Stadtmuseum: Neue Sonderausstellung zum Thema Adventskalender

Viele Variationen

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Volkskundlerin Dr. Esther Gajek führte persönlich in ihre Adventskalendersammlung ein.

Kaufbeuren – Er ist bei uns in der Vorweihnachtszeit nicht mehr aus den Kinderzimmern wegzudenken – der Adventskalender. Ein „köstlicher Zeitvertreib“ in den für Kinder endlosen 24 Tagen im Dezember, bis das Christkind endlich die Geschenke bringt.

„Zeit sichtbar machen“ nennt die Regensburger Volkskundlerin Dr. Esther Gajek den Zweck der Adventskalender, die es mittlerweile in ungezählten Variationen gibt. Dr. Gajek ist die Leihgeberin der neuen Sonderausstellung „Warten aufs Christkind“ im Stadtmuseum. Bei deren Eröffnung vor einer Woche, die stimmungsvoll von der Aufkircher Saitenmusik musikalisch umrahmt wurde, hielt sie persönlich die Einführung. 

Über 3000 Exemplare umfasst ihre Adventskalender-Sammlung: von schlichten Kreidestrichen an der Tür, über Adventskerzen, Adventsuhren, Abreißkalender, Türchenkalender mit Bildern oder Süßigkeiten, Ausschneide- und Auf- klebekalender, Päckchenkalender, dreidimensionale Adventshäuschen, Christbäume mit 24 aufsteckbaren Engeln, Ziehkalender, Haus- und Städtekalender, Werbekalender, religiöse und weltliche, Nazi- und DDR-Kalender, Fußballkalender, Mickey-Maus-Kalender, Kalender in Braille-Schrift für blinde Kinder, selbstgebastelte Kalender und solche, die von namhaften Künstlern gestaltet wurden bis hin zu Adventsmobiles und Krimi-Adventskalendern in der Dose und, und, und… Selbst Advents„kerlender“, -„girlender“ und Playboy-Bunny-Kalender sowie welche mit Kondomen fehlen nicht. 

Auch für andere Bereiche wurde die Adventskalender-Methode mittlerweile übernommen: Chanukka-Kalender, Osterkalender, Schwangerschaftskalender, Fastenkalender, ein Kalender bis zum ersten Schultag und sogar ein Kalender bis zur Abwahl von Franz Josef Strauß. Es gibt viel zu entdecken. Damit die Besucher sie gedanklich mit ihren eigenen Erinnerungen füllen können, ist jedoch eine der Vitrinen absichtlich leer geblieben. 

Adventskalender gibt es erst seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, als neben der religiösen Bedeutung des Weihnachtsfestes in den bürgerlichen Häusern immer mehr die Bescherung mit Geschenken in den Mittelpunkt des heiligen Abends rückte. Findige Eltern bastelten damals als Antwort auf die ungeduldigen Kinderfragen „Wann ist denn endlich Weihnachten?“ die ersten Adventskalender. 

Eine von ihnen war Selma Lang, die für ihren Sohn 24 „Wibele“ (Minikekse) auf einem Karton befestigte, von denen er jeden Tag eines abfuttern durfte. Dieser Adventskalender hat den jungen Gerhard Lang so nachhaltig beeindruckt, dass er 1904 als Verleger einen Ausschneidekalender auf den Markt brachte, den ersten seiner vielen unterschiedlichen und aufwändig produzierten Advents- kalendertypen. Als Lang 1940 seinen Verlag aufgab, waren bereits viele andere in- und ausländische Verlage in die Adventskalenderproduktion eingestiegen. 

Dr. Gajek präsentiert in der Ausstellung die schönsten und interessantesten Stücke aus ihrer Adventskalendersammlung, davon viele aus dem Nachlass der Langschen Verlagsauflösung. „Ich freue mich immer, wenn ich meine Schätze zeigen kann, weil sie zu Hause nur aufeinandergestapelt im Schrank liegen“, sagte sie, und fuhr fort: „Aber es freut mich ganz besonders, wenn sie so professionell ausgestellt werden wie hier im Kaufbeurer Stadtmuseum.” 

Unter anderem gibt es ein Begleitheft zur Ausstellung, mit dem Kinder speziell gekennzeichnete Vitrinen suchen, um kleine Rätsel zu lösen. Eltern sind eingeladen, für die Zeit eines geruhsamen Weihnachtseinkaufs ihre Kinder im Museum zu einer der vielen museumspädagogischen Veranstaltungen „abzugeben“. Außerdem darf den ganzen Advent über jeden Tag ein glücklicher Besucher ein Türchen des großen Adventskalenders im Foyer öffnen und ein kleines Geschenk mit nach Hause nehmen. Und natürlich kann man im Museumsshop ein paar besondere Adventskalender auch käuflich erwerben. von Ingrid Zasche

Zur Ausstellung:

• „Warten aufs Christkind... Adventskalender von den Anfängen bis zur Gegenwart“ 

• Noch bis zum 1. Februar 2015, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr 

• Stadtmuseum Kaufbeuren, Kaisergäßchen 12-14, 87600 Kaufbeuren, Telefon 08341/966 83 90

stadtmuseum@kaufbeuren.de; www.stadtmuseum-kaufbeuren.de

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