16 Unfallschwerpunkte sollen entschärft werden

Investitionen in die Sicherheit

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Einer von 16 erkannten Unfallschwerpunkten: Am Ring/Melchior-Elch-Straße. Hier könnte laut OB Stefan Bosse ein Kreisverkehr die verkehrliche Situation entschärfen. Bislang scheitere das Vorhaben allerdings an Grundstücksverhandlungen. Foto: Becker

Laut einer Studie werden die Kaufbeurer Autofahrer auch 2013 wieder zu den schlechtesten Autofahrern Deutschlands gehören. Eine Studie zeigt jetzt, woran es liegt. 16 Unfallschwerpunkte in Kaufbuern sollen entschärft werden – rund eine Million Euro will die Stadt investieren.

Kaufbeuren – Die schlechte Nachricht vorweg: Auch im kommenden Jahr müssen Kaufbeurens Autofahrer wieder ganz tief in die Tasche greifen und die höchste Kfz-Versicherungsprämie in ganz Deutschland bezahlen. Für Oberbürgermeister Stefan Bosse eine Geschichte, die nun ein Ende finden könnte. Ein wichtiger erster Schritt ist bereits vollzogen, nachdem eine in Auftrag gegebene Studie inklusive Untersuchung des Straßenverkehrs hinsichtlich mög- licher Unfallschwerpunkte abgeschlossen worden war und die Ergebnisse nun vorgestellt wurden. Der Stadtrat beschloss in seiner Sitzung am Dienstag dann auch gleich kurzfristige Sofortmaßnahmen. Langfristig könnten nach ersten Schätzungen etwa eine Million Euro in Baumaßnahmen investiert werden, um die Sicherheit für die Bürger zu erhöhen.

Nachdem in der Vergangenheit keine plausible Erklärung für die Unfallhäufigkeit und die hohen Schadenssummen gefunden worden war, hatte die Stadt vor einem Jahr gemeinsam mit der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Ver- sicherungswirtschaft (GDV) eine Unfallstudie in Auftrag gegeben. Das Endergebnis der rund 60.000 Euro teuren Studie (teilen sich je zur Hälfte die Stadt und der GDV) wurde jetzt durch die Firma „BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung“ durch Dr.-Ing. Reinhold Baier und Dipl.-Ing. Philipp Leu vorgestellt. Darin enthalten sind konkrete Vorschläge über kurz- und langfristige Maßnahmen zur Ver- besserung der Verkehrssicherheit.

Basierend auf den Daten der Polizei war das Unfallgeschehen der Jahre 2006 bis 2010 detailliert analysiert worden (siehe INFOKASTEN).

Junge Fahrer   Hauptverursacher

Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass der LKW- und Güterverkehr weniger, die Radfahrer aber insgesamt stärker am Unfallgeschehen beteiligt sind. Besonders auffällig ist die Tatsache, dass die Gruppe der 18- bis 21-Jährigen zu den Hauptverursachern zählt. Als sogenannte „Unfallhäufungsstellen“ sind 16 Schwerpunkte (siehe Infokasten) ermittelt worden, an denen in den letzten drei Jahren mehr als fünf Unfälle passierten. 23 Prozent aller Unfälle schlossen Personenschäden mit ein. Die Un- fallanalyse weist darauf hin, dass es an den Stellen systematische Defizite gibt, die durch bauliche oder verkehrsregelnde Maßnahmen behoben werden könnten. Als zusätzliche flankierende Maßnahmen werden in dem Gutachten sowohl Aufklärungs- kam- pagnen als auch regelmäßige Alkoholkontrollen vorgeschlagen.

Der Stadtrat zog in seiner Sitzung am Dienstag unmissverständlich die Konsequenzen aus der vorgestellten Studie und beschloss einstimmig Sofortmaßnahmen. Dazu gehören:

• Aufhebung der Nacht- und gegebenenfalls Wochenendabschaltung der Signalanlagen an folgenden Schwerpunkten:

Am Graben/Josef-Landes-Stra- ße; Sudetenstraße/Proschwitzer Straße; Josef-Landes- Straße/An der Schnelle; Füssener Straße/ Bahnhofstraße und Neugablonzer Straße/Buronstraße

• Abschaffung der sogenannten „Grünen Pfeile“ an den entsprechenden sechs Ampeln. Diese Neuregelung soll mit einer Optimierungen und verkehrsabhängigen Steuerung an den Ampelanlagen verbunden werden.

• Die Verwaltung wurde außerdem beauftragt, weitere konkrete, kurz- und langfristige Verbesserungen für die Verkehrssicherheit zu erarbeiten. Dazu könnten die Installation von Ampelanlagen oder auch der Bau von kleinen Kreisverkehren gehören. Für diesen Zweck sollen Mittel in ein eigenes „Verkehrssicherheitsprogramm“ eingestellt werden.

Direkte Verbesserung

Nach Auffassung der Studienersteller kann mit der Bearbeitung der Unfallhäufungsstellen auf die Entstehung jedes vierten Personenschadens positiv eingewirkt und ein direkter Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssicherheit geleistet werden. Für niedrigere Versicherungsprämien hän- ge es allerdings nicht zuletzt davon ab, ob die Kaufbeurer auch außerhalb des Stadtgebiets unfallfrei fahren. Siegfried Brockmann vom GDV schätzt allerdings, dass eine Verbesserung von ein bis zwei Klassen möglich sei. Drüber hinaus gab er zu bedenken, dass „die Unfallopfer jede Mühe wert“ seien. Auch OB Bosse kündigte an, „in diesem Zusammenhang nicht locker lassen“ zu wollen. Wolfgang Becker


Die Unfallschwerpunkte


Eckdaten der Untersuchung 2006 bis 2010

4.795 Unfälle

11 Tote

177 Schwerverletzte

951 Leichtverletzte

Sachschäden im Durchschnitt 2.000 Euro

Personenschäden im sechsstelligen Bereich


Unfallhäufungsstellen von 2008 bis 2010 nach Rang:

1. Neuer Markt/Bürgerstraße

2. Am Graben/Josef-Landers-Straße.

3. Mindelheimer Straße/Türkheimer Straße

4. Bürgerstraße/Grünwalder Straße

5. Verteilerkreisverkehr Sudetenstraße/B12

6 Sudetenstraße/Proschwitzer Straße

7. Mindelheimer Straße/ Kemptener Tor

8. Füssener Straße/Schelmenhofstraße

9. Josef-Landes-Straße/An der Schnelle

10. Kemptener Tor/Schmiedgasse

11. Am Graben (zw. Forettle und Gutenbergstraße)

12. Sudetenstraße/Neugablonzer Straße

13. Füssenerstraße/Bahnhofstraße

14. Am Ring/Melchior-Elch-Straße

15. Neugablonzer Straße/Buronstraße

16. Gutenbergstraße/Johann-Haag-Straße


Stimmen aus dem Rathaus


• Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU):

„Wenn die Spange im Norden von Kaufbeuren fertig wäre, hätten wir eine wesentliche Entlastung in der Stadt.“


• Catrin Riedl (SPD)

„Was-wäre-wenn-Denken bringt uns nicht weiter. Das Gutachten sollte umgesetzt werden.“


• Katharina Wiedemann (FW):

„Wenn wir diese Schwerpunkte jetzt erkannt haben, müssen wir in den sauren Apfel beißen und Geld investieren.“


• Hans Häußer (KI):

„Wir sollten die Ampelanlagen überprüfen und dabei auch ein Auge auf die Seitenstraßen für eine verkehrsabhängige Steuerung haben.“


• Angelika Zajicek (FDP):

„Der grüne Pfeil ist eigentlich nur Komfort. Es gibt keine Alternative, Abschaffen und Schluss damit.“

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