Im Interview

Konzert mit vier Meistern

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Gitarrenlegende Sigi Schwab: Einer der renommiertesten Gitarristen tritt mit Klaus Hampl unter dem Label „Camerata Bavarese“ im Sparkassenforum in Kaufbeuren auf.

Kaufbeuren/München – Auszeichnungen und Ehrungen säumen seinen musikalischen Lebensweg in kaum gekannter Weise: Die Rede ist von Sigi Schwab, dem international bekannten Musiker und Komponisten aus München. In den letzten Jahren widmete Schwab seine Arbeit insbesondere der virtuosen Verschmelzung verschiedener musikalischer Stilrichtungen.

Dabei orientierte er sich an den großen Musikströmungen wie Jazz, Klassik, Pop und Rock. Aber auch weltumfassende ethnologische Elemente flossen in den eigenen, völlig individualistischen Ansatz ein. Seit einiger Zeit beschreitet er mit dem Kaufbeurer Klaus Hampl, der als Kammermusiker dem klassischen Genre entstammt, neue Wege. Zusammen mit Andreas Keller und Tommi Müller haben die vier Künstler im vergangenen Jahr unter dem Label „Camerata Bavarese“ den letzten Schritt in eine gemeinsame künstlerische Zukunft getan. DerKreisbote sprach mit Sigi Schwab über die Hintergründe.

Herr Schwab, im vergangenen Jahr haben Sie mit der Gründung der „Camerata Bavarese“ zusammen mit Klaus Hampl einen letzten Schritt in eine gemeinsame musikalische Zukunft getan. In Kürze gibt es ein Konzert im Kaufbeurer Sparkassenforum. Verschmelzen da verschiedene Musikrichtungen? 

Sigi Schwab: Es verschmelzen die Zeiten miteinander. Wir machen das nicht an einem Musikstil fest. Wir verschmelzen beispielsweise Barock und Klassik mit der Gegenwart. Dadurch gibt es ein schier unerschöpfliches Potenzial, aus dem wir schöpfen können. Es bieten sich völlig andere Dimensionen. Wir wollen die Zuhörer berühren, aber auch deren offenes, kritisches Ohr. 

Könnte man das als „Weltmusik“ bezeichnen, wo sich Anhänger vieler Musikgenres wiederfinden? 

Sigi Schwab: Das ist absolut richtig! Als ich vor fast vierzig Jahren mit einem Perkussionisten aus der Karibik gespielt habe, hat ein legendärer Kritiker in der Süddeutschen Zeitung zum ersten Mal geschrieben: „So stelle ich mir Weltmusik vor.“ Leider kommt in den letzten Jahren unsere europäische Welt in dieser Weltmusik kaum noch vor. Wir wollen die großartigen Texturen aus der Vergangenheit der letzten zwei-, dreihundert Jahre bis heute abbilden und mit den Elementen aus der Gegenwart zusammenführen. 

Was macht die Musik so einzigartig und zu einem Genuss für die Zuhörer? 

Sigi Schwab: In unserer Musik begegnen sich zwei Tugenden. Einerseits haben wir als Ausgangskompositionen sehr komplexe Themen, also aufgeschriebene, fixierte Musik. Diese trifft sich mit etwas für uns Unbekanntem, nämlich dem Publikum als ganz wesentlichem Teil der Aufführung. Der spürbar überspringende Funke ist das zweite Element, welches frei ist und was wir selbst noch nicht kennen. 

War dieses „freie Element“ beim Konzert in Irsee vergangenes Jahr beim Publikum spürbar? 

Sigi Schwab: Ja, ganz deutlich! Aber auch schon vor etwa drei Jahren bei unserem ersten gemeinsamen Auftritt anlässlich einer Ehrung von Peter Müller. Wir haben gespürt, dass wir beim Publikum etwas ganz Besonderes auslösen. Klaus Hampl bringt als „Urmusiker mit Enthusiasmus“ eine Ästhetik und Farbe mit, die es im Jazz so nicht gibt. Wir treffen uns in der gemeinsamen Lust, Musik zu machen und genießen unsere Auftritte.

Wie oft treffen Sie sich im Studio und üben miteinander? 

Sigi Schwab: Wir haben unser monatliches Jour fixe, werden unsere Treffen aber im Countdown auf die nächsten Wochen und Monate steigern. Das darf aber auch nicht zu dicht werden, sonst leidet die Kreativität darunter. Kostbare Dinge darf man durch zu häufige Wiederholungen nicht verschleißen. 

Ist das Konzert im Sparkassenforum der Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen 2016? 

Sigi Schwab: Ja, unter anderem in Schloss Prielau in Österreich am 17. März und im Kaisersaal in Ottobeuren am 25. Juni. 

Vielen Dank für das Gespräch. 

Das Interview führte Wolfgang Becker

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