Post aus dem Rathaus

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Die Stadtverwaltung will die Kaufbeurer Bürger ab April regelmäßig mit Informationen ihres eigenen Mitteilungsblattes „Rathaus-Post“ versorgen.

Kaufbeuren – Die Stadt Kaufbeuren beabsichtigt ein eigenes Mitteilungsblatt herauszubringen. Das Projekt trägt den Namen „Rathaus-Post“ und soll viermal im Jahr erscheinen. Der Start ist für April dieses Jahres angesetzt.

Ziel ist es laut einem Konzeptpapier (liegt der Redaktion vor und ist auf den 12. Februar 2016 datiert), unter anderem auf acht Seiten den Bürgern Hintergründe aus der Verwaltung zu erklären, „um Verständnis und die Akzeptanz für die Arbeit der Stadtverwaltung zu erhöhen“. 

Mit der „Rathaus-Post“ will die Stadtverwaltung die Bürger regelmäßig über Neuigkeiten und Themen aus der Stadtverwaltung und den kommunalen Betrieben informieren. Vor allem sollen auch Themen berücksichtigt werden, für die in der Presse „kein oder nur wenig Platz ist“. Hintergrund sei vor allem, „Transparenz für die Bürger zu schaffen“, beispielsweise warum eine Maßnahme auch mal etwas länger dauert. 

Auch die Gestaltung soll „modern und lebendig“ sein und „Lust auf die Lektüre“ machen. Gegebenenfalls könne zu einem späteren Zeitpunkt auch ein E-Mail-Newsletter die ganze Sache abrunden. Zielgruppe seien neben den Bürgern auch Unternehmen, der Einzelhandel, mögliche Investoren, Kulturschaffende, Vereine sowie kirchliche und soziale Organisationen. 

Darüber hinaus seien auch Sonderseiten zu speziellen Aktionen oder Jubiläen geplant. So unter anderem zum 70-jährigen Jubiläum von Neugablonz. Diese Sonderseiten sollen aus dem Fond fürs Quartiersmanagement finanziert werden. 

Wie viel das Projekt „Rathaus-Post“ kostet, weist das Konzept-Papier nicht auf. Jedoch soll es aus eigenen Mitteln finanziert werden. Auf Anzeigen will man bewusst verzichten, um eine „uneingeschränkte Verteilung der rund 22.000 Exemplare an alle Haushalte“ zu ermöglichen. Um die Kosten zudem im Rahmen zu halten, beschränkt sich der Umfang auf acht Seiten. 

In dem Konzeptpapier wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die Inhalte auf die Arbeit der Stadtverwaltung und der kommunalen Betriebe beschränke. Nicht vorgesehen seien Äußerungen der Fraktionen im Stadtrat oder politischer Parteien, Themen aus der Vereinswelt oder den Kirchengemeinden, Informationen ohne kommunalen Bezug zur Stadtverwaltung sowie Leserbriefe. 

Den Landsbergern war es zu teuer 

Auch in der finanzstarken Großen Kreisstadt Landsberg hatte Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) 2013 versucht, ein Mitteilungsblatt zu etablieren. Hier fand der Vorschlag der Verwaltung letztlich eine knappe Mehrheit, wurde dann aber wieder gekippt, weil das Projekt schlicht zu teuer war. Darüber hinaus sah man die von OB Neuner angestoßene Postille auch kritisch. So würden die lokalen Medien aus der Pflicht entlassen, städtische Mitteilungen zu transportieren. 

Dies hätte wohl zur Folge, dass unter anderem der Kreisbote dann vermutlich stärker als bisher darauf achten würde, dass die Stadt ihr aus Steuergeldern finanziertes Blatt nicht gegenüber der freien Presse bevorzugt. Ein Umstand, den neben dem Kreisbote auch der Landsbergblog (www.landsbergblog.info) schon thematisierte. Demnach würden die Medien herausgefordert, „Blattkritik zu betreiben und insbesondere zu prüfen, ob Artikel in der städtischen Zeitung der Beschlusslage im Rat entsprechen – oder ob der Oberbürgermeister versucht, am Rat vorbei Fakten zu schaffen“. 

Ferner sei zu bedenken, dass, wer in einer Stadt, die professionelle Medien hat, einen solchen Schritt geht, ähnliche Qualität wie diese Medien bieten müsse. Dies sei eine echte Herausforderung für eine Verwaltung.

von Kai Lorenz

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