Landwirtschaft heute

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Auch Landwirte können ihren Beruf und Freizeit miteinander vereinbaren.

Kaufbeuren/Ostallgäu – In der Gesellschaft gibt es häufig widersprüchliche Vorstellungen über das Leben eines Landwirtes. Während ein Teil der Auffassung ist, ein Landwirt könne ja aufgrund seines Betriebes keinen Urlaub machen, glauben andere wiederum, er habe mit seiner Arbeit an der frischen Luft im Sommer und im warmen Stall im Winter „ein schönes Leben“. In Zusammenarbeit mit Studierenden der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren berichtet der Kreisbote über ausgewählte Themen. Der Frage „Gibt es ein Leben außerhalb der Gummistiefel?“ gehen die Autoren Tobias Guggemos, Marcus Fichtl und Andreas Weber nach.

Nicht nur Landwirte, sondern auch andere Berufstätige wie zum Beispiel Tierärzte, Molkereifachangestellte und Metzger tragen Gummistiefel und genießen dennoch ihre freien Stunden und Tage in der Familie, im Urlaub oder mit Hobbys und in Vereinen. Die Tatsache, dass landwirtschaftliche Betriebe sowohl Zuhause als auch Arbeitsplatz vereinen, ermöglicht es den Familien, sich Zeit für sich zu nehmen. Ein Vorteil besteht darin, dass oft mehrere Generationen auf dem bäuerlichen Anwesen wohnen und so die kurzfristige Unterstützung in den einzelnen Betriebszweigen meistens optimal funktioniert. Für die Kinder ist es schön, auf dem Hof aufzuwachsen, da sie täglich neue Eindrücke und Erfahrungen erleben dürfen, wie beispielsweise den Kontakt zu den Tieren oder das Spiel in der freien Natur. Durch diesen Spaß in der Landwirtschaft vergessen sie für längere Zeit auch mal Handy und Computer. 

Eigener Chef 

In den landwirtschaftlichen Betrieben wird oft körperlich schwer und mit einem hohen Stundeneinsatz gearbeitet. Trotzdem können zur Abwechslung vom Arbeitsalltag in den Hauptarbeitsspitzen mit Flächenbewirtschaftung im Grünland und Ackerland sowie der Versorgung der Tiere auch Tagesausflüge spontan und wetterunabhängig zwischen den Stallzeiten unternommen werden. Darüber hinaus pflegen Landwirte Hobbys und nehmen an Freizeitaktivitäten teil. 

Landwirte sind zugleich Chef des eigenen Unternehmens und können sich die Arbeit selber einteilen. Genauso sind mehrtägige Urlaubsreisen in fremde Regionen mit der ganzen Familie realisierbar. Denn es gibt die Möglichkeit der Unterstützung durch mehrere Angebote. Zum einen steht der Maschinenring zur Verfügung, dort kann man auf Anfrage einen gut ausgebildeten Betriebshelfer engagieren. Es gibt auch manche Molkereien, welche die Hilfe eines Melkers anbieten, da sie großen Wert auf freie Tage des Landwirts legen. Zusätzlich ist es in größeren Betrieben, wo mehrere Arbeitskräfte zur Verfügung stehen oder die Gemeinschaft von zwei Familien in Form einer „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“ (GbR) besteht, möglich, die Arbeitsverteilung effizienter zu gestalten und zur Entlastung beizutragen. 

Engagement für die Gemeinschaft 

Landwirte setzen sich für die Gesellschaft ein, indem sie Natur und Landschaft pflegen, unter zum Teil erschwerten Bedingungen (Steilhänge, Streuwiesen). Durch das gepflegte Landschaftsbild im Allgäu ist und bleibt unsere Region ein Tourismusmagnet, was die Wirtschaft zusätzlich ankurbelt. Landwirte tragen auch mit „Urlaub auf den Bauernhof“ dazu bei. Feriengäste können hautnah das Leben auf dem Land und mit Tieren mitten in einer traumhaft schönen Landschaft erleben. Für Landwirte ist das zugleich ein zweites – manchmal auch nur kleines – Standbein. Manche Kommunen lassen auch den Winterdienst auf öffentlichen Straßen und Plätzen durch Landwirte erledigen. 

Vereinsleben 

In der ländlichen Gegend ist auch das Brauchtum noch sehr hoch angesehen. Es gibt viele Vereine wie zum Beispiel Feuerwehr, Musikkapelle, Schützenverein oder Trachtenverein, die durch das Mitmachen und –wirken jedes Einzelnen das Ortsleben bereichern. Landwirte verbringen normalerweise Tag und Nacht am Wohn- und Arbeitsort, sie sind im Gegensatz zu pendelnden Arbeitern 24 Stunden einsatzbereit für Feuerwehreinsätze. „Wir Junglandwirte wissen, dass die Landwirtschaft viel Arbeit bedeutet, aber sie lässt sich gut kombinieren mit Familie, Urlaub, Hobby und Vereinsleben.“ Fazit: Aus der Erfahrung vieler Junglandwirte lautet die klare Antwort auf die eingangs gestellte Frage: „Ja! Ein Leben außerhalb der Gummistiefel ist möglich!“

von Wolfgang Becker

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