Serie Schule anders: Frenzel-Wirtschaftsschule baut bei Übungsunternehmen auf eine lange Tradition

Fast wie im richtigen Leben

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Am gesunden Selbstvertrauen und Spaß fehlt es den Nachwuchskaufleuten bei ihren „Geschäften“ sicher nicht.

Kaufbeuren – Gleich vorweg gesagt: Die Idee, mit einem Übungsunternehmen den Schülern einen praktischen und theoretischen Einblick in die kaufmännischen Prozesse zu vermitteln, ist nicht neu. Die private Frenzel-Wirtschaftsschule in Kaufbeuren betreibt gleich zwei davon.

„Büro Welten Frenzel“ vermarktet fiktive Büromöbel, während „Frenzel Quelle ­GmbH“ nur virtuell existierende Getränke ein- und verkauft. Diese Unternehmen sind nicht allein: Ein Netzwerk von 240 „Handelspartnern“ der bayrischen Wirtschaftsschulen mit Zentrale in Memmingen unterstützt beim Auf- und Ausbau der wirtschaftlichen Aktivitäten.

Diese praktische Vorbereitung auf eine spätere kaufmännische Ausbildung dürfte jedoch kaum der einzige Grund sein, warum sich Eltern ganz bewusst für diese Art von Schule entscheiden. Etwa 150 Schüler werden je nach Voraussetzung in zwei oder vier Jahren zur mittleren Reife mit dem Schwerpunkt „Wirtschaft“ geführt. Schulleiterin Corina Nuscheler weiß, gerade die verhältnismäßig geringe Größe ihrer Einrichtung hat ihre Vorteile. Jeder kennt jeden. Der Umgang miteinander sei persönlich, vertraut, entspannt. Die Überschaubarkeit erlaube auf die Bedürfnisse der Schüler flexibel und individuell zu reagieren. Ideal auch für die integrierten Übungsfirmen.

Bewährter Weg mit neuem Profil

In den beiden letzten Schuljahren stellen die Übungsunternehmen ein gut erprobtes Unterrichtsfach dar. Die normalen Klassen, in der Regel 20 bis 25 Schüler, werden am Anfang des Schuljahres auf eine der genannte Übungsfirmen verteilt. Schüler Marcel Kavakas erklärt, warum das Sinn macht: „Es ist interessant, weil ich jetzt schon für die Zukunft übe, da ich einmal als Industriekaufmann arbeiten möchte.“

Bestimmt handelt es sich um keinen Spiel-Kaufladen, der die Beteiligten wöchentlich erwartet. Hard- und Software, sowie die sonstige bürotechnische Ausrüstung stehen kaum hinter der Ausstattung eines richtigen Handelsunternehmens zurück. Aktiv das bereits erworbene Wissen umsetzen, kommt den natürlichen Bedürfnissen der 15 bis 16-jährigen Schüler entgegen. „Das Arbeiten am PC macht mir viel Spaß“, antwortet Nadine Latzitis auf die Frage, was ihr am besten gefällt. Nach Abschluss ihres zweiten Jahres in der Übungsfirma macht sie die Abschlussprüfung in diesem Fach. Sie hat bereits hohe Erwartungen für ihre berufliche kaufmännische Zukunft.

Schüler stehen in der Verantwortung

Produktideen, Namen des Unternehmens sowie Logo stammen von den Schülern. Der Slogan „Frenzel Quelle – kühlt, erfrischt, zischt“ könnte zugegebenermaßen auch von einer professionellen Werbefirma stammen. Auch bei Flyern, Katalogen und sonstiger Werbeausstattung baut man unter fachkundiger Leitung der Lehrer ganz auf die Nachwuchskräfte. Viele werden später sicher frischen Wind mit ihren unkonventionellen Ideen in ihre Unternehmen bringen.

Und da es wie im richtigen Leben sein soll, sind beide Unternehmen auch zertifiziert; hohe Qualitätsstandards gelten als Verpflichtung. Claudia Lindner, Lehrerin für Wirtschaftsfächer, weiß um die Wichtigkeit der kleinen Gruppen. „Die Schüler lernen, wie Einkaufs- und Verkaufsprozesse im Großhandel abgewickelt werden.“ Team­arbeit und Kooperation gehören da zu einer alltäglichen Selbstverständlichkeit.

„Kompetenzorientierung“ wird wie bei den Grund- und Hauptschulen seit 2015 im Lehrplan berücksichtigt. Hier konnten die Wirtschaftsschulen an ein bereits aufgebautes Netzwerk anknüpfen. Mit einigen erforderlichen Anpassungen, versteht sich. Orientierten die Vorgaben sich früher an unterschiedlichen Fächern, um unterschiedliche Bereiche abzudecken, wird heute das Schwergewicht auf den handelsüblichen Prozessablauf gelegt. Dieser beginnt mit der Bedarfsermittlung, geht über Lieferantensuche und Kalkulation zur Bestellung und Lieferung. Rechnung und Buchung schließen den Prozess ab. Bei allen Schritten bedient man sich des richtigen Postverkehrs und auch bei der späteren Zahlung wird ein eigenes Unternehmenskonto geführt.

von Peter Suska-Zerbes

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