Faschings-Express fährt auch heuer wieder

+
Vor genau 50 Jahren, im Fasching 1967, war dieser Faschings-Express in den Straßen Kaufbeurens unterwegs. Hatte man anfangs das äußere Erscheinungsbild von Zugmaschine und Wagen mehrfach gewechselt, so fährt die Bahn seit 2001 wie vom „Kindergarten Am Sonneneck“ gestaltet: bunt bemalt mit Motiven aus dem Dschungelbuch.

Kaufbeuren – Kaufbeuren kann man nun wirklich nicht als Faschingshochburg im klassischen Sinne bezeichnen, wenngleich auch hier durch etliche Veranstaltungen und Aktivitäten dem Frohsinngedanken der närrischen Zeit Rechnung getragen wird. Auf eine in ihrer Art einmaligen Besonderheit kann man in der Wertachstadt jedoch besonders stolz sein: den Faschings-Express! Genauer formuliert die „Bimmelbahn“ des Vereins „Faschings-Express Kaufbeuren e.V.“, die jedes Jahr – seit nunmehr 67 Jahren ununterbrochen – in der Woche vor Fasching und bis Aschermittwoch in den Straßen unterwegs ist, „für die Kinder der Stadt“, wie der Slogan des Vereins lautet.

Die erste Bahn fuhr im Jahre 1950. Die Idee dazu hatte Adolf Erdt, den man getrost als den eigentlichen Gründer des Ganzen bezeichnen kann. Er konnte seine beiden Spezln, Landwirt Josef Siegel und Schmiedemeister Anton Hartwig, dafür begeistern und die drei machten sich an die Verwirklichung des Plans. Siegel stellte seinen Traktor und einen Wagen zur Verfügung, ein zweiter kam vom Kloster in Kaufbeu­ren. Hartwig kümmerte sich um die Aufbauten der Wagen, bei denen damals die Bespannung beziehungsweise Verkleidung noch aus Pappe und Packpapier bestand. Siegel fungierte dann als „Lokführer“, als Fahrer des Gespanns. Jahre später übernahm sein Sohn Benno, der auch heute noch aktiv ist, für viele Jahre diese Aufgabe.

Die Aktion wurde ein voller Erfolg und die „Bimmelbahn“-Fahrten in den folgenden Jahren zum festen Bestandteil der Faschingszeit in Kaufbeuren.

Die Hauptakteure und die inzwischen dazu gekommenen freiwilligen Helfer beschlossen nach etlichen Jahren die Gründung des Vereins „Faschings-Express Kaufbeuren e.V.“. Im Laufe der Jahre wurden auch die beiden Anhängerwagen gekauft, damit sie aufgerüstet jahrüber stehen bleiben konnten, zumal dann auch wegen der Sicherheitsbestimmungen feste Aufbauten erforderlich wurden. Heute stellt die Firma AGCO/Fendt in Marktoberdorf jedes Jahr für die Fahrten eine nagelneue Zugmaschine unentgeltlich zur Verfügung; die Dieselkosten, trägt der Verein selbst. Andere Firmen sponsern beispielsweise die Süßigkeiten für die Kinder und die Verpflegung der Helfer.

Ständig neue Bestimmungen und Vorschriften machen es dem Verein in der heutigen Zeit immer schwerer, die „Bimmelbahn“ im Fasching fahren zu lassen. Wie Vorstand Marcus Siegel, der mit Martin Glogowski und Florian Erdt heute den Verein verantwortlich führt, erläutert, muss der Verein jedes Jahr zahlreiche bürokratischer Hürden überwinden, bevor die erste Fahrt starten kann. Einige Beispiele: Die Zugmaschine und jeder Wagen müssen einzeln jährlich zum TÜV, anschließend das Gespann als Ganzes nochmals. Das geschieht bereits im Oktober, denn dieses Gutachten muss bei der Regierung von Schwaben zum Erhalt der Fahrtgenehmigung vorgelegt werden. 

Die Genehmigung für die zu fahrenden Strecken ist bei der Regierung der Oberpfalz zu beantragen, die ist für die Personenbeförderung zuständig. Die acht eingesetzten Fahrer müssen einen Sonderführerschein haben, das muss vor der Genehmigung nachgewiesen werden. In diesem Jahr ist erstmals neu ein Verkehrsleiter für Personenüberwachung vorgeschrieben, der Kontrollen und auch entsprechende Belehrungen durchführen muss. Das alles verursacht bereits vor der ersten Fahrt erhebliche Kosten. Dazu kommt dann noch der logistische Aufwand, den die Vereinsmitglieder stemmen: Transport, Auf- und Abbau des Bahnhofs „Kaufblonzen“, Einrichtung von Absperrungen und dann die Tätigkeiten rund um die Fahrten selbst. 

Insgesamt sind während der Fahrtwoche circa 30 Helfer aktiv, die ehrenamtlich arbeiten und mithelfen, dass im Durchschnitt 7000 bis 8000 große und kleine Fahrgäste mit der „Bimmelbahn“ pro Saison befördert werden können. Viele Fahrgäste wünschen sich die Verantwortlichen auch heuer, schließlich sind sie „unterwegs für die Kinder unserer Stadt“.

Der Bahnhof „Kaufblonzen“...

.. ist der zentrale Punkt für alle, die mit der „Bimmelbahn“ fahren wollen. Er steht am Nordeingang des Buron-Centers (Espachstraße). Jede Fahrt dauert circa 20 Minuten (verkehrsabhängig) und kostet 1 Euro pro Person, wie schon jedes Jahr unverändert seit 2002. In der Woche vor Fasching fährt die „Bimmelbahn“ Schulklassen, Kindergärten und Altenheime, ab Faschingsfreitag die Allgemeinheit.

Fahrtzeiten für die Allgemeinheit:

• Freitag: 24. Februar, 14 bis 16.30 Uhr

• Faschingssamstag: 10 bis 16.30 Uhr

• Faschingssonntag: keine Fahrten

• Faschingsdienstag: wie Samstag

• Rosenmontag nur in Neugablonz: von 13.30 bis 16.30 Uhr nur ab/bis Gablonzer Haus

von Gerhard Bromberger

Auch interessant

Meistgelesen

Ein "gemeinsames Miteinander"
Ein "gemeinsames Miteinander"
"Das Weitblick" öffnet im September 2018
"Das Weitblick" öffnet im September 2018
Zusätzliches Management für KU?
Zusätzliches Management für KU?
Diskussion zur Flüchtlingsfrage
Diskussion zur Flüchtlingsfrage

Kommentare