„Ein durchaus erfolgreiches Jahr“

Sparkassenbilanz: Negativzinsen belasten den Markterfolg

Vorstände der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren Angelo Picierro (v. li.) und Vorsitzender Tobias Streifinger
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Trotz Coronakrise: Die Vorstände der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren Angelo Picierro (v. li.) und Vorsitzender Tobias Streifinger sind mit der Bilanz für 2020 zufrieden.

Kaufbeuren – „Das Jahr 2020 war für uns in der Betrachtung des Kundengeschäftes ein durchaus erfolgreiches Jahr“, so Tobias Streifinger als Vorstandsvorsitzender der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren. „Doch die guten Erfolge im Kundengeschäft konnten die Auswirkungen des negativen Zinsumfeldes nur zum Teil kompensieren.“ Deutliche Zuwächse ließen sich im Bereich Immobilienfinanzierungen, im gewerblichen Kreditgeschäft und in den Kundeneinlagen verzeichnen. Die Bilanzsumme stieg um 170 Millionen Euro auf insgesamt 1,67 Milliarden Euro an. Der Eigenkapitalanteil erfuhr eine deutliche Stärkung und liegt jetzt bei 118,7 Millionen Euro. Zusammen mit seinem Vorstandskollegen Angelo Picierro erläuterte der Vorsitzende die aktuellen Bilanzdaten der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren zum vergangenen Jahr

Das Jahr war nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden – neben deutlichem Kredit- und überproportionalem Einlagenwachstum in einem negativen Zinsumfeld – von der Corona-Pandemie und ihren Herausforderungen geprägt. Dazu gehörten die Aufrechterhaltung der Finanzversorgung ebenso wie die Unterstützung der regionalen Wirtschaft. 287 Tilgungen (155 Privat und 112 Gewerbe) wurden ausgesetzt und 30,6 Millionen Euro an gewerblichen Fördermitteln vermittelt. Mit 1,5 Millionen Euro Unterstützung fanden sogar 15 Neugründungen statt. Insolvenzen als Folge der Pandemie sind aus Vorstandssicht momentan noch nicht erkennbar.

Problem: negative EZB-Zinspolitik

Die gesamten Sichteinlagen –Giro- und Festgeldkonten – im privaten und gewerblichen Bereich stiegen um rund 150 Millionen Euro auf knapp 950 Millionen Euro. „Die Pandemie hat diese Situation noch verstärkt“, so Streifinger, „denn privat wurde weniger Geld ausgegeben und Unternehmen haben weniger investiert.“ Damit steige jedoch die Herausforderung, die überschießende Liquidität anzulegen, wobei die Möglichkeiten dafür von Woche zu Woche kleiner würden. Infolge der negativen EZB-Zinspolitik komme es mittlerweile zu einem sogenannten Verwahrgeld – also Gebühren auf die Sichteinlagen. Dabei gilt: für Geschäftskunden erfolgt eine individuelle Betrachtung ab 100.000 Euro Einlage, für Privatkunden eher nicht. „Trotz der Krise bleiben wir im Privatkundenbereich mit einem Marktanteil von über 41 Prozent auch weiterhin klarer Marktführer in der Region“, sagte Picierro. Man spüre „das Vertrauen der Kunden“, denn die Anzahl der Girokonten habe sogar leicht erhöht werden können.

Kreditgeschäft und Wertpapiere

„Das Kreditgeschäft entwickelte sich dynamisch seit 2019 von 713 auf 860 Millionen Euro, konnte aber die hohe Liquidität nicht ausgleichen“, erläuterte Picierro, „insbesondere in der Immobilienfinanzierung, die etwa zwei Drittel der Kredite umfasst“. Das liege auch 2020 an dem nach wie vor ungebrochenen Wunsch nach einer eigenen Immobilie. Das zeigt sich ebenso im Trend zur Sanierung und Modernisierung im Eigenheim, wo mit 155 Millionen Euro im Neugeschäft eine Steigerung von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht werden konnte. „Hinzu kommt“, so der Vorstand, „dass unser Geschäftsgebiet als Wohnziel sehr beliebt ist: eine gute Infrastruktur, hohe Lebensqualität und immer noch moderate Preise im Vergleich zu anderen Regionen in Bayern.“

Wegen fehlender Zinsen und trotz der teilweise starken Schwankungen ist das Börsenjahr sehr positiv gelaufen, denn der Index ist höher denn je. „Während viele Kunden in Aktien investiert haben, sind bestehende Anlieger nicht abgesprungen, sondern dabei geblieben“, so Picierro. „Damit zeigt sich, dass die langfristige Anlage in Wertpapiere mit gestreutem Risiko eine sehr attraktive Alternative ist.“ 2020 konnten Zuwächse von über acht Prozent in den Wertpapierdepots mit einem Gesamtbestand von 418 Millionen Euro verzeichnet werden.

Digitalisierung

Die Coronapandemie mit ihren Auswirkungen und Regelungen beschleunigte die bereits bestehende dynamische Entwicklung der Digitalisierung zusätzlich. Das gilt nicht nur für das Online-Banking (+6,7 Prozent), die Besuche in der Internetfiliale (+9,3 Prozent) und die fernmündlichen Beratungen im KundenServiceCenter. Insbesondere das kontaktlose Kartenzahlen (+64 Prozent) erfreut sich zunehmender Beliebtheit. „Die Pandemie hat einen Schub für kontaktloses Bezahlen ausgelöst“, stellt Streifinger fest. „Das Bargeld ist stärker auf dem Rückzug, wird aber auch zukünftig in Deutschland vorhanden bleiben.“ Die einfachen Serviceleistungen würden sich jedoch immer mehr Richtung digital verlagern.

Investition in die Zukunft

Der Jahresüberschuss sei ganz bewusst niedriger als im Vorjahr (minus 1,7 Milliarden Euro). Unter anderem mussten geänderte Bilanzierungsvorschriften umgesetzt werden. Es erfolgten pauschale Wertberichtigungen und die Einlagen wurden erhöht, um für mögliche Herausforderungen vorzusorgen. Auch das Eigenkapital konnte auf 118,7 Millionen Euro aufgestockt werden. „Mit unserer guten und soliden Eigenkapitalausstattung haben wir einen Garant für unsere Stabilität und sind für die Zukunft gut aufgestellt“, sagte Streifinger. Analog zur jüngst in Schwaben stattgefundenen Sparkassenfusion gebe es derzeit ebenso wie für Filialschließungen keine Pläne. „Größe ist nicht alles“, so der Vorsitzende. „Kleine Größen bieten den Vorteil einer hohen Flexibilität und eine gute Kundennähe.“ Für die Beschäftigten der Sparkasse gibt es keine Kurzarbeit, gut 40 Prozent arbeiten völlig flexibel im Homeoffice.

Mit dem kompletten Umbau der Geschäftsstelle in Mauerstetten 2020 und der für dieses Jahr geplanten Modernisierung in Westendorf verdeutlicht die Sparkasse als Ansprechpartner ihr „Bekenntnis zum Standort“ auch in der Zukunft. Und mit 222.000 Euro förderte und unterstützte sie gesellschaftliches Engagement in der Region.

Fast 200 Jahre

Die Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren steht seit fast 200 Jahren für ihren Dienst am Kunden zwischen Tradition und Fortschritt. Seit ihrer Gründung im Jahre 1825 entwickelte sich die einstige „Stadtsparkasse Kaufbeuren“ über die „Distriktsparkasse“ und dem Anschluss von Buchloe bis zur heutigen „Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren“ zu einer Anlaufstelle in der Region. Die beiden jetzigen Vorstände leiten seit einem halben Jahr das Unternehmen und sind insbesondere „begeistert über die Zusammenarbeit mit unserem Team an Mitarbeitern“, denen gerade in der jetzigen Zeit viel abverlangt werde. „Daher freuen wir uns besonders über die erneute Auszeichnung durch ‚Die Welt‘ für kompetente Kundenberatung mit der Bestnote 1,3“, so die Vorstände unisono.

Zahlen und Fakten für 2020

  • Bilanzsumme: 1,67 Milliarden Euro
  • Jahresüberschuss: 0,94 Millionen Euro
  • Kreditgeschäft: 1 Milliarde Euro
  • Kundeneinlagen: 1,29 Milliarden Euro
  • Ausleihungen gesamt: 1Milliarde Euro
  • Kundengeschäftsvolumen: 2,6 Milliarden Euro
  • Wertpapiere: 418 Millionen Euro
  • Wohnbaugeschäft: 155 Millionen Euro
  • Eigenkapital: 118,7 Millionen Euro
  • 222.000 Euro für gesellschaftliches Engagement
  • 299 Mitarbeiter, davon 28 Auszubildende
  • elf Geschäftsstellen

Wolfgang Becker

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