Sie sind bunt

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Hier stehen sie auf einem Haufen und warten auf ihren Auftritt – die Figuren aus dem Skulpturen-Projekt.

Kaufbeuren – Bei einem kleinen Festakt in der Aula der Kaufbeurer Berufsschulen wurden kürzlich acht überlebensgroße, zweidimensionale, lebhaft farbig gefasste Skulpturen feierlich an die Stadt Kaufbeuren übergeben. OB Stefan Bosse nahm die Skulpturen in Form einer Urkunde symbolisch entgegen und versprach, gute Aufstellungsorte dafür zu finden.

Die Bildwerke sind das Ergebnis des Projekts „Wir sind bunt, offen, überall – deine Nachbarn“, an dem insgesamt 37 Schüler aus zwei Berufsintegrationsvorklassen (BIK) teilgenommen haben. Finanziell getragen wird das Kunstprojekt von der Aktion „Kaufbeuren Aktiv“ und vom Förderverein der Schule.

Idee des Projekts war es zum einen, Schüler aus verschiedenen Ethnien (Afghanistan, Pakistan, Syrien, Eritrea, Nigeria, Somalia, Sudan, Senegal, Iran, Äthiopien) in wechselnden Kleingruppen zusammen arbeiten zu lassen und gegenseitigen Respekt und Toleranz zu üben. Zum anderen lernten die Teilnehmer unter der künstlerischen Leitung des Schreinermeisters und Malers Christian Burkhardt und mit der tatkräftigen Unterstützung der Fachlehrer Franz Gerle und Werner Mentner verschiedene handwerkliche Fertigkeiten im Holz- und Metallbereich kennen. Dazu brachte Deutschlehrerin Dr. Christiane Olligs-Horn den jungen Menschen Fachbegriffe aus dem Handwerk und das freie Sprechen über das Erarbeitete näher. Insgesamt war das Ziel die Stärkung des Selbstbewusstseins der Teilnehmer.

Es gehört schon eine Portion Mut dazu, einen auswendig gelernten Text in einer fremden Sprache auf der Bühne vorzutragen. Diesen Mut bewiesen Rezai Jawad (Afghanistan), Khan Jader (Afghanistan), Scheikh Abdi Ali, Yahye (Somalia), Amini Obaidullah (Afghanistan), Yahya Ubed Adam (Sudan) und Alibrahim Al Quin Alaa (Syrien), als sie die sechs Arbeitsschritte der Figurenherstellung erläuterten. Seit Februar entwarfen, sägten und bearbeiteten die Schüler große Silhouetten aus Holz, spannten sie in kräftige Metallrahmen und bemalten sie bunt und wetterfest.

Ein weiteres Anliegen des Projekts war das Sichtbarmachen von Eindrücken oder Wünschen durch Kunst. So stellt eine Figur „Charlie Chaplin“ dar, einen Einzelgänger, der ohne Rücksicht auf die Meinung anderer sein Leben meistert. Eine andere Figur ist der „Rapper mit Herz“, der Mann, der uneingeschränkte Freiheit symbolisiert und das Herz am rechten Fleck hat. Während der „Fußballspieler Deutschland“ „Ich liebe Deutschland und den Fußball“ signalisiert, steht der „Fußballspieler Eritrea“ für „Ich vergesse meine Heimat nie“. Der „Hotelpage“ deutet den Wunsch nach einer sicheren Arbeit an und der „Zirkusdirektor“ versinnbildlicht Unterhaltung, bei der man alle Sorgen vergessen kann. Das abstrahierte Mannequin drückt den Traum von schönen Frauen aus, und die wohl wichtigste Figur ist „der Freundliche“ – „es tut gut, freundliche und hilfsbereite Menschen zu finden“.

Der Schulchor der Fachakademie für Sozialpädagogik unter der Leitung von Florian Zajicek umrahmte die Feier musikalisch. Der Chor wurde beim Refrain des abschließenden Songs „We are the World“ von allen Projekt-Teilnehmern verstärkt. Für das anschließende Buffet sorgte die Klasse 11 der Verpflegung und Versorgung.

Einen unerwarteten Programmpunkt steuerte der junge Afghane Bagir Asghari bei, der in der Nacht zuvor Bosse gegoogelt und spontan ein DIN A2 großes Portrait von ihm gezeichnet hatte, das er dem OB nun überreichte. 

Einen unerwarteten Programmpunkt steuerte der junge Afghane Bagir Asghari bei, indem er dem OB dessen Portrait überreichte (von links): Bagir Asghari, stellv. Schulleiterin Cornelia Nieberle-Schreiegg, das Portrait, Schulleiter Bertram Knitl, OB Stefan Bosse.

„Die Schüler wollen etwas an unsere Gesellschaft zurückgeben, und mit Kunst lässt sich viel ausdrücken, auch ohne viele Worte – vielleicht auch die Hoffnung auf eine gute Nachbarschaft“, fasste die stellvertretende Schulleiterin Cornelia Nieberle-Schreiegg abschließend zusammen.

von Ingrid Zasche

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