Für Eltern wird es jetzt teurer

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Auch im katholischen Kindergarten „Guter Hirte“ in Neugablonz bezahlen Eltern für das Wohl ihrer Kinder künftig mehr.

Kaufbeuren – Eltern in Kaufbeuren müssen ab 1. September dieses Jahres für Beiträge in Kindergärten und Horten tiefer in die Tasche greifen. In der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses der Stadt Kaufbeuren haben die Mitglieder die Erhöhung beschlossen. Dies gelte für Kinder im Alter ab drei Jahren, während die Gebühren für Kinder unter drei Jahren unberührt bleiben. Werden bisher 85 Euro monatlich bei einer Buchungszeit von durchschnittlich sieben bis acht Stunden verlangt, bezahlen Eltern für das Wohl ihrer Kinder künftig 95 Euro.

Schon im Herbst 2016 habe die Verwaltung des Jugendamtes die Gebührensätze für Kindertageseinrichtungen von Umlandgemeinden und vergleichbaren Städten abgefragt. Auffallend ist, dass Städte wie Memmingen (112 Euro) und Buchloe (120,5 Euro), ja sogar die finanzstarke Nachbargemeinde Mauerstetten (105 Euro) bei einer täglichen Buchungszeit von sieben bis acht Stunden mehr für die Betreuung der Kinder verlangen. Im letzten Kindergartenjahr übernimmt der Freistaat Bayern sogar die Gebühr von 100 Euro. Essens- sowie das Spiel- und Brotzeitgeld müssen weiterhin an den Träger selbst entrichtet werden. „Wir liegen bei den Gebühren also relativ günstig, während die Gebühren für Kinder unter drei Jahren im Krippenbereich im mittleren Bereich anzusiedeln sind“, führte Werner Maurer, stellvertretender Leiter des Jugend- und Familienreferats, aus.

Die derzeit gültigen Gebührensätze von Kindergarten und Hort wurden vom Stadtrat bereits am 3. März 2005 beschlossen. Die momentanen Gebührensätze im Krippenbereich gelten sogar seit September 2003. Die Abteilung Kinder, Jugend und Familie halte es daher für angemessen und vertretbar, die Gebühren moderat um circa zehn Prozent zu erhöhen.

Neue Regelung noch nachbessern

Rege diskutiert wurde zudem über die Sozialkomponente bei Gebührenbefreiungen und -ermäßigungen sowie der Geschwisterbonus bei zwei, drei oder mehreren Kindern in einer Einrichtung. Auf Vorschlag von Angelika Lausser, die in Vertretung für Oberbürgermeister Stefan Bosse die Sitzung hielt, solle die Verwaltung damit beauftragt werden, weitere Details zum Geschwisterbonus zu prüfen und eine Gebührenanpassung künftig alle drei Jahre zu prüfen.

Damit dürfte auch dem Elternbeirat im „Haus für Kinder St. Josef“ zu Teilen Rechnung getragen werden. Im Vorfeld gaben sie bezüglich der Gebührenerhöhung in Kindergärten und Horten eine schriftliche Stellungnahme ab. Sie fordern ferner in ihrer Stellungnahme auch eine Sozialkomponente zu berücksichtigen. Denn Zusatzkosten für den Besuch einer Kindertageseinrichtung würden Eltern mit geringerem Einkommen stärker belasten. Gestützt würde diese Aussage durch die Ergebnisse der jüngsten Studie der Bertelsmann Stiftung: Demnach empfinden über 40 Prozent der Eltern mit einem Haushaltseinkommen von unter 1.500 Euro netto die Zusatzkosten als zu hoch. „Wir regen daher an, das Gebührenmodell entsprechend weiterzuentwickeln. Das heißt, über die bereits vorhandene Gebührenbefreiung bei Unterschreitung eines bestimmten Einkommens (Kappung nach unten) ist eine dem Haushaltseinkommen folgende, die Belastung abfedernde Gebührenstaffelung nach oben erstrebenswert.“

Der Elternbeirat des „Haus für Kinder St. Josef“ kommt daher zu dem Entschluss, das Gebührenmodell, aber auch das Modell der städtischen Finanzierung dahingehend weiterzuentwickeln, dass Kindertageseinrichtungen einen Korridor erhalten, in dem Gebühren im Einvernehmen mit den Eltern festgesetzt werden können. In dieses dergestalt weiterentwickelte Gebührenmodell sollte ein Anreizsystem eingebettet sein, mit dem eine verbindlich höhere Qualität in den geförderten Einrichtungen erreicht wird (zum Beispiel nachgewiesener besserer Betreuungsschlüssel, Zertifizierungen). „Das Prinzip könnte lauten, wenn Träger und Eltern bereit sind, für verbindlich festgeschriebene Qualitätssteigerungen einen finanziellen Beitrag zu leisten, fördert die Stadt dies durch ein ebenso höheres finanzielles Engagement. Die Stadt Kaufbeuren hätte somit die Möglichkeit, durch die Kontrolle der zur Verfügung stehenden Zusatzmittel, die Qualität der Kindertageseinrichtungen (auch Kinderkrippen) positiv zu beeinflussen“.

Referatsleiter Alfred Riermeier machte zudem deutlich, dass der Bedarf bei der Kindertagesbetreuung weiter ansteige und eine Notwendigkeit an Kindertagesstätten in Kaufbeuren absehbar sei.

15 neue Kitaplätze

Bedingt durch fehlende Kitaplätze und Wartelisten für U3-Kinder signalisierte die Kolping Akademie in Kaufbeuren, dass sie in den Räumlichkeiten der Otto-Müller-Straße eine Krippengruppe mit insgesamt 15 Plätzen bereits ab Mai 2017 bereitstellen würde. Umbaumaßnahmen wie die Schaffung von Schlafräumen, die Vergrößerung des Waschraumes mit zwei Toiletten sowie das Errichten einer Küche mit Essplatz und eines Spielgartens werden mit einem Kostenaufwand von 40.000 Euro veranschlagt. Der Jugendhilfeausschuss gab hierfür grünes Licht. Denn die Umbauten bzw. Renovierungen der Städtischen Kindertageseinrichtungen „Leinauer Hang“ mit 15 Plätzen und „Grünwalder Straße“ mit 30 Plätzen dürften erst Ende 2019 bzw. Ende 2020 abgeschlossen sein. Erst dann stehen die neuen Plätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung.

von Stefan Günter

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