Hilfe zur Selbsthilfe

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Alt werden im Ostallgäu – da gibt es viele Konzepte, um einer Vereinsamung im Alter entgegenzuwirken. Als besonders erfolgreich haben sich Nachbarschaftshilfen und Seniorengenossenschaften erwiesen.

Landkreis – Für die Seniorin nebenan die Einkäufe erledigen, die dafür mal auf die Kinder aufpasst, Kaffee-Treffs und Vorträge organisieren, oder einfach Zeit zusammen verbringen – Konzepte wie die Nachbarschaftshilfe „NUZ“ in Pfronten werden nicht nur, aber vor allem für die Senioren im Landkreis immer wichtiger.

Kreative Ideen sind hier gefragt, die nach Möglichkeit auch vom Landkreis mit Geld oder Know-how gefördert werden. Dies zeigte die Vorstellung des Seniorenkonzepts am vergangenen Donnerstag im Ausschuss für Familien und Soziales. Im Fokus steht zudem immer mehr das Thema Demenz.

Ein Drittel der Senioren im Ostallgäu haben keine Kinder in der näheren Umgebung, demgegenüber stehen eine steigende Lebenserwartung und der klare Wunsch, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. Nur über Ehrenamtliche können Vernetzung und soziale Angebote nicht geleistet werden.

Nachbarschaftshilfen und Seniorengenossenschaften sind da eine gute Lösung, die darüber hinaus allen Beteiligten die Möglichkeit gibt, sich auf Augenhöhe und den eigenen Fähigkeiten einzubringen, so Landrätin Maria Rita Zinnecker. Sie hat selbst schon das Seniorencafé des Vereins für Nachbarschaftliche Unterstützung und Zeitvorsorge (NUZ) in Pfronten besucht und zeigte sich beeindruckt: „Der Kaffee ist so gut, da werden die Besucher immer mehr“, sagte sie mit einem Augenzwinkern – nach über einem Jahr gebe es bereits über 160 Teilnehmer.

Dem Beispiel folgen mittlerweile auch andere Ostallgäuer Gemeinden. Schwierigkeiten gebe es bei den niederschwelligen Projekten manchmal bei der bürokratischen Abwicklung, bei der Lösungsfindung sei unter anderem Lechbruck vorbildlich. Hilfe hinsichtlich der Finanzierung gibt es, neben einem gewissen internen Ausgleich durch Mitgliedsbeiträge oder Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtliche, von staatlicher Seite mit einer Anschubfinanzierung durch das Sozialministerium vor Projektstart für Nachbarschaftshilfen in Höhe von bis zu 10.000 Euro und für Seniorengenossenschaften bis zu 30.000 Euro. Zur Seite steht außerdem das Landratsamt mit bis zu 2.000 Euro für eine hauptamtliche Koordinationskraft.

Neue Finanzierungsoptionen für Projekte wie NUZ könnte auch der neue Haushaltsplan geben, der am Montag (nach Redaktionsschluss) im Kreisausschuss vorgestellt wurde. „Wir haben uns da ein paar Sachen überlegt“, so Alexander Zoller, Leiter des Bereichs Soziale Entwicklung und bis vergangenen Monat Seniorenbeauftragter am Landratsamt.

Schwerpunkte des allgemeinen Seniorenkonzepts für 2016 sind die Fortschreibung der Förderrichtlinien ambulanter Pflegedienste zur Investitionsförderung, sowie die Initiierung von Arbeitskreisen und Fortbildungen zu den Themen Nahversorgung, ambulant betreute Wohngemeinschaften und eine engere Kooperation mit der Demenzhilfe im Landkreis.

Wie wichtig Projekte wie NUZ oder die Seniorengenossenschaften gerade für demenziell Erkrankte sind, stellte der Ostallgäuer Demenzbeauftragte Stephan Vogt im Ausschuss dar. „Dazugehören ist wichtig“, erklärte Vogt, der zudem den Ausschussmitgliedern sein Aufgabengebiet detailliert vorstellte. Dazu gehören die Koordinierung der landkreisweiten Aktivitäten im Bereich Demenz, die Vernetzung und Kooperation mit wichtigen Akteuren, wie beispielsweise den ambulanten Diensten, örtlichen Seniorengenossenschaften, Initiativen zur Gründung von ambulant betreuten Wohngemeinschaften und ähnlichen.

Seine Schwerpunkte will Vogt im kommenden Jahr vor allem auf die Gewinnung der bestehenden Netzwerke für das Ostallgäuer Demenzkonzept nutzen, auch das bürgerschaftliche Engagement soll stärker eingebunden werden. „Landkreisweit möchten wir außerdem die sogenannte MAKS-Aktivierungstherapie einführen“, so Vogt.

Dieses erklärte Alexander Zoller. Die Abkürzung „MAKS aktiv“ steht für motorische, alltagspraktische, kognitive und spirituelle Aktivierungstherapie für Menschen in Pflegeheimen, die von Gedächtnisstörungen betroffen sind. „Ein einheitliches Konzept ist wichtig, damit die Betroffenen nicht in Einrichtungen, zu Hause oder bei Freizeitangeboten auf völlig unterschiedliche Formen des Umgangs treffen“, so Zoller. Verpflichtet sei aber keine Einrichtung, das Konzept zu übernehmen.

von Michaela Frisch

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