Eisstadion: TÜV Süd monierte schon im Juli 2011 Schäden am Beton

"Nicht immer toll gelaufen"

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ESVK-Vorstand Andreas Settele

Kaufbeuren – Hätte die plötzliche Sperrung des Eisstadions verhindert werden können? Hat es von Seiten der Verantwortlichen Versäumnisse gegeben, die das Dilemma begünstigt oder gar verursacht haben? Diesen Fragen ist der Kreisbote nachgegangen und hat OB Stefan Bosse, ESVK-Vorstand Andreas Settele und dem TÜV Süd auf den Zahn gefühlt. 

Nun, wo das weitere Vorgehen beim Thema Stadion feststeht, werden bei vielen Bürgern und ESVK-Fans Fragen nach der Verantwortung für das Dilemma rund ums Stadion laut. Hätte man durch bessere Kontrollen oder schnellere Reaktion die Schließung schon im Vorfeld abwenden können? Der Kreisbote hat darüber mit dem Kaufbeurer Oberbürgermeister Stefan Bosse, ESVK-Vorstand Andreas Settele und dem Pressesprecher des TÜV Süd Thomas Oberst gesprochen. 

Im Gespräch mit dem Kreisboten betonte Oberbürgermeister Stefan Bosse, er sehe keinen Sinn darin, rückwärts zu blicken. Aber auch er wird nach eigener Aussage immer wieder mit Vorwürfen von verschiedenen Seiten konfrontiert, der ESVK oder die Stadt hätten den Fokus nicht ausreichend auf die Mängel ihre Beseitigung gelegt. „Nicht nachvollziehbar ist (…) der Umstand, dass bereits seit Jahren erhebliche Baumängel bestanden. Offenbar hat man die Tragweite dieser Mängel nicht erkennen wollen oder können“, äußerte zum Beispiel bereits vor Wochen SPD-Fraktionsvorsitzende Catrin Riedl in ihrer Haushaltsrede . 

Alle drei Jahre wurde das Eisstadion vorschriftsmäßig vom TÜV Süd überprüft, so Bosse. Es sei richtig, dass dabei „bereits vor einigen Jahren“ auf Mängel im Beton hingewiesen worden sei. Die Stadt habe sich bei jedem Hinweis auf Mängel durch Prüfer mit dem ESVK in Verbindung gesetzt und sei auch stets für die entstandenen Kosten aufgekommen. „Schließlich wird das Stadion auch von der Öffentlichkeit genutzt, daher hatten wir stets ein besonderes Interesse an dem Stadion und der dortigen Sicherheit“, so Bosse. Die Vermutung, dass der ESVK aus Kostengründen Reparaturen vermieden haben könnte, will er deshalb so nicht gelten lassen. „Der ESVK ist der einzige Verein in der ersten und zweiten Eishockey-Bundesliga, der ein eigenes Stadion unterhält. Das ist ein großer Aufwand – auch zeitlich – den die Vorstände auf ehrenamtlicher Basis bewältigen mussten. Für diesen Einsatz sind wir von der Stadt aus sehr dankbar“. 

"Zäh reagiert"

Natürlich müsse man einem Verein – ehrenamtliches Engagement oder nicht – auch Schranken zeigen, so Bosse. Manchmal sei von dessen Seite auch etwas „zäh“ auf Aufforderungen von Seiten der Stadt reagiert worden – bis die Verwaltung 2012 die Notbremse zog und aufgrund der nun in Auftrag gegebenen Gutachten die Sperrung veranlasste. Fakt sei aber, dass der ESVK ein wichtiger Bestandteil Kaufbeurens sei, der auch einen großen Anteil an der Jugendarbeit habe und die Stadt auch ein Stück weit nach Außen repräsentiere. Dass der ESVK damit eine Sonderstellung auch gegenüber anderen örtlichen Vereinen habe, will der OB gar nicht bestreiten: „Es werden prinzipiell alle Vereine gleich behandelt. Aber das Eisstadion ist per se eine Ausnahme. Wir stellen anderen Vereinen ihre Sportstätten kostenfrei zur Verfügung, und der ESVK konnte das Stadion aus eigener Kraft nicht finanzieren“. Dass die Stadt das marode Stadion nun zurücknehmen will, um es aus Haushaltsmitteln zumindest für ein bis zwei Saisonen zu ertüchtigen (siehe auch Artikel "Stadt will Eisstadion zurück"), ist für ihn die logische Folge der Ereignisse – 2020 wäre das Gebäude aufgrund des bestehenden Erbbaurecht-Vertrags sowieso an die Stadt gegangen, wie auch bei einer Insolvenz des ESVK, so der OB. Sicher sei, dass der Befund im Dezember 2012 alle „kalt erwischt“ habe.„Vielleicht ist nicht immer alles toll gelaufen, aber was hilft’s?“ ist Bosses Fazit. Und: „Es gibt in der Verwaltung Stimmen, die sagen, wir holen jetzt eben den Bauunterhalt der letzten Jahre nach“. 

"Der hohe Chloridgehalt im Beton war für uns nicht erkennbar"

Andreas Settele, geschäftsführender Vorstand des ESVK, will von solchen „Stimmen“ gar nichts hören. „Wenn an uns Mängel herangetragen wurden, haben wir immer sofort reagiert – manchmal vielleicht nicht ganz richtig“, so Settele. Die Mängel, die in den vergangenen Jahren angesprochen worden seien, hätten aber mit dem jetzigen Schadensfall „nichts zu tun“ – da sei es „um ganz andere Sachen“ gegangen. „Der erhöhte Chloridgehalt im Beton war vorher nicht erkennbar“, so Setteles Statement. „Sofort reagiert“ hat der ESVK dann allerdings doch nicht immer. 

"Wir haben den ESVK auf Schäden aufmerksam gemacht"

Laut Thomas Oberst, Pressesprecher von TÜV Süd, wurden nämlich bereits im Juli 2011 im Rahmen einer turnusmäßigen Untersuchung Betonschäden festgestellt – über ein Jahr, bevor das Gutachten, das dann zur Schließung führte, vom Verein in Auftrag gegeben wurde. „In einem vorläufigen Bericht des Gutachtens haben wir den ESVK auf Schäden am Beton aufmerksam gemacht und angeraten, diese prüfen zu lassen“, erklärt Oberst auf Anfrage. von Michaela Frisch

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