Gremium unterstützt SPD-Antrag – Fester Takt oder flexible Zeiten?

Stadtbus in Marktoberdorf: Thema nimmt Fahrt auf

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Zumindest thematisch sind die Marktoberdorfer Stadträte wieder ins Thema ÖPNV und Stadtbus eingestiegen. Das Bild zeigt die Buslinie in Schongau, die seit exakt 20 Jahren besteht.

Marktoberdorf – Das Thema ÖPNV und Stadtbus nimmt in Marktoberdorf (wieder) Fahrt auf. Alle Räte stellten sich hinter den Antrag der SPD-Fraktion, die einen innerstädtischen öffentlichen Personennahverkehr in Marktoberdorf anstrebt. Gerungen wird aber um das Wie. Die Varianten sind eine feste Linie (wie in der Nachbarstadt Schongau) oder ein Flexibus, wie es ihn im Landkreis Günzburg gibt. Der wird bei Bedarf gerufen.

„Uns geht’s um einen Stadtbus“, betonte Fraktionssprecher Erich Nieberle zum Antrag der SPD. Das Auto als Statussymbol sei „schon lange überholt“; ein Fünftel der Generation Ü 50 sei bereit, den ÖPNV zu nutzen. Auch Jugendliche oder junge Erwachsene seien zum Umsteigen bereit. „Da müssen wir halt Alternativen bieten“, ergänzte Nieberle und nannte beispielhaft den Schongauer Stadtbus mit dem halbstündigen Takt.

Stefan Elmer (SPD) argumentierte: „Wir leisten uns in Markt­oberdorf vieles im freiwilligen Bereich“. Da müsse man sich schon die Frage stellen: „Was ist uns der ÖPNV wert?“ Der Stadtbus sei in den letzten Jahren „zu wenig thematisiert“ worden. Ein solches Angebot würde die Attraktivität von Marktoberdorf steigern, fügte Elmer hinzu.

In die gleiche Kerbe schlug Werner Moll (Stadtteile aktiv). Das Thema sei „zu wichtig“, als dass es mit den „Totschlagargumenten“ vom Tisch gewischt werde. Andererseits leiste man sich viel Freiwilliges in den Bereichen Sport und Kultur. Georg Martin von den Grünen bekundete. „Es wird höchste Zeit, dass wir in Marktoberdorf einen vernünftigen ÖPNV zustande bringen“. Dazu gehöre, die Stadtteile stündlich anzubinden.

Weil es an der Akzeptanz fehlte

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell erinnerte daran, dass in den Jahren 2000 bis 2004 in Markt­oberdorf bereits ein Stadtbus in Marktoberdorf mit sieben Touren am Tag betrieben wurde. Der sei aber wegen geringer Akzeptanz wieder eingestellt worden.

Seit dem Jahr 2005 gibt es in der Kernstadt den ehrenamtlich betriebenen Stadtbus. Er biete laut Hell „eine Basisversorgung für ältere Mitbürger“. Linienbussysteme seien im ländlichen Raum und in Kleinstädten gescheitert; auch in Pfronten und in Krumbach seien Ortsbuslinien eingestellt worden.

Die Stadtbuslinie in Schongau, worauf die SPD im Antrag verweist, stelle für Marktoberdorf keine Option dar, argumentierte Hell, weil man mit nur einer Linie nicht klar komme. In Schongau sind es nach Kreisbote-Informationen 42.000 verkaufte Tickets im Jahr mit etwa 65.000 Fahrgästen; benötigt wird nur ein Bus im Rundkurs, der die Altstadt und den Bahnhof mit Schongau-West verknüpft. Die Stadt schießt dort circa 60.000 bis 70.000 Euro pro Jahr zu.

Auch der probeweise neu eingeführte und von Donnerstag bis Samstag verkehrende City-Bus in Kaufbeuren erfüllte nicht die Funktion eines alltagsgerechten ÖPNV, erklärte Bürgermeister Hell. Außerdem sei ein Bus, der nur „zwischen den eigenen Kirchtürmen“ unterwegs sei, keine Lösung. Bereits ein Berufspendler zwischen Stötten und Marktoberdorf würde an der Stadtgrenze scheitern. Hells Plädoyer war ganz klar pro bedarfsgerechten und gemeindeübergreifend organisierten ÖPNV für Kernstadt und Ortsteile. Dafür würden sich neue Möglichkeiten eröffnen, zumal die Staatsregierung bedarfsorientierte Formen (Rufbus-Systeme) nun fördere.

Eduard Gapp (CSU) sprach sich wie Bürgermeister Hell für die „bedarfsorientierte Komponente“ aus. Das Modell mit festen Haltestellen sei überholt. Es sei nicht sinnvoll, „Busse fast leer durch die Gegend fahren zu lassen“. Gapp schlug vor, eine Arbeitsgruppe zum ÖPNV in Markt­oberdorf zu bilden.

Peter Däubler vom Landrats­amt, der ebenso wie Christian Lenz (zuständig für den ÖPNV im Landkreis Ostallgäu) die Debatte im Stadtrat mitverfolgte, signalisierte die Bereitschaft, dass „wir uns sehr gern einbringen“. Aufgabe des Landkreises sei beim ÖPNV, den Rahmen vorzugeben, aber auch Qualitätsstandards zu setzen.

Was Weinhart als „Quatsch“ bezeichnet

Ein ÖPNV nur bis zur Stadtgrenze sei „Quatsch“ kommentierte Dr. Andrea Weinhart von den Freien Wählern. Vroni Diepolder bezeichnete den von Nieberle vorgeschlagenen 250 Meter-Abstand zwischen den Haltestellen als „unvorstellbar“. Da bräuchte man allein in Hattenhofen drei Halte. Damit würde Marktoberdorf „zur Lachnummer in ganz Bayern“.

Roland Müller, Ortssprecher von Sulzschneid, wünschte sich zum ÖPNV Informationsveranstaltungen in den Stadtteilen, um den Bedarf in den Stadtteilen abzuklopfen. Zweiter Bürgermeister Wolfgang Hannig resümierte die intensive Diskussion mit dem Satz: „Wir sind alle einer Meinung und streiten erbittert darüber.“

jj

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