FOS/BOS: Stücke schreiben, Stücke inszenieren, Stücke aufführen

Mehr als das übliche Theater

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Nach dem vielen gemeinsamen Diskutieren braucht es eine dynamische Bewegungsübung. Initiatorin Andrea Einfeldt ist auf dem Foto vorne links.

Kaufbeuren – Hervorragende Theaterprojekte mit der eigenen Schulgruppe gibt es in Kaufbeuren einige. Die Gruppe um Andrea Einfeldt der FOS/BOS fällt jedoch aus dem theater-pädagogischen Rahmen. Seit 2005 freut sich die Kaufbeurer Bevölkerung im April auf ein von ihr neu-geschriebenes Stück.

Mal überraschen die Erben Lessings und Schillers mit ein wenig frechen und provokanten Dialogen, oder sie bringen eine heiter-ausgelassene oder tiefgründigen Handlung auf die Bühne. Ein wenig verrückt und abgefahren dürfen die selbst geschriebenen Stücke schon sein, sagt die leitende Deutsch- und Sozialkundelehrerin. Wichtig ist ihr, dass die Ideen von den etwa fünfzehn beteiligten Jugendlichen selbst stammen.

Die Zeit drängt, denn zwischen Herbst, wenn sich die neue Gruppe zum ersten Mal trifft, und der Frühjahrsaufführung sind mal ganze sieben Monate, die Ausfallzeiten in den Ferien noch nicht berücksichtigt. Die zwölf bisherigen Stücke geben einen anspruchsvollen Maßstab für 2018 vor. Aber was die Gruppe derzeit bei ihren wöchentlichen Treffen zusammenträgt, soll ja ein neues theatralisches Highlight im Stadttheater werden. Nichts wird beim Brainstorming als zu abwegig abgetan, sondern alles wird zunächst als gleich wichtig zusammengetragen und aufgeschrieben.

Pädagogische Marschrichtung

Tobias Brozen als angehender Jungschauspieler und Lio Mayr als Regieassistentin, beide Ehemalige der Einrichtung, unterstützen seit sechs Jahren sowohl diesen Schreib-Prozess als auch die späteren Proben. Da kommt schon so manch pfiffiger Einfall zusammen. Diese Stärke könnte auch eine Schwäche werden, wie jeder weiß, der schon einmal versucht hat, mit mehreren Personen zusammen einen Text zu schreiben. Neben Kreativität steht also auch eine hohe Teamfähigkeit im „geheimen Lehrplan“.

Fährt man sich einmal in den Diskussionen um Sinn, Inhalt und Form fest, wird der kreative Prozess mit Improvisationsspiel wieder in Gang gebracht. Erste Szenen entstehen auf diese Weise, werden dann mit unterschiedlicher Besetzung wiederholt, variiert und verbessert, so Brozen und Mayr.

Und gleich wieder zurück zum Gesamtablauf. Worum geht es? Wer spielt was? Der Anspruch ist ja, jedes Nachwuchstalent steht später auf der Bühne, ohne dass jemandem die zentrale Rolle zukommt. Berechtigt die aufgeworfene Frage für das Stück in 2018: Gibt es einen einzelnen „Schlimmfinger“ oder macht sich die ganze Gruppe schuldig? Wird alles noch durch das Zusammentreffen unglücklichster Umstände verstärkt?

Die Grundrichtung der Handlung einmal demokratisch festgelegt, können Rollenbiographien und einzelne Szenen in Kleingruppen geschrieben werden. Eine aufwendige Herausforderung ist diese zusätzlich erbrachte Kür schon, schließlich stehen weder FOS noch BOS im Ruf viel Freizeit zu lassen, wenn nach zwei oder drei Jahren die Zulassung zu Fachhochschulen oder Universitäten geschafft sein soll.

Spaß an der kreativen Arbeit

Nach den Gründen befragt, werden unterschiedliche Motivationen vorgebracht. Veronika Klaas redet einfach gerne vor Leuten, hat einfach Freude daran sich in unterschiedlichen Rollen einer Öffentlichkeit zu präsentieren. Karim Gomaa will einfach sein Selbstvertrauen aufbauen, indem er mit der Gruppe ein gutes und vielleicht auch ein wenig verrücktes Stück präsentiert. Sophia Zeisel will ihre Kreativität ausleben. Und vielleicht ist es ja auch ein erster Schritt zur eigenen Karriere als Schauspielerin.

Allen Beteiligten gemeinsam ist der Wunsch, Spaß zu haben. Wer in den vergangenen Jahren auch nur eines der Stücke im Stadttheater gesehen hat, weiß, die Freude am Theaterspielen haben sie alle.

Etwas Zeit bleibt der Gruppe noch, aber neben dem Schreiben und den Proben werden sich bis zum großen Moment noch einige Herausforderungen stellen: Requisiten, Kostüme, Öffentlichkeitsarbeit wie Plakate und Programmheft, Bühnentechnik, Musik und jede Menge von Proben stehen auf dem Programm. Nur sieben Tage wird dann das Stadttheater für die Gruppe sturmfrei sein, bevor es nach der Generalprobe, einigen Vormittags- und Abendvorstellungen wieder besenrein zurückgegeben werden muss.

von Peter Suska-Zerbes

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