Spezieller Ort für speziellen Künstler

Künstlicher Nebel wabert durch die Turbinenhalle auf dem Trümmergelände in Neugablonz. Lautes Hundegebell schrillt in den Ohren. Aus dem Nebel taucht plötzlich eine Gestalt auf: Ein Dudelsackspieler, der durch die Reihen der Gäste schreitet. Passend zur Verleihung des Kunst- und Kulturpreises der Stadt Kaufbeuren wird viel Kunst und noch mehr Kultur aufgeboten. Zwischen den Gäs- ten spaziert Peter R. Müller, der Preisträger des diesjährigen Kunst- und Kulturpreises.

Es sei eine „echte Herausforderung gewesen den passenden Ort“ für die Preisverleihung zu finden, verrät Oberbürgermeister Stefan Bosse. Passend zu einem „kraftvollen, kantigen, erdigen“ Künstler habe man sich für die ehemalige Turbinenhalle entschieden. „Denn ein außergewöhnlicher Künstler brauche eine außergewöhnliche Location“, so Bosse. Dieser Ort habe viel mit Peter R. Müllers Arbeit gemein: „Geboren aus dem Funkenflug der Ideen, gewachsen unter der Wucht gewaltiger Hammerschläge, in der Glut der Esse, im gleißenden Strahl des Schweiß- brenners.“ Für diese kunstvoll klingenden Worte, passend zum Abend, erntete Bosse lauten und anerkennden Beifall. Der Schrottkünstler Müller wurde im Frühjahr dieses Jahres unter 19 von BürgerInnen eingereichten Vorschlägen vom Stadtrat ausgewählt (wir berichteten). Müller, der 1944 in Brandenburg geboren wurde, verschlug es 1958 nach Kaufbeuren. Mittlerweile lebt er in Irsee als freischaffender Künstler. Neben dem passenden Ort war bestimmt auch der passende Laudator eine Herausforderung. Dieser wurde in der Person des Schweizers Dr. Fritz Franz Vogel gefunden. Mit seiner einmaligen Rede, die ihm kaum Zeit zum Atmen ließ, begeisterte Vogel nicht nur die Gäste, sondern sorgte für KULTur. Eine Laudatio der anderen Art. Denn die sonst übliche Lobhudelei tauschte Dr. Vogel ein, um im Namen von Müllers Gedanken zu sprechen. Nicht nur Ausrufe, wie „ein Preis für einen Preuß“, sondern Fragen, was „hat mein Schrott mit der Stadt zu tun?“, warf Dr. Vogel in den Raum. Des Weiteren stellte er Überlegungen an, was er mit dem Preisgeld in Höhe von 2000 Euro alles machen könne. Solle er eine Stiftung gründen? Eine Stiftung mit dem Namen Denkmal? Kritische Anmerkungen, wie „der Preis ist der Tod des Künstlers“ oder „Ist das ein PR-Gag?“, spiegelten genauso die sich vorgestellten Gedanken Müllers wider. Am Ende entschied sich der reale Peter R. Müller für den Preis und auch Dr. Vogel kam in seiner Laudatio zu dem Schluss „also feiern wir´s“. Bevor Müller zum Kontrabass-Bogen griff und auf einer Harfe ähnlichen Schrottskulptur zu spielen begann, trat der Künstler ans Rednerpult, das natürlich aus Schrott gefertigt war, und verkündete scherzend: „Es war schon immer mein Traum vor so vielen Menschen zu reden!“ Der Kunst- und Kulturpreis sei für ihn „eine ganz große aufregende Ehre.“ Doch nicht nur die Urkunde konnte Müller aus den Händen Bosses entgegen nehmen, sondern zuvor auch einen Geigenkoffer. In diesem befanden sich neben einer Flasche Sekt und Plastikbechern, alte, abgewetzte, staubige und dreckige Fußballschuhe. Diesen Geigenkoffer habe Müller früher immer zu den Fußballspielen von BSK Neugablonz mitgenommen, wo der Schrottkünstler jahrelang aktiver und leidenschaftlicher Fußballspieler gewesen sei. Der Sekt war für ihn und die Mannschaft gedacht. Zusammen mit dem Gitarristen Sigi Schwab, Ramesh Shotma am Schlagzeug und seinem Bruder Thomas Müller, E-Bass, ging es nach der Preisverleihung gleich mit ganz viel Kunst weiter. Denn die Ohren wurden mit guter Musik verwöhnt.

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