Noch keine Entscheidung über weitere konkrete Entwicklung

Stadt will früheres Färberhaus kaufen

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Zukunft noch offen: Was mit dem früheren Färberhaus geschehen soll, ist derzeit noch nicht entschieden.

Kaufbeuren – Die Stadt möchte einen ehemaligen Treffpunkt vieler Kaufbeurer erwerben: das Haus mit der Nummer 6 an der Johannes-Haag-Straße. Hier befand sich viele Jahre eine Gaststätte, deren Name sich im Laufe der Zeit änderte.

Die Lokalität profitierte dabei auch von seiner Nähe zum unmittelbar angrenzenden Eisstadion. Sollte dieses noch nicht unter Denkmalschutz stehende ehemalige Färberhaus eventuell abgerissen werden, befürchtet der Heimatverein Kaufbeuren einen weiteren Verlust von „erheblichem historischen Interesse“, teilte dieser jüngst in einer Presseerklärung mit. 

Eine Augenweide ist das aus dem 18. Jahrhundert stammende frühere „Gasthaus Bad“ derzeit wahrlich nicht. An der Straßenseite sind Fenster zerstört und ehemaliges Inventar wurde vor dem Haus abgelagert. Mittlerweile ist ein Bauzaun errichtet und ein Container steht offensichtlich zur Aufnahme von Müll oder Schutt bereit. 

Allerdings ist derzeit nach offiziellen Aussagen die Stadt nicht Inhaber des Gebäudes. „Die Stadt ist noch nicht Eigentümer dieser Liegenschaft“, so Baureferent Helge Carl in einer Stellungnahme gegenüber dem Kreisboten. Und über konkrete Entwicklungsabsichten gebe es noch keine Entscheidungen der politischen Gremien. Sollte das Gebäude allerdings erworben werden, ist laut Referatsleiter die Zustimmung des Stadtrates für einen Abriss nicht erforderlich. 

"Dichtes Ensemble" 

Der Heimatverein Kaufbeuren reklamiert, dass insbesondere die Gebäude auf beiden Seiten der Johannes-Haag-Straße ein noch „relativ dichtes Ensemble von vorindustriellen Gewerbebauten bilden“. Neben Gebäuden aus Zeiten der Kattunmanufaktur im 18. Jahrhundert zeige das „Gasthaus Bad“ zusammen mit weiteren Häusern die typische Architektur der Färberhäuser. Das sogenannte „Haag-Haus“ mit der Hausnummer 9 war nach Informationen des Heimatvereins sogar der Geburtsort der Zentralheizungsindustrie, die den Kaufbeurer Mechaniker Johannes Haag zum Großindustriellen aufsteigen ließ. 

Denkmalpflege eingeschaltet 

Auf Einladung des Heimatvereins und des Bürgerforums waren Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege und Mitarbeiter der örtlichen Denkmalpflege im Mai 2014 vor Ort. Sie nahmen das Areal nochmals genauer unter die Lupe. Ziel der Initiatoren ist es, das Bewusstsein von der historischen Bedeutung dieser Gebäude zu schärfen und die Denkmalliste gegebenenfalls zu komplettieren. Eine Entscheidung des Landesamtes steht allerdings noch aus. 

In seiner Stellungnahme macht der Heimatverein deutlich, dass er sehr bedauern würde, „wenn aus Unkenntnis oder mangelnder Sensibilität im Bereich der Johannes-Haag-Straße vollendete Tatsachen geschaffen werden, die die Erinnerung an die Gewerbegeschichte unserer Stadt zum Teil auslöschen würden“. „Wenn Charakteristisches dem Praktischen und dem Bequemen geopfert würde, wäre die Stadt wieder ein Stück ärmer“, so der Verein abschließend. Abrissgenehmigungen seien schnell erteilt, die Verluste wären aber endgültig. 

Wie der Leiter des Baureferats erläuterte, hat ein bloßer Antrag zur Überprüfung der Denkmaleigenschaft eines Gebäudes im rechtlichen Sinne keine hemmende Wirkung auf eine Entscheidung. von Wolfgang Becker

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