Serie Schule anders: Zehn Jahre harmonisches Zusammenspiel zwischen der Musikschule Kaufbeuren und der Adalbert-Stifter Schule

Begeisterung gibt den Ton an

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Maria Mayer-Günther (rechts) gibt beim gemeinsamen Singen begeistert den Takt vor.

Kaufbeuren – Eine lebendige Kooperation wird seit zehn Jahren zwischen der Musikschule Kaufbeuren und der Adalbert-Stifter Schule gepflegt. Martin Klein, Leiter der Musikschule, und Herbert Stumpe, Rektor der Neugablonzer Grundschule, beide musikbegeistert, ist es zu danken, dass das Projekt „JeKi“ initiiert wurde. Dies steht für „Jedem Kind ein Instrument“. Alle Kinder der ersten beiden Jahrgangsstufen sollen eine musikalische Grundausbildung bekommen, ohne dass die Eltern dafür bezahlen müssen.

12.000 Euro waren erforderlich, damit die Instrumente angeschafft werden konnten. Bei der Anschaffung wurde auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis geachtet. Da schlug die Anschaffung von Geigen mit einem Einzelpreis bis zu 350 Euro schon erheblich zu Buche. Die Kosten für die fach-pädagogische Begleitung werden aus den Fördermitteln der Stadt an die Musikschule finanziert. Der bisherige Erfolg hat auch einen Namen: „Maria Mayer-Günther ist der eigentliche Motor des Projekts“, sagte Stumpe anerkennend. Die Musikpädagogin der Musikschule drückt ihre Arbeit in einem Bild aus. „Ich empfinde mich als Gärtnerin für die Pflanze Musik, und ich freue mich an dem Wachstum.“

Musikalische Alphabetisierung

Im ersten Jahr steht die musikalische Grundausbildung, die sich individuell an den Möglichkeiten der Erstklässler orientiert. Hinter dem Begriff „Bodypercussion“ verbirgt sich eine pädagogisch-kreative Methode, beim Klatschen, Klopfen Schnippen, Patschen ein Gefühl für Rhythmus auf spielerische Weise zu vermitteln. Die Länge der Töne wird mit Rhythmussilben verknüpft. Für die Stufen der Tonleiter gibt es jeweils ein unterschiedliches Handzeichen, sodass die Schüler beim Singen auf den Lehrer schauen und die Gesten nachmachen. „Wichtig ist eine schrittweise Entwicklung wie beim Laufenlernen“, erklärte Mayer-Günther. Einfallsreich und kreativ geht es auch zu, wenn aus Blumentöpfen Trommeln und aus Schläuchen Trompeten werden. Der Spaß am Singen und Musizieren steht immer im Vordergrund.

In der zweiten Jahrgangsstufe wird dann ein Instrument gelernt. Sicherheitshalber darf jedes Kind drei Wünsche äußern, denn wenn in Ausnahmefällen das Lieblingsinstrument nicht möglich ist, dann kann man auf den zweiten oder dritten Wunsch zurückgreifen. Die Instrumente können mit nach Hause genommen werden, schließlich geht es nicht ganz ohne Üben auch außerhalb des Schulunterrichts. Eine Kombination von Unterricht in Klassen und Kleingruppen ermöglicht ein systematisches Vermittelnd der erforderlichen Grundkenntnisse.

Mühe, die sich hören lässt

Die klanglich-harmonischen Ergebnisse bei Aufführungen rechtfertigen die Mühe und den Aufwand. Eltern, Lehrpersonal und nicht zuletzt die Kinder selbst sind begeistert. Neben den hörbaren Erfolgen lohnt sich aber auch ein kurzer Blick in den „Geheimen Lehrplan“. Es wird nicht nur musikalisches Grundwissen vermittelt, sondern das gemeinsame Musizieren hat auch sehr positive pädagogische Auswirkung auf die Entwicklung der Kinder. Ein gemeinsamer Auftritt ist ohne gegenseitige Rücksichtnahme nicht denkbar. Verbesserung von Konzentration, Ausdauer, Frustrationstoleranz wurden von Rektor Stumpe betont.

Und nach einer gelungenen Aufführung gibt es bei den Kindern ein Erfolgserlebnis. „Ich habe was getan und es klingt wunderschön“, beschreibt es Mayer-Günther. Gerade bei Kindern, die sich in manch anderen Schulfächern nicht gerade leicht tun, vermittelt diese Erfolgserfahrung ein wachsendes Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, bestätigte der Schulleiter.

Nach den zwei Jahren besteht in der dritten Klasse die Möglichkeit, in kleinen Gruppen in der Schule den Instrumentalunterricht fortzuführen. Der ist allerdings gebührenpflichtig, aber an fehlenden finanziellen Mitteln soll der Wunsch des Kindes nicht scheitern. Dank der finanziellen Unterstützung des Rotary-Clubs Kaufbeuren und des Rotary Clubs Kaufbeuren-Ostallgäu ist es in diesem Jahr möglich in der dritten Jahrgangsstufe mit einer erweiterten Klasse von 32 Schülern das Projekt kostenfrei fortzusetzen.

von Peter Suska-Zerbes

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