Kinderbetreuung wird teurer

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Die Stadt erhöht zum 1. September die Elternbeiträge in den Kindertageseinrichtungen.

Marktoberdorf – Die Stadt dreht an der Gebührenschraube und macht auch vor ihren Familien nicht halt. Zum 1. September 2017 sollen die Beiträge für die städtischen Betreuungseinrichtungen Krippe, Kindergarten und Hort in einem ersten Schritt steigen. Ein Jahr später, zum 1. September 2018 erhöhen sich die Betreuungsgebühren dann noch einmal um einen ähnlichen Betrag.

Hintergrund der Beitragsanhebung ist der anhaltende Sparkurs, den die Stadtpolitik eingeschlagen hat. Wie Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell erklärte, habe die Stadt im Jahr 2016 mehr als 2,5 Millionen Euro in den Betrieb ihrer Kinderbetreuungsstätten gesteckt. Das ist der Anteil an den Gesamtausgaben, der nicht durch Einnahmen wie staatliche Förderungen und Elternbeiträge gedeckt ist und der einzig aus den Kassen der Stadt fließt. Eine volle Betreuungsstunde im Kindergarten beziehungsweise im Kinderhort koste die Eltern für ihr Kind derzeit lediglich 0,51 Euro, so Werner Wieder aus der Stadtverwaltung.

„Vernünftiger Weg“

Das sei im Vergleich zu den Nachbarstädten im Landkreis und angesichts der Vielfalt und Qualität des Betreuungsangebots sehr günstig, sagte Hell. Er schlug daher eine Erhöhung der Gebühren auf den Mittelwert dessen vor, was derzeit im Landkreis und in Kaufbeu­ren für einen entsprechenden Betreuungsplatz bezahlt werde (siehe unten). Die Beitragsanhebung solle sozial verträglich jeweils hälftig in zwei Abschnitten erfolgen. „Eine Angleichung der Elternbeiträge für die Betreuungsformen Kinderkrippe, Kindergarten und Kinderhort an den Mittelwert der größeren Kommunen im Landkreis Ostallgäu ist ein vernünftiger und sinnvoller Weg zur Festsetzung realistischer Elternbeiträge“, erläuterte Wieder im Namen der Stadtverwaltung. Die Stadt erwarte im ersten Jahr Mehreinnahmen von rund 85.000 Euro.

Auch über einen Geschwisterrabatt beratschlagte das Gremium lange: In Zukunft soll es eine pauschale Ermäßigung von 30 Euro pro Monat ab dem zweiten Kind einer Familie geben. Diese Regelung gilt einmal für Geschwister, die Kinderkrippe und/oder Kindergarten besuchen. Wechselt ein Kind in das (vom Freistaat bezuschusste) Vorschuljahr, entfällt die Ermäßigung. Sind mehrere Geschwister im Hort, gilt auch hier die Ermäßigung von pauschal 30 Euro ab dem zweiten Kind. Für Kinder des Ortsteils Sulzschneid wird eine Ermäßigung von 20 Prozent für den Kindergartenbesuch gewährt.

Dem letztlich mehrheitlich gefassten Beschluss ging im Stadtrat eine längere Diskussion um die soziale Verträglichkeit der Erhöhung voraus. Grüne und SPD-Fraktion stimmten gegen die Anhebung der Beiträge. Christian Vavra (Grüne) gab an, die Erhöhung sei seiner Meinung nach nicht angemessen und würde dem Ziel Marktoberdorfs, eine familienfreundliche Stadt zu sein, in keinster Weise gerecht. Auch Wolfgang Hannig und Erich Nieberle (beide SPD) waren nicht bereit, die Not der Eltern weiter zu befeuern. Aus den Reihen der CSU kam jedoch breite Unterstützung für den Vorschlag der Verwaltung. Eduard Gapp (CSU) sagte, es sei richtig, das Preisniveau der Beitragssätze an die der umliegenden Städte anzupassen. Auch Thorsten Krebs (CSU) hielt die Erhöhung für notwendig und sozial verträglich. Bürgermeister Wolfgang Hell mahnte, eine Ausgabenentwicklung zu stoppen, die „sonst aus dem Ruder laufe und Investitionen in Zukunft verhindere“.

Die Eltern erwartet nun eine teilweise drastische Erhöhung ihrer Kinderbetreuungskosten. Insbesondere diejenigen, die eine lange Betreuungszeit gebucht und mehrere Kinder betreut haben, zahlen künftig einiges mehr. Das gilt beispielsweise für den Kinderhort. Wer dort sein Kind 35 Stunden in der Woche betreut weiß, wird bis in zwei Jahren anstelle von 77,15 Euro (derzeit) rund 130 Euro pro Monat und Kind bezahlen. Ähnliches gilt für die Kinderkrippe: Kinder, die 45 Stunden in der Woche dort betreut werden, kosten ihre Eltern innerhalb von zwei Jahren rund 78 Euro im Monat mehr. Hinzu kommt, dass ein Geschwisterrabatt für ein Krippenkind und ein Hortkind (wie bisher) dann nicht mehr gewährt wird.

von Angelika Hirschberg

Preiserhöhungen für 2017

"Kinderkrippe

zum Beispiel

Buchungskategorie 30 Stunden/Woche: derzeit 194,70 Euro, ab 1. September 2017: 198,11 Euro

Buchungskategorie 35 Stunden/Woche: derzeit 222,15 Euro, ab 1. September 2017: 233,55 Euro

"Kindergarten

zum Beispiel

Buchungskategorie 20 Stunden/Woche: derzeit 43,80 Euro, ab 1. September 2017: 58,38 Euro

Buchungskategorie 30 Stunden/Woche: derzeit 65,70 Euro, ab 1. September 2017: 77,01 Euro

Buchungskategorie 35 Stunden/Woche: derzeit 77,15 Euro, ab 1. September 2017: 88,76 Euro

"Kinderhort

zum Beispiel

Buchungskategorie 20 Stunden/Woche: derzeit 43,80 Euro, ab 1. September 2017: 58 Euro (mit Ferienbetreuung: 78,57 Euro)

Buchungskategorie 35 Stunden/Woche: derzeit 77,15 Euro, ab 1. September 2017: 105 Euro

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