Aus Spaß wird Ernst

Herbert Stumpe gründet Ortsverband Kaufbeuren-Neugablonz von „Die Partei“

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Der frisch gewählte Vorstand vom Ortsverband Kaufbeuren-Neugablonz: Schatzmeister Stefan Paulick (auf dem Sofa von links), 1. Vorsitzender Herbert Stumpe, 2. Vorsitzender Julian Thoss; eingerahmt von Schatzmeister Markus Zacher (links) und der 2. Vorsitzenden Anja Klingelhöfer von „Die Partei“-Bezirksverband Schwaben. Der graue Anzug und die rote Krawatte sind offizielles Partei-Outfit.

Kaufbeuren – Rappelvoll war der kleine Nebenraum in der Wein- und Bierstube „Platz‘l“ am vergangenen Mittwoch. Herbert Stumpe hatte dort zur Gründungsversammlung eines Ortsverbandes der Satire-Partei „Die Partei“ eingeladen und – ausgehend von der Raumgröße – mit etwa 15 Personen gerechnet. Als interessierte Zuschauer gekommen waren rund zehn mehr.

Wer sich nun aber von dieser Gründungsversammlung einer für „Witz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ berüchtigten Partei einen besonders lustigen Abend versprochen hatte, musste schnell feststellen, dass es weitgehend so zuging, wie auf jeder anderen politischen Versammlung. Es wurden ganz ordentlich und den Regularien entsprechend ein Vorsitzender (Herbert Stumpe), ein Stellvertreter (Julian Thoss) und ein Schatzmeister (Stefan Paulick) gewählt. Da lediglich diese drei in Kaufbeuren ansässigen und damit stimmberechtigten Parteimitglieder anwesend waren, war die erforderliche Mindestanzahl zur Gründung eines Ortsverbandes so gerade eben erreicht. Die Wahl der drei Kandidaten für die zu besetzenden Ämter erfolgte jeweils einstimmig mit drei roten Karten. Auch hierbei agiert „Die Partei“ anders als andere: rot = ja, grün = nein. Nach „angemessener Überlegung“ nahmen die Kandidaten die Wahl an.

Zur Unterstützung waren Anja Klingelhöfer, die Stellvertretende Vorsitzende, und Markus Zacher, der Schatzmeister des Bezirksverbandes Schwaben angereist. Klingelhöfer nahm die Akkreditierung der drei Mitglieder mit Partei- und Personalausweis vor und sorgte insgesamt dafür, dass alles rechtskonform zuging. Zacher moderierte und leitete die Wahl. Das Ganze, bevor man zum gemütlichen Teil überging, dauerte knapp 20 Minuten, einschließlich des Absingens der Parteihymne („Die Partei hat immer Recht“) und der Vorstellung eines Drei-Punkte -Programms vom neuen Vorsitzenden Herbert Stumpe (61): Erstens sei er dagegen, dass ein Atommüll-Endlager in Hirschzell eingerichtet wird. Es bestünden zwar keine konkreten Pläne, aber ein wirtschaftlich ausgebluteter Ort könnte schon in Versuchung kommen und der Bund suche noch geeignete Standorte. Zweitens denkt Stumpe an die Zukunft: „Das Klimaprogramm zieht uns die Kohle aus dem Sack, also sind wir vor 2030 pleite.“ Wenn es aber ab 2030 keine „Kohle“ mehr gebe, sollte man ab 2025 wenigstens größere Weihnachtsgeschenke bekommen. Er habe zwar immer dafür plädiert, die Größe der Geschenke sei unwichtig, „Hauptsache teuer!“ Demnächst sollen sie aber nicht nur teuer, sondern auch möglichst groß sein. Sein dritter Programmpunkt, die Forderung nach „Rückenwind für Fahrradfahrer“, sei von der Einführung der E-Bikes überholt worden. Aber Stumpe möchte eigentlich ohnehin gar nicht auf ein fixes Programm festgelegt sein, sondern lieber flexibel auf aktuelle Anforderungen reagieren. Vor allem Neugablonz liegt ihm am Herzen, wo der Sohn von Eltern aus dem Isergebirge aufgewachsen ist und derzeit noch als Depotbetreuer im Neugablonzer Isergebirgs-Museum arbeitet. Eigentlich hat er Sozialpädagogik studiert.

In seiner Freizeit fungiert Herbert Stumpe als E-Gitarrist der beliebten Neugablonzer Kultband „Mauke“, das musikalische Mundartkabarett, das nicht nur mit dem Kaufbeurer Kulturpreis, sondern inzwischen auch mit dem Bayerischen Mundartpreis ausgezeichnet wurde. Er tritt im Theater im Turm und bei Aufbruch-Umbruch auf, bei der Vorlesenacht im Rathaus und bei Paurischen Mundartlesungen. Als eingefleischter Kabarettist und Anhänger von ironischer Satire liebt Stumpe das Satiremagazin „Titanic“, dessen Redaktion früher von Martin Sonneborn geleitet wurde. Mittlerweile ist Sonneborn Chef der 2004 von ihm gegründeten Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative – kurz „Die Partei“ – und immerhin ins Europaparlament eingezogen. Stumpe ist bereits seit über zehn Jahren Mitglied bei „Die Partei“, die mit oft grenzwertig provokanten, ironischen Sprüchen treffsicher den Finger auf Wunden der Demokratie zu legen pflegt.

Obwohl Stumpe von sich sagt, er sei „immer politisch, aber nie parteipolitisch“ gewesen, möchte er sich jetzt doch nach der nächsten Kommunalwahl im Kaufbeurer Stadtrat ernsthaft – wenn auch nicht bierenst – für Neugablonz einsetzen. Und für eine Kandidatur braucht es halt eine Partei. Mit der Gründung des Ortsverbandes Kaufbeuren-Neugablonz ist jedenfalls der erste Schritt dafür getan. Nun müssen sich nur noch genügend Unterstützer finden.

von Ingrid Zasche

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