Über Künstler, Verwaltungen und die Zukunft

The Show must go on im Kaufbeurer Puppentheater

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„Der Hase und der Igel“ steht im März auf dem Spielplan. Wer sich nicht an das Märchen erinnert: Da geht es auch darum, die Kräfte und den Verstand richtig einzusetzen, um ein Ziel schnell zu erreichen.

Kaufbeuren – Im vergangenen Jahr trat ein neues Team an die Spitze des Trägervereins des Kaufbeurer Puppentheaters. Eine erste Bestandsaufnahme der neuen Theaterleiterin Katrin Keetman und ihrer Mitstreiter zeigte damals, dass seit der Gründung des Theaters 1957 vieles in die Jahre gekommen war – am Gebäude ebenso wie an den Ausrüstungen, Marionetten oder Kulissen (wir berichteten). All diese Probleme werden sich nur schrittweise lösen lassen. Aber ein erster, sehr wichtiger Schritt wurde jetzt getan.

Künstler, insbesondere Bühnenkünstler, folgen oftmals anderen Grundsätzen und Verhaltensmustern als etwa Handwerksbetriebe oder Verwaltungen. Einer dieser oft zitierten Künstler-Regeln lautet: „The Show must go on“ – nichts darf den Lauf der Vorstellung stören.

Und selbst wenn es bereits zu einer Unterbrechung gekommen ist, muss so rasch wie möglich weiter gespielt werden – sogar im notdürftig wieder hergestellten Theater oder Konzertsaal. Oder eben in der maroden Spielstätte des Kaufbeurer Puppentheaters.

Genau in einer solchen Situation fand sich das neue Führungsteam des Trägervereins, das im vergangenen Jahr die Verantwortung für die traditionsreiche Spielstätte übernahm. Katrin Keetman, nach jahrzehntelangem Engagement für das Puppentheater zur neuen Theaterleiterin ernannt, und ihre Mitstreiter reagierten wie echte Künstler: Sie setzten alles daran, den Spielbetrieb in irgendeiner Form wieder aufzunehmen. Und das gelang. Bereits im Januar gab es die ersten Vorstellungen mit Stabpuppen auf einer kleinen Bühne im umgestalteten Theatersaal. Auch im März wird weiter gespielt.

Selbst dieser kleine Erfolg verlangte große Anstrengungen. So galt es zunächst, den Theatersaal mit einer zusätzlichen kleinen Bühne so herzurichten, dass die Vorschriften zu Sicherheit und Brandschutz eingehalten werden. Aber auch die vorhandenen technischen Einrichtungen, etwa für die Beleuchtung, mussten auf einen akzeptablen technischen Stand gebracht werden.

„Ohne unsere freiwilligen Helfer und Unterstützer wäre uns das nicht gelungen“, ist Katrin Keetman sicher und zählt auf: „Neben den Mitgliedern des Trägervereins waren das auch Handwerker wie Hans und Jens aus Kaufbeuren oder Ulf aus Kempten, der von Beruf Ingenieur für Veranstaltungstechnik ist. Und natürlich die Freiwillige Feuerwehr Kaufbeuren, die für jede Veranstaltung die vorgeschriebene Brandwache mit zwei Personen absichert.“

Aber wie geht es nun weiter? „Wichtig ist, dass die Puppenbühne für die Kaufbeurer lebendig bleibt“, schätzt Keetman ein. „Wer nicht spielt, wird vergessen – das ist die Kehrseite von ,The show must go on‘. Wir haben deshalb jetzt auch die Reisebühne wieder einsatzfähig gemacht und erste Angebote für Auftritte in Kindertagesstätten bekommen. Das wollen wir unbedingt weiter führen und hoffen auf weitere Einladungen zu Gastspielen. Außerdem müssen wir Geld verdienen, denn Kunst nährt sich nicht nur von Luft und Schönheit.“

Aber neben Geld werden natürlich auch andere Dinge benötigt, etwa Unterstützung und Entscheidungen der Stadtverwaltung. Die allerdings gibt es, wie Keetman es ausdrückt, „nur häppchenweise.“ So wurden Fenster gesetzt und Umbauten im Foyer vorgenommen. Aber offensichtlich tickt eine Verwaltung eben doch anders als ein Theater. „Deren Mühlen mahlen langsam, aber zuverlässig“, hofft Keetman dennoch für die nächste Zukunft. „Es wäre schön, wenn wir gemeinsam mit der Stadt, in deren Verantwortung Gebäude und Umfeld liegen, zu einer umfassenden Abstimmung der nächsten Maßnahmen gelangen könnten. Das sollte doch wenigstens innerhalb eines nicht allzu langen Zeitraums nach den Kommunalwahlen und der Neu-Konstituierung des Stadtrates möglich sein.“

Bis dahin und auch danach gibt es jedoch für die Puppentheater-Leute Arbeit ohne Ende. Figuren und Bühnenbilder werden weiter restauriert, und die freiwilligen Helfer haben ein Depot gebaut, in dem sich die Kulissen und Marionetten für jedes Stück separat ablegen lassen. Um die Marionettenbühne wieder nutzen zu können, muss diese allerdings komplett zurückgebaut und durch eine neue ersetzt werden.

Trotz dieses bedrohlich hohen Berges an Schwierigkeiten, den es abzutragen gilt, sind Keetman und ihre Mitstreiter optimistisch. „Wir wollen das Puppentheater auch für die nächsten Generationen erhalten. Kinder, die heute zuschauen, sollen auch noch ihre Enkel hierher begleiten“, erklärte sie dem Publikum am vergangenen Sonntag nach der Vorstellung.

Das klingt ein wenig anachronistisch. Aber wer das Stück verfolgt hat und so schöne, aber fast vergessene Ausdrücke wie „Schlummerlied“ und „jetzt spute dich“ hörte, versteht, dass es Keetman hier um ein wertvolles Kulturgut jenseits der Digitalisierung geht. „Grimms Märchen etwa wurden nicht von Disney geschrieben. Sie werden weiter leben und auch die deutsche Sprache der Zukunft beeinflussen. Das betrifft ebenso diejenigen Kinder, die nicht in diese Traditionen hinein geboren wurden oder in ihnen aufwachsen“, meint die Theaterleiterin, die sich auch in der Flüchtlingshilfe engagiert. Sie weiß also, wovon sie spricht und hat inzwischen auch Helfer mit afrikanischer Herkunft an Bord geholt.

von Ingo Busch

Nächste Vorstellungen:

• Sonntag, 1. März, Sonntag, 8. März und Sonntag, 15. März, jeweils um 16 Uhr: „Der Zaubermaler“

• Sonntag, 22. März und Sonntag, 29. März, jeweils um 16 Uhr: „Hase und Igel“

Kartenverkauf an der Kasse des Kaufbeurer Puppentheaters, Wagenseilstraße 14a


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