"Sicherheitslage ist in Ordnung"

Im Kaufbeurer Stadtsaal stand OB Stefan Bosse den Bürgern für Anliegen und Wünsche zur Verfügung. Foto: Becker

Der Start in die jährliche Runde der Bürgerversammlungen hat begonnen. Gut 100 Besucher, davon etliche Stadträte und die Verwaltungsspitzen der Stadt, waren am Montag im Stadtsaal zugegen. In einem Querschnitt statistischer Daten und Rahmenbedingungen erläuterte Oberbürgermeister Stefan Bosse den aktuellen Stand der Stadtentwicklung. Dabei wurden die Finanzsituation und die demografische Entwicklung ebenso angesprochen wie zukünftige Projekte im Bereich Handel und Wirtschaft. Auch die Bundeswehrreform bereitete Bosse „etwas Kopfzerbrechen“. Die Bürger ergriffen die Möglichkeit, ihre Anliegen und Wünsche vorzutragen.

Ausführlich erläuterte Bosse nochmals die Situation eines Bahnhofneubaus, der die Stadt keinen Cent koste. Er ging außerdem auf den geplanten Abriss des Parkhauses Süd ein. Dieses werde spätestens am 30. September diesen Jahres gesperrt, und wenn es wie geplant läuft, am nächsten Tag mit dem Abriss begonnen. Der Rathauschef äußerte die Hoffnung, dass direkt anschließend mit dem Neubau eines Parkhauses an gleicher Stelle durch die Investitionstätigkeit der Sparkasse begonnen werden könne. Gegebenenfalls könne sich hierbei auch das von einem Bürger angesprochene Defizit in der Lebensmittel-Versorgung des Stadtzentrums verbessern. Mit Engpässen hinsichtlich der Parkplatzsituation müsse aber bis zu einem Jahr gerechnet werden. Auf die entstehende Lücke durch den Wegzug des Modemarktes C&A habe die Stadt keinen Einfluss. Die dänische Immobiliengesellschaft als Inhaber bestimme die Mietnachfolge und es könne nicht ausgeschlossen werden, dass wieder ein Bekleidungsgeschäft aufgrund der Infrastruktur dort einziehe. Man sei bestrebt, die Südachse zu stärken, so Bosse. Hoffnungen für den Erhalt des Fliegerhorstes machte sich der Oberbürgermeister aufgrund der von Staatssekretär Christian Schmidt bei seinem letzten Besuch geäußerten Berücksichtigung strukturpolitischer Aspekte. Die Kaufbeurer Region gehöre mit zu den schwächsten Regionen in Bayern. Die Kaufkraft von rund 27 Millionen Euro würde einen nicht zu verkraftenden Verlust bedeuten. Man arbeite auch an einem gemeinsamen Ausbildungszentrum mit der zivilen Seite. Geruchsbelästigung Aus Bürgersicht war die Geruchsbelästigung durch die Papierfabrik Kolb im Kaufbeurer Norden ein Thema. Dies sei manchmal unerträglich, so ein Bürger. Ein anderer ergänzte dies mit den Worten: „Das grenzt an Körperverletzung!“ Man könne sich teilweise nur im geschlossenen Haus aufhalten. Bosse erklärte hierzu, dass die Anschaffung einer neuen Papiermaschine mit einer besseren Auslastung der firmeneigenen Kläranlage bedauerlicher- weise nicht die gewünschte Verbesserung erzielt habe. Stellung bezog der Rathauschef auch zu folgenden Themen: Das neue Wohnbaugebiet im Norden sei entgegen der Bedenken von Bürgern kein Überschwemmungsgebiet. Die Radwegführung am neuen Kreisverkehr an der Kemptener Straße sei ausdrücklich auf Rat von Verkehrs- und Unfallexperten sowie durch Hinweise des Fahrradklubs entstanden. Die Sicherheit für den Radfahrer im Fließverkehr sei so größtmöglich vorhanden. Kritik an Sicherheit In zwei Wortmeldungen wurde das Sicherheitsempfinden der Kaufbeurer Bürger angesprochen. Es sei gestört und man habe Angst, abends bei Dunkelheit auf der Straße angepöbelt oder gar belästigt zu werden. Dem widersprach Bosse: „Die Sicherheitslage in Kaufbeuren sei absolut in Ordnung.“ Kaufbeuren habe mit Schwabach und Memmingen die niedrigste Kriminalitätsrate in der Bundesrepublik und sei damit eine der sichersten Städte. Bosse räumte aber ein, dass ältere Menschen eher Angst hätten als junge. Auch die Häufigkeit von Auseinandersetzungen sei zurückgegangen. Leider sei die Brutalität gewaltig angestiegen. Er warnte davor, sich aktiv in Auseinandersetzungen einzuschalten. Ein Besucher sprach davon, dass die „gefühlte Sicherheit nicht so hoch sei, wie dargestellt“. Bosse begründete das damit, dass es einen Unterschied zwischen der „subjektiven und objektiven Sicherheit“ gebe. Um das Gefühl der Unsicherheit zu verbessern, gab er Empfehlungen zu Verhaltensweisen. Blickkontakt vermeiden, einfach vorbeigehen und auf Ansprache nicht zu reagieren oder provozieren zu lassen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei ein Risiko dann ausgeschlossen. Die Motivation jemand Außenstehenden anzugreifen, sei sehr selten, da die Gruppen in der Regel mit sich selbst beschäftigt seien.

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