wie sie bereits im Januar 2020 mitteilte (wir berichteten): „Die KandidatInnen der sehr guten Partei ‚Die PARTEI‘ für den Stadtrat Kaufbeuren stehen bereit, um frischen Wind ins Rathaus zu bringen. Dabei tritt ‚Die PARTEI‘ mit der jüngsten Mann- und Frauschaft aller Parteien an.“

Dem beigefügten Bild war zu entnehmen, dass das Durchschnittsalter der sechs Kandidaten bei etwa fünf Jahren lag. Insgesamt scheiterte der Vorstoß allerdings bereits im Vorfeld an fehlenden Unterstützer-Unterschriften.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Im Oktober vergangenen Jahres gründete der Neugablonzer Herbert Stumpe einen Kreisverband und warb um Unterstützung mit dem Slogan „Politik leicht gemacht – wenn es für Europa reicht, dann auch für Kaufbeuren!“ Dieses Selbstvertrauen hatte sogar eine solide Grundlage. „Die PARTEI“, die im Jahr 2004 von Mitarbeitern des Satiremagazins „Titanic“ gegründet worden war, sicherte sich bei der Europawahl 2019 zwei Sitze im EU-Parlament. Das war eine Steigerung um 100 Prozent, denn „Die PARTEI“-Chef Martin Sonneborn war bereits 2014 mit ins Europaparlament eingezogen. Es hätte also auch hier klappen können. Und vielleicht wäre dann ein Aufruf dieser Partei auf Instagram den Kaufbeurern größerer Aufmerksamkeit wert gewesen: „Hand in Hand gegen das Coronavirus: Menschenkette am 30.02.!“. In Europa wurde die Initiative allerdings weitestgehend ignoriert. Aber der schwarze Humor fand doch Anklang, und vielleicht geht der Aufruf einmal in die Annalen der Krise ein. Natürlich frühestens dann, wenn die Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen kommen. „Aber dann gehen wir erst einmal alle auf den Weihnachtsmarkt“, gab einer meiner Freunde zu bedenken.

Ja, die Freunde, die fehlen schon, nicht wahr. Glücklicherweise gibt es aber das Internet mit all den vielen sozialen Medien, Diensten und Kanälen, die auch ins Homeoffice oder in die teilweise schlaflosen Nächte vordringen. Dorthin bringen sie nach all den Schrecken und Sorgen der vergangenen Wochen ein wenig Humor und Satire verschiedener Art und Färbung: Von schwarz bis golden, von heilend bis schmerzhaft. Fehlt da noch Rot als Farbe? Nein, gibt es auch. Etwa bei einem Bild mit Hammer und Sichel und der Ankündigung, dass der Kommunismus jetzt umgesetzt wird: „Keiner muss arbeiten, jeder wird versorgt“. Oder ist das ein zu tiefes Rot? Oder zu tiefes Schwarz? Oder versteht das nur ein Ossi?

Jedenfalls liegt auch die Qualität von Humor immer im Auge des Betrachters. Das gilt schon deshalb, weil er entsprechend unserer Internet-Informations-Hochkultur der Comics, Emojis und Memes meist in Bildern transportiert wird: Klopapierrollen in jeder Umgebung, als Zahlungsmittel im Laden oder am Poker-Tisch, erschöpfte Hunde und zufrieden entspannte Katzen. Die Erklärung dafür: Hunde werden extensiv ausgeführt, Katzen ohne Ende gestreichelt und gekuschelt.

In einer Stadt wie Kaufbeuren mit ihrer multinationalen Bevölkerung kommen die verschieden Witze natürlich auch nicht bei allen gleich gut an. Das sind zum Beispiel die Hefe-Hamsterer. Warum tun die das? „Weil sie auch Mehl horten und dann selbst Brot backen wollen“ ist wohl die am meisten verbreitet Einschätzung. Ein Bekannter mit russischen Wurzeln verwies mich jedoch auf eine Tradition der untergegangenen Sowjetunion. „In den 1980er und 1990er Jahren haben wir viel Schnaps selbst gebrannt. Dazu reichen eine kleine Küche oder besser ein gut verschließbares Badezimmer, Zucker und Hefe. Dann kannst du hektoliterweise Eigenbrand produzieren und Krisen aussitzen ohne Ende“.

Ich glaube allerdings doch mehr an die Brot-Variante, denn von Zucker-Hamsterern war bisher noch nichts zu hören. Das verwundert nicht, denn die heraufziehende große Krise in Wirtschaft und Gesellschaft hat eine sehr klare nationale Prägung. Darauf wies mich ein Freund mit ebenfalls schwarzem Humor hin: „Sie entspricht genau unseren deutschen Idealen – bio in der Herkunft und nachhaltig in den Auswirkungen“, schätzte er ein.

Allerdings schlägt die Krise auch im Getränke-Sektor zu. So war zu hören, dass der Hersteller der Biermarke „Corona“ in Mexiko die Produktion vorübergehen eingestellt hat. Grund dafür ist aber, nach einer Mitteilung des Unternehmens, nicht der Name des Getränks, sondern eine allgemeine Anweisung der mexikanischen Regierung, die Bierproduktion zu stoppen. Das Unternehmen will jedoch sofort wieder produzieren, wenn es eine Sondergenehmigung erhält. Das zeigt, dass auch für Bayern noch einige Luft nach oben ist bei Verboten.

Einer meiner Freunde glaubt allerdings nicht an ein gutes Ende. Er schickte mir ein Bild seines derzeit alltäglichen Mittagessens, Corona-Bier und Pizza, und meinte, er würde jetzt die Biermarke wechseln. „Das Zeug bekommt Kultstatus, und ein Original Corona der Vorkrisenzeit könnte eine Kapitalanlage werden“, so sein Tipp. Angesichts dessen, dass Gold nicht mehr zu bekommen ist, und viele mit einer starken Inflation rechnen, bin ich geneigt, ihm zuzustimmen. Nur, woher nehmen, wenn nicht hamstern? Oder gibt es das noch online zu starken Überpreisen? Einen Ausweg aus dem Getränkedilemma weist allerdings ein Bild von Chuck Norris mit einem Kaffeebecher, auf dem „Corona-Virus“ geschrieben steht. Und wenn es ganz hart kommt, kann man ja auch Bienen kauen.

Ich habe jedenfalls erst einmal in jedes Zimmer zum Samstagabend zwei Bier gestellt. Da mache ich dann eine Kneipentour. Wird super!

Irgendwie muss man ja in der Quarantäne die Zeit umbringen. Manche Leute, so ist zu hören, reden aus Einsamkeit schon mit Hausgeräten wie Toaster und Mikrowelle. Nur nicht mit der Waschmaschine. Die bringt nämlich immer alles durcheinander.

Und wann endet dieser ganze Wahnsinn? Optimisten sagen, dass es bald wieder so wird, wie es einmal war. Aber es gibt da einen schönen alten Merksatz aus der untergegangenen DDR, der da lautet „Optimismus ist Mangel an Information“. Und den haben wir jedenfalls im Moment alle. Den Mangel, meine ich.

Ich sehe aber eine Zukunft heraufziehen, in der „Die PARTEI“ noch eine wichtige Rolle spielen kann. Für die Welt reicht es allemal. Oder, ganz konservativ-bayerisch ausgedrückt: Schauen wir mal, wie verrückt das alles noch wird. Bereiten Sie sich vor auf das Unerwartete. Vor allem aber bleiben Sie gesund! Jedenfalls so lange, bis der größte Ansturm auf die Krankenhäuser vorbei sein wird. Denn wenn man den Experten glauben darf (darf man wirklich?), dann erwischt der Virus mit der Zeit fast jeden. Fast. Sagen die Experten.

von Ingo Busch

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