Spatenstich und feierlicher Baubeginn für Ortsumfahrung Bertoldshofen

"Jetzt geht es endlich los!"

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Wissen, wo es langgeht: Thomas Linder vom Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr erklärt den Trassenverlauf der künftigen Umfahrung dem Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke, Landrätin Maria Rita Zinnecker, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell.

Marktoberdorf – Start frei für ein großes Verkehrsprojekt: Feierlich und mit zahlreichen Gästen aus Politik und Verwaltung wurde am vergangenen Dienstag der Bau der Ortsumfahrung Bertoldshofen eingeläutet. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sprach gar von einem neuen „Kapitel der Mobilitätsgeschichte“, das sich für die Region mit dem Ausbau des Knotenpunktes der Bundesstraßen 16 und 472 eröffne. Ein bedeutender Schritt, wie Dobrindt gut aufgelegt und bei Festtagswetter kundtat, für die Entlastung von Bürgern in Bertoldshofen und in Marktoberdorf.

„Die Erfahrung mit anderen Infrastruktur-Projekten zeigt, dass eine große Zufriedenheit bei Anwohnern und allen Verkehrsteilnehmern eintreten wird,“ ist Dobrindt überzeugt. Und er dankte den Grundstücksbesitzern, die zugunsten der Umfahrung bereit waren, einen Teil ihres Eigentums aufzugeben. Denn das Projekt war bekanntermaßen umstritten. Zuletzt hatte eine Klage vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht den Bau der Umfahrung jahrelang blockiert.

53-Millionen-Euro-Projekt

Noch werden bis zu 16.000 Fahrzeuge täglich entlang der B472 gezählt, einer der südlichsten Ost-West-Verbindungen Bayerns, die in Marktoberdorf auf die B16 trifft. Stadt und Landkreis hatten sich in den letzten Jahren vermehrt und mit vereinten Kräften für eine Umfahrung der Kreisstadt eingesetzt. Kein leichtes Unterfangen, denn das seit 1988 forcierte Projekt steckte fest. Als der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die dort anhängige Klage im April 2016 abwies und der Bund eine Finanzierung des rund 53 Millionen Euro teuren Ausbaus in Aussicht stellte, stand einer Realisierung nichts mehr im Wege. Prompt waren auch schon die ersten vorbereitenden Maßnahmen ausgeführt worden: So seit Oktober 2016 der Abbruch der baufälligen Geltnachbrücke nördlich von Bertoldshofen und der Ersatz der Sohlschwelle mit Gewässerausbau.

Verkehrsfreigabe 2021

Er freue sich richtig, so der Minister, der aus dem benachbarten Peißenberg stammt, dass es nun endlich losgehe. Nach vorbereitenden Arbeiten in diesem Jahr soll Anfang 2018 mit dem Bau des Tunnels am Nordportal begonnen werden. Das Staatliche Bauamt Kempten rechnet mit einer Bauzeit von rund drei Jahren. Im Herbst 2021 soll die Verkehrsfreigabe erfolgen.

A propos Tunnel: Das östlich von Bertoldshofen geplante, 599 Meter lange Bauwerk, war und ist umstritten. Denn mehr als die Hälfte der Baukosten (rund 30 Millionen Euro) gehen auf das Konto des Tunnelbaus. Doch Minister Dobrindt rechtfertigte das Projekt als notwendig, damit die „herrliche Landschaft“ keinen Schaden nehme. Bei weiteren Verkehrsprojekten der Region versprach der Minister eine zeitnahe Realisierung, so beim Ausbau der B12 („Die finanziellen Mittel des Bundes stehen bereit“) und bei der Ertüchtigung der B472 Marktoberdorf-Schongau um drei Streifen, die ebenfalls nächstes Jahr starten soll.

Brief an Dobrindt

Einen so positiv gestimmten Bundesminister wollte Landrätin Maria Rita Zinnecker nicht nach Berlin entlassen, ohne ihm einen Brief zu übergeben, der weitere Wünsche in Bezug auf die Anschlusssituation Marktoberdorfs an die B12 enthielt. Gemeinsam mit den Bürgermeistern Dr. Wolfgang Hell, Johann Stich (Ruderatshofen) und Wolfgang Eurisch (Biessenhofen) hatte die Landrätin Vorschläge zum Ausbau der B12-Anschlussstellen formuliert. Zuvor nannte sie die Umfahrung einen bedeutenden Meilenstein einer scheinbar „unendlichen Geschichte“. Sie appellierte an die Bürger, die geplante Trasse als den besten Kompromiss zu akzeptieren. Auch Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell zeigte sich sichtlich erleichtert, nach einer langen, emotionalen Diskussion dem Baubeginn des Mammutprojekts beizuwohnen. „Diesen Erfolg hat 2014 noch keiner erwartet“, gestand er. Er dankte in diesem Zusammenhang auch den Mandatsträgern für ihr übergreifendes Engagement in dieser Sache. Insbesondere der Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke – dessen Engagement viele Festredner würdigten – hatte sich als Vermittler in Berlin für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Ostallgäu stark gemacht. Aber auch die Stadt habe ihren Teil dazu beigetragen, wie Bürgermeister Hell sagte, indem sie 23,5 Hektar (von insgesamt benötigten 24 Hektar) als Tauschfläche den Grundstückseignern zur Verfügung gestellt habe.

Spatenstich für ein Großprojekt: Werner Schmid (Staatliches Bauamt Kempten), Thomas Linder (Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr), Landtagsabgeordnete Angelika Schorer, Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, Landrätin Maria Rita Zinnecker, Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, Landtagsabgeordneter Dr. Paul Wengert und Florian Schmid (Fa. Hubert Schmid).

Beherzt und in trauter Einvernehmlichkeit ging es für die Ehrengäste dann zum obligatorischen Spatenstich. Wurde hier noch rein symbolisch der Spaten geschwungen, wurde es am Tag danach bereits ernst. Denn da rollten dann die Bagger an.

von Angelika Hirschberg

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