Miteinander statt nebeneinander her

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Neben Sprachunterricht, wie er hier im Rahmen des Unterrichts in der Berufsintegrationsklasse der Berufsschule Ostallgäu stattfindet, spielt auch die soziale Integration in die Gesellschaft eine zentrale Rolle.

Marktoberdorf – Der Markt­oberdorfer Stadtrat lud kürzlich alle Vereine und Institutionen in das Rathaus ein, um ihre Arbeit vorzustellen und sich ein Bild über die bestehenden und künftig geplanten Angebote zur Betreuung und Integration von Asylbewerber zu machen. Welche Angebote für Asylbewerber bestehen aktuell in Marktoberdorf? Wie finanzieren sich die entsprechenden Vereine und Institutionen? Und vor allem: Ist der aktuelle Bedarf an Bildungs-, Betreuungs- und Integrationsangeboten mit den bestehenden Einrichtungen und Programmen abgedeckt?

Diese und weitere Fragen stellen sich die Marktoberdorfer Stadtratsmitglieder bereits seit einiger Zeit. Nun lud der Stadtrat alle in Marktoberdorf ansässigen und tätigen Institutionen und Vereine ein, um sich ein Bild davon zu machen, welche Bildungs-, Betreuungs- und Integrationsangebote derzeit vor Ort für Asylbewerber bestehen und inwieweit der Bedarf an Angeboten dadurch abgedeckt werden kann.

Das Zusammentreffen der Vereine und Organisationen zeigte: Angebote für Flüchtlinge und Asylbewerber gibt es in Marktoberdorf viele. Neben ehrenamtlich tätigen Vereinen wie dem „Arbeitskreis Asyl Marktoberdorf“ mit zahlreichen ehrenamtlichen Helfern aus der katholischen, evangelischen und muslimischen Gemeinde springen, seit mehr Fördergelder vom Staat fließen, immer mehr Bildungsträger wie das Berufliche Fortbildungszentrum der bayerischen Wirtschaft (bfz) und die VHS (Volkshochschule) Marktoberdorf mit Sprach- und Integrationsprogrammen für Flüchtlinge und Asylbewerber auf den Zug auf.

 Auch die Hilfsbereitschaft der Bürger ist groß. Unzählige Helfer engagieren sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe, leiten Sprachkurse, begleiten bei Behördengängen, organisieren Termine oder schenken Gehör bei Sorgen und Problemen. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell würdigte das ehrenamtliche Engagement der Marktoberdorfer: „Es ist unvorstellbare Arbeit, die da geleistet wird“ – zeigte sich aber durchaus problembewusst: „Integration wird umso schwieriger, je größer die Zahl der zu Integrie­renden ist.“

Bei dem Termin wurde auch deutlich, dass die Ehrenamtlichen zunehmend an ihre Grenzen der körperlichen und vor allem psychischen Belastbarkeit stoßen. Gerade Integrationshilfen wie Sport- und Freizeitangebote und die praktische Alltagshilfe würden allerdings überwiegend über ehrenamtliche Angebote abgedeckt. Selah Okul, Vorsitzender des Arbeitskreises Asyl, betonte deren unschätzbaren Wert: „Ohne Deutschkurse geht es nicht, aber allein dadurch gelingt noch längst keine Integration“. Daneben seien laut Angela Isop auch die Aussichten auf Förderungen von staatlicher Seite im neuen Jahr ungewiss – viele Förderprogramme laufen zum Jahresende aus.

Während der Vorstellung der verschiedenen Einrichtungen zeigte sich ein weiteres Problem: Stadträtin Veronika Diepolder (CSU) wies auf die mangelnde Koordination und Vernetzung der Angebote hin. Es werde „unheimlich viel Gutes getan“. Dies geschehe allerdings „unglaublich unstrukturiert“. Viele der bestehenden Kurse und Integrationshilfen seien sowohl der Stadt als auch unter den Einrichtungen bislang nicht bekannt gewesen. Auch Stadtrat Thorsten Krebs (CSU) sieht in der Zusammenarbeit der bestehenden Einrichtungen „hohen Koordinationsbedarf“. Nun gelte es, die laut Hell aus dem enormen Bedarf heraus in teilweise kürzester Zeit geschaffenen Angebote zu vernetzen.

Der Marktoberdorfer Rathauschef versicherte, dass das Thema den Stadtrat weiterhin beschäftigen wird und weitere Unterstützungsmöglichkeiten von Seiten der Stadt geprüft würden. Allerdings wolle man keine übereilten Entscheidungen treffen: „Diese Informationen müssen sich erst einmal setzen. Der nächste Schritt wird dann die Frage sein, was man daraus macht“, so Hell.

von Sabrina Hartmann

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