Mehrheit des Stadtrats lehnt den Aufwand für den Hochwasserschutz ab

Sicherheit der Stauanlage: Nein zum Bauwerk am Ettwieser Weiher

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Ein Naturidyll: der Ettwieser Weiher. Alles andere als ein Idyll ist freilich das Thema Hochwasserschutz in diesem Quartier.

Marktoberdorf – Die Mehrheit war dagegen: Im Marktoberdorfer Stadtrat wurde ein Bauwerk abgelehnt, mit dem am Ettwieser Weiher die Sicherheit der Stauanlage hergestellt werden soll. Einige Räte bezweifelten „die Sinnhaftigkeit“ dieses Vorhabens für den Hochwasserschutz; sie fanden die Kosten dafür (290.000 Euro gesamt, es gibt aber einen staatlichen Zuschuss) zu hoch.

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und der Chef der Bauverwaltung im Marktoberdorfer Rathaus, Ralf Baur, zeigten sich nach der Abstimmung enttäuscht. Er werde den Beschluss umgehend zum Landratsamt Ostallgäu schicken und rechtsaufsichtlich prüfen lassen, erklärte Baur nach dem Votum. Dann warte man auf eine Antwort und werde das Thema erneut im Stadtrat behandeln.

Laut Bescheid des Landrats­amtes vom Herbst 2017 wird der Ettwieser Weiher im Süden Marktoberdorfs in die Klasse der kleinen Stauanlagen eingestuft. Bisher gibt es an diesem beliebten Badegewässer keine Möglichkeit, damit im Extremfall das Hochwasser schadlos abgeführt werden kann.

Das Planungsbüro Kokai aus Polling hat in einem Entwurf Varianten für die Herstellung der Sicherheit an der Stauanlage aufgezeigt. Berücksichtigt wird dabei, dass der Ettwieser Weiher ein beliebtes Badegewässer ist und als Standort wertvoller Biotope zu sehen ist.

Kostenberechnung: circa 290.000 Euro

In der Kostenberechnung ist von rund 290.000 Euro die Rede, wie Abteilungsleiter Baur den Stadträten schilderte. Die zuwendungsfähigen Kosten – das ist aber nicht die Gesamtsumme – werden zu 50 Prozent vom Staat gefördert. „Wir kommen nicht aus“, betonte Baur die Notwendigkeit dieser Maßnahme im Sinne des Hochwasserschutzes. Und Bürgermeister Hell meinte: „Das tut finanziell richtig weh. Aber wir kommen nicht drum rum.“

„Das hört sich ja dramatisch an“, sagte Peter Grotz (Freie Wähler). Dass dies seitens des Landratsamtes gefordert werde, sei ja gut und recht. Aber im Haushalt für 2019 sei das nicht darstellbar. Deswegen sollte man zumindest überlegen, die Sache ein Jahr zu schieben.

Er könne sich da draußen nur schwerlich einen „Worst Case“ vorstellen, befand Werner Moll (Stadtteile aktiv). Es sei ja weit und breit keine Wohnbebauung da. Moll sorgte sich, dass der Wasserspiegel im Ettwieser Weiher eventuell weiter abgesenkt werde. „Man wird ja jetzt schon kaum nass“, meinte er flapsig.

500 Tonnen an Flussbausteinen

Georg Martin (Grüne) wetterte, dass sich das Ingenieurbüro eine „goldene Nase“ verdiene. Auch sei er nicht gewillt, Geld dafür auszugeben, damit 500 Tonnen an Flussbausteinen nördlich des Ettwieser Weihers verbaut werden. Man solle prüfen, ob das Ganze nicht einfacher und billiger zu bekommen sei. Der Bauamtschef antwortete darauf, er könne nicht versprechen, dass es günstiger zu machen sei.

Peter Fendt (Bayernpartei) formulierte zum Hochwasserschutz diesen Vergleich: „Der bayerische Staat oder der Bund bestellen die Musik, und wir müssen sie bezahlen.“ Ralf Baur gab jedoch zu bedenken, dass der Freistaat Bayern den Hochwasserschutz aus üblen Erfahrungen heraus flächendeckend in Angriff nehme. Wenn es wochenweise schütte, halte der durchnässte Damm am Ettwieser Weiher nicht mehr. Dann schwappe das Hochwasser über. Man brauche also einen Bereich, wohin es abfließen könne und wo es aufgefangen werde. Carl Singer (Freie Wähler) plädierte dafür, „ein Zeichen zu setzen“, indem man dieser Aufforderung des Staates nicht selbstverständlich Folge leiste.

Schließlich lehnte beim Votum im Stadtrat eine Mehrheit die baulichen Maßnahmen zur Sicherheit der Stauanlagen ab. Bürgermeister Hell grantelte noch später, als schon über ein anderes Thema gesprochen wurde: Er befürchte, dass der Wasserpegel vor der nächsten Badesaison noch weiter abgesenkt werden müsse.

jj

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