Kaufbeurer SPD stellt Kandidatenliste für Stadtratswahl 2014 auf

"Ein ganz normaler Vorgang"

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Für die Mitglieder und Gäste der beiden Kaufbeurer SPD-Ortsvereine gab es einen Abstimmungsmarathon bei der Aufstellung der Kandidatenliste zum Stadtrat.

Kaufbeuren – Kampfabstimmung bei der SPD um die ersten zehn Plätze auf der Liste zur Stadtratswahl? Der Bericht in der Tagespresse konnte den Eindruck vermitteln, dass in und zwischen den beiden Kaufbeurer Ortsverbänden alles andere als Einigkeit herrscht. "Stimmt nicht", beruhigt die Vorsitzende von Kaufbeuren-Stadt Catrin Riedl. Sie hat mit dem Kreisboten über den Wahlabend und ihre OB-Kandidatur gesprochen.

In einer mehrstündigen Sitzung hat die Kaufbeurer SPD in der vergangenen Woche ihre Liste für die Kandidaten zur Stadtratswahl 2014 beschlossen. Die Kandidatur von Catrin Riedl für das Amt des Oberbürgermeisters war dabei ebenfalls angekündigt worden (wir berichteten). Für die beiden Ortsvereine stellt sich die Abstimmung jedoch anders dar als für die anderen Gruppierungen vor Ort: Sie müssen durch ein paritätisch besetztes Gremium von Delegierten wählen. Eine Findungskommission aus Vorständen und Stadtratsfraktion hatte zudem eine Vorschlagsliste mit 40 Bewerberinnen und Bewerbern erstellt. Nur in zwei Einzelfällen kam es dabei zur Kampfabstimmung. 

Der Findungsprozess war nicht einfach, doch das Verfahren ist an Satzungen gebunden, die keine andere Wahl zuließen. Dazu gehört auch das sogenannte „Reißverschlusssystem“, welches eine abwechselnde Listung von Frauen und Männern vorsieht – zumindest so lange Bewerber beiderlei Geschlechts vorhanden sind. Außerdem hatte man für die ohnehin geheime Wahl festgelegt, dass über die ersten zehn Plätze einzeln abgestimmt wird. Helga Ilgenfritz war von dem Vorschlag überrascht worden, sie in der Rangfolge bei den Frauen um einen Platz besser zu nominieren. „Der vorgesehene Listenplatz war mit mir abgestimmt und das war für mich völlig in Ordnung“, erläuterte sie gegenüber dem Kreisboten. Nach ihren Worten habe es aus ihrer Sicht keinerlei Konkurrenz zu der auf Platz drei platzierten Martina Wischhöfer gegeben, die in der Abstimmung dann auch mehrheitlich bestätigt wurde. Ein anschließendes Gespräch diesbezüglich sei absolut harmonisch verlaufen. 

Ähnlich verlief die Situation bei den Männern hinsichtlich Platz acht der Vorschlagsliste. Dort war der nicht anwesende Dr. Ing. Hans Ulrich Schurig gelistet. Neu vorgeschlagen für diese Position wurde der auf Platz 14 gesetzte Tobias Riedl. Der Sohn der Vorsitzenden der SPD-Kaufbeuren-Stadt gewann die Abstimmung zwar knapp, verzichtete aber auf die bessere Platzierung in einer persönlichen Erklärung. „Ich werde Platz acht nicht annehmen, sondern weiter, wie ursprünglich vorgeschlagen, auf Platz 14 kandidieren“, so der 24-Jährige. Er hoffe, dass dies respektiert werde und er wünsche sich ein einheitliches Gesamtbild der SPD. 

Auch der Ehemann der auf Platz 13 angetretenen aber nicht anwesenden Eva Brey äußerte sich im Rahmen der Vorstellung seiner Frau als Kandidatin ähnlich. Er warb unter anderem für Geschlossenheit in den eigenen Reihen, insbesondere unter dem Aspekt der aus seiner Sicht „nicht verständlichen Situation von zwei Ortsvereinen“. 

 Unter den ersten zehn Listenplätzen gab es lediglich für Isidoro Peronace ein einstimmiges Votum der Delegierten. Bei den Blockabstimmungen mit jeweils fünf Kandidaten lief fast alles glatt. Das galt auch für Ralf Baur, der als ehemaliger Baureferent mit knapper Mehrheit vom Stadtrat in diesem Jahr entlassen worden war und nun parteilos auf Platz 31 der SPD-Liste rangiert. Lediglich David Riedl, der zweite Sohn von Catrin Riedl, der als Ersatzmann auf Platz 38 eingesprungen war, bekam eine Gegenstimme, die sich offenslichtlich auch in der Abstimmung über die Gesamtliste noch einmal offenbarte. 

Gespräch mit Riedl

Catrin Riedl wiederum bedauert die Darstellungen in der lokalen Tagespresse vom Freitag. Hier wurde ein aus ihrer Sicht verzerrtes Bild gezeichnet, wie die Vorsitzende in einem Gespräch mit dem Kreisboten erläuterte. 

Kreisbote: Die Findungskommission für die Kandidaten hatte das Wahlverfahren im Vorfeld klar definiert. Dabei waren auch die Einzelabstimmungen für die ersten zehn Listenplätze vorgesehen. Welcher Eindruck ist Ihrer Meinung nach in der Tagespresse vermittelt worden? 

Catrin Riedl: „Dass es bei jedem der zehn Listenplätze um eine Kampfkandidatur ging. Das hätte einerseits bedeutet, dass die Delegierten dem Vorschlag der Findungskommission in keinem Fall gefolgt wären und andererseits, dass man sich bei der SPD wieder nur streitet“. 

Kreisbote: Stellte die Kampfkandidatur um lediglich zwei Plätze ein Problem dar? 

Catrin Riedl: „Nein, überhaupt nicht. Ich gebe zu, es war sehr spannend und wenn man maßgeblich am Vorschlag mitgearbeitet hat, bewegt es einen auch emotional. Aber im Grunde ist es ein völlig normaler Vorgang. Wir sind eben eine sehr lebendige Partei. Und: Dass mehrere KandidatInnen nach ganz vorne streben, ist doch positiv. Das lässt einen engagierten Wahlkampf erwarten. 100-Prozent Ergebnisse waren selten unsere Sache, das Zulassen von anderen Meinungen zeichnet uns als Partei aus. Ärgerlich wäre nur, wenn man den Eindruck gewinnen müss-te, es handle sich um eine Art Fundamentalopposition“. 

Kreisbote: Durch Ralf Nahm wurde in der Versammlung Ihre Bereitschaft zu einer OB-Kandidatur angekündigt, über die allerdings erst durch die Delegierten in einer eigenen Veranstaltung am kommenden Donnerstag abgestimmt wird. Haben Sie sich selbst vorgeschlagen oder ist man an Sie herangetreten? 

Catrin Riedl: „Ich wurde schon im Sommer für die Kandidatur vorgeschlagen. Dabei hat es mich besonders gefreut, dass der Vorschlag von einem Vorstandsmitglied des Ortsvereins Kaufbeuren und Neugablonz kam. Das ist ein weiterer Beweis dafür, dass wir auf einem guten Weg sind“. von Wolfgang Becker

Für die Kaufbeurer SPD treten bei der Stadtratswahl 2014 an: 

Auf Platz 1 Catrin Riedl, 2. Ralf Nahm, 3. Martina Wischhöfer, 

4. Wolfgang Schad, 5. Helga IIgenfritz, 6. Pascal Lechler, 7. Jana Exarchos, 8 Dr. Ing. Hans Ulrich Schurig, 9 Anne Britta Fleißner, 10. Isidoro Peronace, 11. Sabine Kretschmar, 12. Carmine Macaluso, 13. Eva Brey, 14. Tobias Riedl, 15. Claudia Teodorovic, 16. Franco Lagrotteria, 17. Monika Mayer, 18. Franz-Siegfried Arndt-Buchgraber, 19. Anne Nusser, 20. Michael Schäfer, 21. Irena Schäfer, 22. Werner Merkel, 23. Dr. Elisabeth Angst, 24. Dr. Thomas Melcher, 25. Helene Gramling, 26. Thomas Pickl, 27. Hildegard Wollf, 28. Önder Tosun, 29. Irmgard Nieckau, 30. Moritz Sladek, 31. Ralf Baur, 32, Helmut Holzmüller, 33. Emil Erben, 34. Salim Coskun, 35. Guido Schmitz, 36. Siegfried Brey, 37. Matthias Fischer, 38. David Riedl, 39. Hermann Baumgartner sowie Peter Kindler auf Listenplatz 40

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