Zentrales Element: Selbstcheck

„Weltoffene Kommune“: Kaufbeuren bewirbt sich für Modellprojekt

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Kaufbeuren steht unter anderem als „Ort der Vielfalt“ und „Fairtrade Stadt“ und möchte sich bald auch als „Weltoffene Kommune bezeichnen dürfen.

Kaufbeuren – Die Stadt Kaufbeuren möchte eine von deutschlandweit 40 Städten und Gemeinden sein, die am Modellprojekt „Weltoffene Kommune – Vom Dialog zum Zusammenhalt“ teilnehmen dürfen. Einstimmig befürwortete der Verwaltungsausschuss am Dienstag, eine Interessensbekundung einzureichen.

Ziel des Modellprojektes ist es, Kommunen bei ihrem Engagement für Integration zu stärken.Von Projektpartnern werden sie vier bis sechs Monate lang kostenfrei begleitet, Eigenmittel sind nicht erforderlich. Für die Projektlaufzeit ist lediglich ein fester Ansprechpartner für die Koordination vor Ort zu benennen. Pro Bundesland sind zwei bis drei Förderungen möglich, erklärte Alfred Riermeier, Leiter des Kaufbeurer Familienreferats. Zentrales Element des Modellvorhabens ist ein Selbstcheck, der die Kommunen bei der Analyse ihres Status quo hinsichtlich ihrer Weltoffenheit unterstützt. Gewünscht sind insbesondere Bewerbungen außerhalb der Großstädte.

Diese Anforderungen passen nach Auffassung aller Fraktionen perfekt auf Kaufbeuren. Schließlich beweise die Stadt schon lange Integrationsbereitschaft, betonte Ernst Holy (KI), Beauftragter für Städtepartnerschaften. Als Beispiele nannte er die Aufnahme der Vertriebenen nach dem zweiten Weltkrieg, der Spätaussiedler aus der ehemaligen ­UdSSR und der Flüchtlinge aus aller Welt seit 2015. Daneben verwies er auch auf die Städtepartnerschaften, aus denen schon viele Freundschaften entstanden seien. Die Verbindungen zu den Partnerstädten würde von allen Generationen der Stadt getragen, Sprache oder Hautfarben spielten bei den Treffen keine Rolle und Unterschiedlichkeiten würden als selbstverständlich angenommen. „Kaufbeuren war immer eine weltoffene Kommune, nur hat das Prädikat gefehlt“, so Holy. Auch der Beauftragte für eine Offene Gesellschaft, Martin Valdés-Stauber (SPD), unterstrich die Bedeutung der Teilnahme an dem Projekt: „Die Leitlinien des Modellprojekts passen hervorragend zu den langjährigen Bemühungen unserer Verwaltung sowie der Bürger unserer Stadt“. Die Strukturen und Bemühungen zu reflektieren, erscheinen ihm wichtig, „um gemeinsam neue Impulse zu erarbeiten“.

„Geradezu ideal für Kaufbeuren“

Den Antrag auf die Teilnahme am Modellprojekt hatten die Fraktionen CSU und Grüne/FDP gestellt. Vier Punkte sprächen laut den Fraktionssprechern Christian Sobl und Oliver Schill geradezu ideal dafür:

1. Kaufbeuren habe seit Jahrzehnten Offenheit bewiesen und Menschen aus aller Welt (118 Nationalitäten) ein neues Zuhause gegeben. Neubürger hätten einerseits ihre eigene Identität bewahren können, seien andererseits aber auch gut in die Gesellschaft integriert worden

2. Die Wirtschaft stehe mit Unternehmen aus der ganzen Welt in Geschäftsbeziehungen

3. Das Modellprojekt könne durch den extern begleiteten Selbstcheck nun erstmals die gute Arbeit der Stadt bestätigen

4. Ein Erkenntnisgewinn könne die Stadt in ihrem Handeln mit der Integrationsaufgabe weiterbringen.

Als sinnvoll erachten auch die Freien Wähler die Projektteilnahme, sagte Stadtrat Peter Kempf. Durch eine Status quo-Aufnahme könne die Stadt Empfehlungen für ihr künftiges Handeln erhalten.

Nicht nur die Verwaltung, sondern auch politische Entscheidungsträger übernehmen bei dem Projekt eine aktive Rolle. Sollte es erfolgreich absolviert werden, darf sich Kaufbeuren als weltoffene Kommune bezeichnen. Die Interessensbekundung musste bis zum 15. September bei der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration beziehungsweise bei der mitorganisierenden Bertelsmann Stiftung eingegangen sein. Sollte der Gesamtstadtrat die Bewerbung in seiner Sitzung am 22. September nicht unterstützen, müsste sie zurückgezogen werden. Davon ist allerdings nicht auszugehen.

von Martina Staudinger

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