Solidarität ist die Zukunft

DGB Kaufbeuren versammelt sich zum Tag der Arbeit

Paul Meichelböck, Ortsvorsitzender des DGB-Kaufbeuren.
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Paul Meichelböck, Ortsvorsitzender des DGB-Kaufbeuren.

Kaufbeuren – Trotz Pandemie und einem sehr umfangreichen Regelungsbescheid der Stadt Kaufbeuren zur Durchführung der Veranstaltung am 1. Mai entschloss sich das DGB-Ortskartell, mit dem Ortsvorsitzenden Paul Meichelböck, zu einer Maifeier am Tag der Arbeit auf dem Platz vor dem Haus St. Martin.

Bei feuchtkaltem Wetter versammelten sich gut 60 Kauf­beurerinnen und Kaufbeurer, um den politischen Aussagen von Susanne Ferschl (MdB, Linke), Oberbürgermeister Stefan Bosse sowie dem Hauptredner und Betriebsratsvorsitzenden der Firma Huhtamaki, Werner Bareth aus Ronsberg, zu folgen.

Die unterschiedlichen Parteifarben der Rednerin und Redner schienen sich an diesem Vormittag auf der Maifeier des DGB-Ortskartell Kaufbeuren zu einer Farbe der „Solidarität ist Zukunft“ zu vereinen.

Einig, so begann Oberbürgermeister Stefan Bosse sein Grußwort, sei er sich mit dem Gewerkschafter Meichelböck darin, dass es gut sei, wenn Gewerkschaften Flagge zeigen und dass Gewerkschaften auch ein wichtiger Wächter der freiheitlich demokratischen Grundordnung seien. Solidarität, so das Stadtoberhaupt sei ein weltweites, gewaltiges Thema. Als Fairtrade Stadt würde Kaufbeuren das Lieferkettengesetz unterstützen und versuchen, eine Unterhöhlung zu verhindern. „Uns kann es zukünftig nur gut gehen, wenn es den Menschen auf der ganzen Welt besser geht“, so der Oberbürgermeister.

Der Linken-Politikerin Susanne Ferschl zufolge sei es fatal, wenn in der Hochzeit der ersten Pandemie-Welle Beifall aus der Politik und von den Arbeitgebern für die Belegschaften der Krankenhäuser und Pflegeheimen komme, dann aber in der anschließenden Tarifrunde keine Zeichen für die Verbesserung der unerträglichen Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesetzt würden.

„Menschen vor Profit“

Laut Ferschl fehlen in den Heimen und Kliniken rund 100.000 Pflegekräfte, um ein humanes Gesundheitssystem für die Mitmenschen zu gewährleisten und laut Umfrage würden sich 9000 Beschäftige einen Wechsel in ein anderes berufliches Umfeld überlegen. Ihre Forderung für das Gesundheitssystem: „Menschen vor Profit“.

Paul Meichelböck setzte sich in seinem persönlichen Statement mehr mit den kommunalen Themen der Stadt Kaufbeuren auseinander. Maßnahmen, die vor vielen Jahren auf den Weg gebracht wurden, wie der weitere Ausbau der B12, müssten zu Gunsten anderer Projekte aufgegeben werden. Unzählige Millionen Euro in Teerflächen zu stecken, die dann für den Individualverkehr ein paar Minuten Ersparnis brächten, sei nicht mehr zeitgemäß. Der Ausbau der Radwege, die Elektrifizierung der Allgäuer Bahnstrecken und die Stärkung der regenerativen Energiegewinnung seien die aktuellen Aufgaben, so Meichelböck.

Diese Veranstaltung diene auch dazu, einander zuzuhören und Argumente auszutauschen. Das sei die Grundlage dafür, auch einmal die eigenen Interessen hinten anzustellen, Kompromisse zu finden, sie zu akzeptieren und damit im Sinne der Gesellschaft zu handeln. „Wir als Gewerkschafter wissen das“, betonte der DGB-Ortsvorsitzende.

Kurzarbeit hilft

Als Betriebsratsvorsitzender und Verdi-Funktionär ist Werner Bareth ganz nah dran an den Problemen der Arbeitnehmer, denen die – durch die Pandemie verursachten – Bedingungen in der veränderten Arbeitswelt sehr zu schaffen machten. Sehr positiv bewertete er die Existenz des Modells der Kurzarbeit und dass durch den Druck der Gewerkschaften das Kurzarbeiterentgeld für Beschäftigte mit einem Kind 67 Prozent des ausgezahlten Lohnes beträgt. Weltweit werde das Modell der Kurzarbeit kopiert und nach Meinung von Werner Bareth sei es der Impfstoff gegen Arbeitslosigkeit und sozialem Absturz.

Feier des DGB-Kaufbeuren zum Tag der Arbeit vor dem Haus St. Martin. Am Rednerpult spricht Werner Bareth, Betriebsratsvorsitzender der Firma Huhtamaki.

Die Arbeitsplätze der langfristig eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhalten sei eine Sache, viel kritischer sei aber laut Bareth die Situation der befristet eingestellten Beschäftigten. Schon vor der Pandemie sei das Risiko der Arbeitslosigkeit bei befristet Beschäftigten knapp viermal so hoch gewesen als bei unbefristeten Arbeitsverhältnissen. „Eins ist klar“, so Bareth, „Befristung bedeutet Unsicherheit. Unsicherheit, über die eigen Zukunftsplanung und Unsicherheit bei der Gründung einer Familie“. Befristet Beschäftigte seien oft arm trotz Arbeit. Neben der aktuellen Krise stehe Deutschland weiterhin vor demografischen Herausforderungen und einem Fachkräftemangel. Dennoch leisteten wir uns ein Befristungsrecht, welches die Probleme verschärfe anstatt sie zu lösen. Auf dieser Grundlage arbeiteten 2,8 Millionen Menschen befristet und 40 Prozent der Neueinstellungen ohne einen festen Arbeitsvertrag.

Nur mit Solidarität ließe sich der Weg aus der Krise und die anstehenden Probleme lösen. Dabei seien nicht nur Bürgerinnen und Bürger gefragt, sondern auch die Politik. Es hat sich gezeigt, dass vor allem Länder mit funktionierendem Staatswesen ihre Bevölkerung verhältnismäßig erfolgreich durch die Pandemie gesteuert hätten. Solidarität sei der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhalte. „Nur gemeinsam schaffen wir Gerechtigkeit bei der Krisenbewältigung, in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt“, so der Gewerkschafter.

Die Veranstaltung wurde von mehreren von Paul Meichelböck live gespielten Liedern umrahmt.

Jürgen Wischhöfer

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