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Stadt Kaufbeuren modernisiert Bestattungswesen und öffnet sich für andere Kulturen

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Von: Felix Gattinger

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Waldfriedhof Kaufbeuren 2022
Waldfriedhof Kaufbeuren: Mit der Schaffung der neuen Satzung hat die Stadt Kaufbeuren ihr Angebot an Bestattungen deutlich erweitert. © Gattinger

Kaufbeuren – „Unser Umgang mit dem Tod hat sich in der letzten Zeit massiv gewandelt“, kommentierte Stadtrat Holger Jankovsky (Grüne) bei der jüngsten Sitzung des Verwaltungs-, Finanz- und Stiftungsausschusses den einstimmigen Empfehlungsbeschluss für die neu erarbeitete Friedhofssatzung und die begleitende städtische Leichenordnung. „Wir individualisieren dadurch unser Bestattungswesen und öffnen es gleichzeitig für andere Kulturen.“ Dank zollte er dabei nicht nur den zuständigen Mitarbeitern der Verwaltung, sondern auch den fünf neuen ehrenamtlichen Friedhofspflegern, die als Bindeglied zwischen Bürgern und Verwaltung viele Entwicklungen angeregt hatten.

Das bestätigte auch Standesamtsleiter Mathias Müller in seinem Sachvortrag zur neuen Friedhofssatzung. Die Friedhofspfleger seien wesentlich an der Entstehung der beiden neuen Räume für Verabschiedungen und Umsargungen beteiligt gewesen. Das gelte auch für viele der aktuellen Neuerungen im Bestattungswesen.

Kaufbeurer Bürgern steht künftig nicht nur die Wahl des Friedhofs frei, sondern auch die Art der Bestattung. So sollen, überall dort, wo es möglich ist, Baumbestattungen von Urnen vorgenommen werden können. Alle Urnen, die begraben werden, müssen fortan biologisch abbaubar sein und daher aus Biopolymeren bestehen. Bei allen Beisetzungen in Wandgräbern müssen die Urnenkapseln aus Metall sein. Von diesen Regelungen ausgenommen sind bestehende Urnengräber. Bei Urnenbäumen und Urnenwänden ist dauerhaft abgelegter Grabschmuck wie Blumen, Töpfe und Skulpturen nicht zugelassen.

Alle Gräber können künftig auch schon zu Lebzeiten ausgesucht und erworben werden. Ferner wird es die Möglichkeit geben, sich ohne Sarg in einem Leichentuch bestatten zu lassen, was insbesondere für muslimisch gläubige Kaufbeurer von Bedeutung ist – ausgerichtet in Richtung Mekka. Übungen dafür, so Müller, seien bereits erfolgreich abgehalten worden.

Bei Grabsteinen wurde erstmals eine Mindeststärke von 14 Zentimetern festgelegt, berichtete Müller. Diese Auflage sei auf Anregung einer der Steinmetze wegen der Standsicherheit erarbeitet worden. Eine Begehung habe deutlich gemacht, dass bei einer Grabsteindicke von zehn oder zwölf Zentimetern die Auflagefläche im Verhältnis zur Masse und zum Schwerpunkt der Steine zu klein und damit instabil sei. Schon bestehende Grabsteine würden von der Neuregelung allerdings nicht betroffen sein, so Müller.

Zeitgleich mit der neuen Friedhofssatzung wurde eine Leichenordnung nach dem Vorbild der Stadt München ausgearbeitet. Sie benennt die Pflichten der Bestattungsunternehmer gegenüber ihren Auftraggebern und enthält Regeln für die Leichenversorgung und Aufbahrung sowie für die Inanspruchnahme von Leichenhaus und Leichenraum. Auch die Überführung und Übergabe der Leichen von den Bestattern an die Stadt Kaufbeuren ist darin geregelt.

Auf Müllers Sachvortrag folgte der einstimmige Empfehlungsbeschluss des Gremiums an den Stadtrat. Im Anschluss daran dankte Bürgermeister Oliver Schill (Grüne), der die Sitzung stellvertretend für Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) leitete, allen Anwesenden für die gute fraktionsübergreifende Zusammenarbeit und lobte die Arbeit der Friedhofspfleger. Diese sei „beispielhaft und ein Modell für Bürgernähe“, so Schill.

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