Landwirtschaft heute

+
Durch möglichst grobtropfiges Ausbringen der Gülle werden die gasförmigen Nährstoffverluste reduziert.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Der Boden ist der wichtigste Produktionsfaktor für die Landwirtschaft. Daher ist es wichtig, dass die Bodenfruchtbarkeit erhalten und gefördert wird. Einen sehr wichtigen Aspekt spielt – neben dem Mist – die Gülle als organischer Dünger tierischer Herkunft. In Zusammenarbeit mit Studierenden der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren berichtet der Kreisbote über ausgewählte Themen. Zum Thema „Gülle“ informieren heute die Autoren Tobias Rauch, Markus Schrankenmüller und Christian Schreiegg.

Gülle fällt im Stall zum Beispiel bei der Haltung von Milchkühen an und wird als Dünger auf die Acker- und Grünlandflächen ausgebracht. Die Tiere wiederum erhalten ihr Futter und damit auch die erforderlichen Nährstoffe zum größten Teil von den Grünland- oder Ackerflächen des Betriebes. Dadurch wird deutlich, dass mittels Gülleausbringung der Nährstoffkreislauf im landwirtschaftlichen Betrieb geschlossen wird. 

Werthaltige Gülle 

In der Gesellschaft wird die Gülle oft als stinkendes Abfallprodukt gesehen. Jedoch enthält sie wichtige Nährstoffe, die für das Pflanzenwachstum notwendig sind. Auf einem durchschnittlichen Milchviehbetrieb im Ostallgäu mit 33 Kühen, fallen jährlich etwa 850 Kubikmeter Gülle allein durch die Kühe an. Unter der Voraussetzung, dass im Boden Bedarf an Nährstoffen besteht, hat die Gülle im Vergleich mit Mineraldünger einen Wert von rund 8,50 Euro pro Kubikmeter. 

Da im Mineraldünger keine organische Masse enthalten ist, bilden Gülle und Mist mit ihrem Anteil an organischer Masse eine wichtige Nahrungsgrundlage für das Bodenleben, beispielsweise für Regenwürmer und dienen damit dem Aufbau des wertvollen Humus. Wenn man keine Gülle mehr ausbringen könnte, müssten die Nährstoffe für die Pflanzen komplett über mineralischen Dünger zugeführt werden und die vorhandene werthaltige Gülle würde keine Verwendung finden. Somit wäre keine Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft möglich. 

Für die mineralische Düngerherstellung muss außerdem sehr viel Energie aufgewendet werden. Sie sollte deshalb nur als Ergänzung dienen. Insbesondere Bio-Betriebe sind auf Gülle und Mist angewiesen, denn sie dürfen keinen stickstoffhaltigen Mineraldünger verwenden. 

Richtiger Zeitpunkt 

Die Arbeit in der Landwirtschaft ist von der Witterung abhängig. Dies gilt auch bei der Gülleausbringung. Die Terminierung ist eine logistische Herausforderung für den Landwirt und stellt meist eine Kompromisslösung dar. Da er Bodenschäden vermeiden will, versucht er die Gülle nicht bei zu nassen Bedingungen auszubringen. Andererseits sind die gasförmigen Verluste und somit die Nährstoffverluste und Umwelteinwirkungen bei kühler, feuchter Witterung am geringsten. 

Somit muss auch manchmal am Abend oder am Wochenende die Gülle ausgebracht werden, um den optimalen Termin zu treffen und gasförmige Verluste und schädliche Umwelteinwirkungen zu reduzieren. Vorgaben zu Ausbringzeitpunkten und -menge von Gülle sowie Abstände zu Gewässern sind in der Düngeverordnung festgeschrieben. 

Eine Reihe von Argumenten sprechen also dafür, Gülle auf Acker- und Grünlandflächen auszubringen. Ziel der Landwirtschaft ist es in jedem Fall, mit den Nährstoffen verantwortungsbewusst umzugehen und die Gülle möglichst verlustarm auszubringen, um die Umwelt und letztendlich auch den Geldbeutel zu schonen.

von Wolfgang Becker

Meistgelesen

Eiskalt durch den Dreck
Eiskalt durch den Dreck
Hat der Standort Kaufbeuren eine Chance?
Hat der Standort Kaufbeuren eine Chance?
Entdecke den Skyline Park neu: Neues Gelände, neue Attraktionen, neuer Fahr-Spaß
Entdecke den Skyline Park neu: Neues Gelände, neue Attraktionen, neuer Fahr-Spaß
Betrüger auf frischer Tat festgenommen
Betrüger auf frischer Tat festgenommen

Kommentare