Staatssekretär Hintersberger macht sich Bild von Schulsozialarbeit an St.-Martin-Grundschule

Schulsozialarbeit tut Kindern gut

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Im Alter von neun oder zehn Jahren in den dritten Klassen können die Schülerinnen und Schüler eine Streitschlichterausbildung machen und erhalten eine auffällige Weste mit der Aufschrift „Streitschlichter“. Im Hintergrund beobachten Staatssekretär Johannes Hintersberger (v. re.), Landrätin Rita Maria Zinnecker und Schulrektor Jörg Schneider, mit wie viel Engagement die Kinder bei der Sache sind.

Ostallgäu/Marktoberdorf – Nach einem Besuch im Landratsamt Ostallgäu kam Johannes Hintersberger, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, auch bei der Grundschule St. Martin vorbei. Kinder zeigten ihm dort Ausschnitte aus ihrer Streitschlichterausbildung.

Um sich mit Landrätin Maria Rita Zinnecker intensiv über aktuelle Sachthemen auszutauschen, war Hintersberger für einen halben Tag zu Gast im Landratsamt Ostallgäu. Bei dieser Gelegenheit wollte sich Hintersberger auch ein Bild von der Schulsozialarbeit machen und besuchte zusammen mit der Landrätin die St.-Martin-Grundschule.

Beeindruckt zeigte sich Hintersberger zunächst von der Begrüßung des Chores einer dritten Klasse, mit dem Lied „Wir sind die Martinskinder“. Ungewöhnlich sei eine Schulhymne zwar, zeige aber die tiefe Verbundenheit der Schüler mit ihrer Schule, sagte Hintersberger.

Anschließend konnte sich der Staatssekretär von der Schulsozialarbeit in der Grundschule überzeugen. In einer kurzen Sequenz zeigten zehn Schülerinnen und Schüler, angeleitet von der Diplom-Sozialpädagogin Christiane Naegele, einen Ausschnitt aus der Streitschlichterausbildung. Zusammen mit Diplom-Sozialpädagogin Ingrid Herz sind die Sozialarbeiterinnen an vier städtischen Schulen tätig und machen unter anderem diese Streitschlichterausbildung mit 30 Kindern im Alter von neun oder zehn Jahren in den dritten Klassen. Wenn sie dann in der vierten Klasse sind, stehen sie, mit einer auffälligen Warnweste mit der Aufschrift „Streitschlichter“ bekleidet, in den Schulpausen auf dem Pausenhof und sind bei kleineren Streitigkeiten hilfreich. „Wenn sich zwei streiten, können sie zu uns kommen“, erklärte eine Schülerin. Die Kinder lernen im Seminar, wie man mit Worten helfen kann, einen Streit einzudämmen. „Darf ich es Dir nochmal erklären?“ oder „Das kann jedem Mal passieren“ helfe, einen Streit abzukühlen. Dem entgegen können Bemerkungen wie „Immer willst Du Recht haben“ oder „Typisch“ eine Meinungsverschiedenheit eher anheizen. Sie lernen dabei auch, wie wichtig nicht nur Sprache, sondern auch Körpersprache ist. „Die Seminare sind übrigens voll belegt, weil viele Schüler so eine Weste tragen wollen“, freute sich Pädagogin Naegele.

Hintersberger, selbst Vater von fünf Kindern, war beeindruckt von dem Engagement der Schüler und Fachkräfte und meinte mit einem Lächeln, dass das Thema für alle wichtig sei, denn die Form eines Streites mache es letztendlich aus.

Schulrektor Jörg Schneider schilderte die positiven Auswirkungen der Schulsozialarbeit für die 220 Kinder an der Schule und warb bei Hintersberger für ein Festhalten an dem bisherigen Engagement.

„Wir brauchen Sie, weil es den Kindern gut tut“, sagte der Staatssekretär an die Sozialpädagoginnen gerichtet und berichtete von bayernweit 900 Fachkräften, die die Jugendhilfe unterstützten. Im Landkreis seien es elf Fachkräfte und das sei auch gut für das Lehrpersonal, weil es zur „Entstressung“ führe. Man dürfe aber nicht ganz die Verantwortung von den Eltern fortnehmen.

Landrätin Zinnecker berichtete auch aus dem Vorgespräch im Landratsamt, bei dem der Staatssekretär „die Botschaft mitnehme“, dass man bei den Förderungen für Tagesstätten mehr Planungssicherheit über mehrere Jahre brauche und auch Mittel für die Jugendarbeit benötige, die man individuell einsetzen könne. Marktoberdorfs Erster Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell zeigte für seine Stadt überproportionale Zahlen bei Kindern aus anderen Wertebereichen auf: „Wir dürfen nicht in Parallelgesellschaften verfallen“.

Dazu meinte Hintersberger, dass sich zusätzlicher Bedarf bei Kinderkrippen und Kitas bereits abzeichne, nicht nur wegen der Flüchtlingskinder, sondern auch wegen steigender Geburtenraten – „und das ist doch das Schönste, was es gibt“.

von Wolfgang Krusche

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