Landwirtschaft heute

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Zwei soeben „enthornte“, noch sedierte Kälber werden mit einem Wundspray behandelt.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Verbraucher werfen zunehmend kritischere Blicke auf Vorgänge in der Landwirtschaft. Besonders die moderne Tierhaltung, die nicht den Bildern aus der Welt der Werbung für Nahrungsmittel entspricht, steht im Fokus. In der Rinderhaltung ist für manchen landwirtschaftlichen Laien das sogenannte Enthornen der Kälber ein Verfahren, das man verbieten müsste.

In Zusammenarbeit mit Studierenden der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren berichtet der Kreisbote über ausgewählte Themen. Die Autoren Johannes Burkart, Florian Eißeler und Manuel Kreuzer geben Antworten auf die Frage: „Warum enthornen die meisten Milchviehhalter ihre Kälber?“ 

Die meisten Rinderrassen sind von Natur aus behornt, weil sie in der freien Wildbahn ihre Hörner als Verteidigungswaffe vor Angreifern nutzen konnten. Da sie im Stall keinen Feinden ausgesetzt sind, werden die Hörner oft in Rangkämpfen eingesetzt. Wenn Kühe behornt sind, ist die Verletzungsgefahr sowohl für den Menschen als auch für die Tiere in der Herde deutlich höher. 

Leider werden im Jahr bei deutschlandweit rund 6.000 Unfällen mit Rindern in etwa 17 Prozent der Fälle Menschen durch Kopfstöße verletzt. Wären alle diese Tiere behornt, wäre die Zahl der schweren oder gar tödlichen Verletzungen viel höher. Außerdem sind innerhalb einer Herde Rangkämpfe normal, die durch behornte Tiere mit deutlich schlimmeren Verletzungen enden könnten- 

Maßnahmen im Frühstadium 

Deshalb werden die Hornknospen der Kälber im frühen Alter inaktiviert. Der Tiergesundheitsdienst Bayern empfiehlt, dass die Hornanlagen des Kalbes nach der Gabe eines Beruhigungs- und eines Schmerzmittels mit dem Enthornungsgerät verödet werden sollte. Das Gerät durchtrennt mittels Hitzeeinwirkung das Gewebe um die Hornknospe. Durch den Einsatz des heißen Instruments wird die Blutung in der entstandenen Wunde gestillt und gleichzeitig desinfiziert. Üblicherweise verheilen diese Wunden problemlos und verwachsen schnell. 

Bis zum Alter des Kalbes von sechs Wochen kann der Landwirt die Enthornung selbst durchführen. Danach darf ­dies nur unter Betäubung und durch den Tierarzt geschehen. Die Landwirte sind stets bemüht, diesen Vorgang möglichst schonend für das Tier zu gestalten. Untersuchungen haben ergeben, dass mit diesem erprobten Verfahren die Kälber so wenig wie möglich leiden. 

Seit Jahren wird mit Erfolg bei allen Rinderrassen die Zucht von hornlosen Tieren vorangetrieben. Die Kälber kommen dann ohne Hornanlage zur Welt. Somit wird eine Enthornung der Kälber auf längere Sicht nicht mehr nötig sein.

von Wolfgang Becker

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