Diepolder: "Sterben wird richtig teuer"

Grabgebühren ziehen an

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Sowohl für Erd- als auch für Urnengräber werden die Gebühren steigen. Das Bild zeigt die geschwungene Urnenwand im Markt­oberdorfer Schloßberg-Friedhof.

Marktoberdorf – Die Stadt Marktoberdorf ist für den städtischen Schloßberg-Friedhof, für den „Gottesacker“ bei der St. Magnus-Kirche in Leuterschach und für den neuen Friedhof in Geisenried zuständig. Zudem gehören ihr die Leichenhäuser in Marktoberdorf, Geisenried, Sulzschneid und Thalhofen. Nun will die Kommune den Deckungsgrad bei den Kosten für die städtischen Friedhöfe verbessern. Damit soll das jährliche Defizit, das gut 100.000 Euro ausmacht, gesenkt werden.

Gut zwei Stunden befasste sich der Finanzausschuss neulich mit der Materie. Die Fakten und Zahlen dazu lieferte Klaus Spahn; der Rechtsanwalt ist Geschäftsführer der Kanzlei Schneider & Zajontz, die ihren Sitz im mittelfränkischen Greding hat und als Gesellschaft für kommunale Entwicklung tätig ist. Die Firma hatte vor zwei Jahren von der Stadt Marktoberdorf den Auftrag erhalten, eine neue Friedhofssatzung auszuarbeiten, aber auch die Gebühren neu zu kalkulieren. Die bisherige Fassung basierte nämlich auf keiner Kalkulation der Kosten, die z.B. für jede Grab­art ganz unterschiedlich sind. Die neue Übersicht ist für den Zeitraum von 2017 bis 2020.

Das Büro Schneider & Zajntz lieferte eine detaillierte Auflistung, die es nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt und dessen Leiterin Carolin Beylschmidt zusammengestellt hatte. Auch der städtische Bauhof wurde in die Recherche einbezogen, zumal es um Kriterien wie Grabgröße, um Anteil der Grünflächen und öffentlichen Wege bis hin zum Wasserverbrauch im Leichenhaus ging.

Bisher 40 Prozent Kostendeckung

Die Empfehlung des Hauptverwaltungs- und Finanzausschusses an den Stadtrat war, bei den Grabgebühren deutlich anzuziehen. Erreicht werden soll zumindest ein Deckungsgrad von 70 Prozent. Zuletzt sind es nur 40 Prozent gewesen. Zwölf Räte waren dafür. Es gab eine Gegenstimme. Die kam von Walter Breiner (Freie Wähler).

„Wir erhöhen die Grabgebühren deutlich“, bekundete Vroni Diepolder (CSU). Die Worte bezieht sie auf Erdgräber. Sie kommentierte die Anhebung mit dem Satz: „Sterben wird richtig teuer.“ Doch Peter Fendt (Bayernpartei) stellte sogar die Frage, ob es einen Grund gebe, warum man bei den Grabgebühren nicht so viel verlange, dass die Kosten komplett abgedeckt sind.

Die Friedhofssatzung mit dem neuen Gebührenvorschlag ist wie so manch anderes Angebot der Stadt vor dem Hintergrund zu sehen, dass der städtische Haushalt konsolidiert werden soll. Darauf drängt die Kommunalaufsicht des Landratsamtes Ostallgäu. Zudem kam schon 2014 vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband der Hinweis, dass Friedhöfe kostendeckend zu führen seien.

Einigkeit bestand im Finanzausschuss bei den Bestattungsgebühren. Der Aufwand für die Leichenhäuser soll voll abgerechnet werden. Das entspricht mindestens 120 Euro, wenn ein Leichnam dort aufgebahrt wird.

Wie vielerorts geht auch in Markt­oberdorf der Trend von der Erdbestattung zur Urnenbeisetzung, was unter anderem mit dem Aufwand bei der Grabpflege begründet wird. Auch das ist in der bisherigen Friedhofssatzung noch nicht „gebührend“ berücksichtigt gewesen. Ein weiteres Argument war, dass vor allem der Schloßberg-Friedhof nicht nur als Ruhestätte für Verstorbene, sondern auch als Parkanlage zu sehen sei. So formulierte es Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. Ihm ist es freilich ein Anliegen, dass Friedhöfe bei aller Zweckmäßigkeit „ein Ort der Kultur und der Würde bleiben“.

Die Liegezeit beim Erdgrab beträgt 25 Jahre; bei Urnen sind es 15 Jahre. Wenn diese Frist auslaufe bzw. eine Verlängerung angefragt werde, sei es oftmals schwierig, Angehörige überhaupt zu erreichen, schilderte Carolin Beylschmidt vom Ordnungsamt.

Beispiele für Berechnungen

Einige Beispiele aus der Übersicht zu den Kalkulationsergebnissen: Ein Einzelgrab für bis zu zwei Sargbestattungen kostet, falls der Stadtrat die 70-prozentige Kostendeckung beschließt, künftig 1043 Euro. Bisher sind es 655 Euro. Für ein Familiengrab (bis zu vier Särge) sind es 1211 Euro (bisher 1075 Euro). Ein Einzelgrab für Verstorbene muslimischen Glaubens wird künftig 988 Euro kosten. Bisher war dafür in der Satzung noch gar keine Ziffer genannt. Bei einem Urnengrab für bis zu vier Bestattungen sind es künftig 673 Euro – bisher sind 300 Euro abgerechnet worden. Der jeweilige Betrag gilt jeweils für die ganze Liegezeit.

jj

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