KinderKram im Buchloer Stadtrat

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Für ein friedliches und respektvolles Miteinander im Buchloer Jugendzentrums sorgen Stadtjugendpfleger Hans-Jürgen Mayer (v. li.), seine Mitarbeiterin Isabel Taubert und Lukas Linder, der ein Jahrespraktikum absolviert.

Buchloe – Sich mit „KinderKram“ zu beschäftigen, ist nicht nur ein geflügeltes Wort. Für Hans-Jürgen Mayer gehört es zum Alltag. Als Stadtjugendpfleger ist er seit fast 18 Jahren Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche. In den „jüngeren Kreisen“ gehört er zu den stadtbekannten Persönlichkeiten. Natürlich kennen ihn auch die Stadträte. Ihnen erstattet Hans-Jürgen Mayer jedes Jahr seinen Bericht.

Der fiel auch in diesem Jahr wieder positiv aus. Im Mittelpunkt der Arbeit des Stadtjugendpflegers steht das Jugendzentrum in der Justus-von-Liebig-Straße. Mayer beschreibt das Zentrum als Freizeiteinrichtung mit suchtpräventivem Charakter, das sich an den Bedürfnissen der Jugendlichen orientiere. Auf das Jahr gerechnet ist das Zentrum Anlaufpunkt für täglich 40 bis 45 Jugendliche. Das Durchschnittsalter liege bei etwa 14 Jahren, wobei die jüngsten Besucher zehn Jahre und die ältesten 20 Jahre alt sind.

Trend ist, so der Stadtjugendpfleger, dass immer mehr Kinder zwischen neun und elf Jahren ins Jugendzentrum kommen. Das liege zum Teil am Skatepark, an älteren Geschwistern oder daran, dass Eltern im Schichtdienst arbeiten würden, skizzierte Mayer. Es gebe aber auch noch einen Kreis älterer Jugendlicher im Alter zwischen 20 und 25 Jahren, die regelmäßig zu den Besuchern gehören. Das sei aber kein Problem, betonte Mayer. Jüngere lernen von den älteren, die älteren würden sich auch manchmal um die jüngeren kümmern. Nach 19 Uhr darf sich allerdings kein Kind unter zwölf Jahren mehr im Jugendzentrum aufhalten.

Der Anteil der Mädchen liege bei etwa 40 Prozent. Jugendliche mit Migrationshintergrund hätten einen etwa 60-prozentigen Anteil, sagte Mayer. Die Herkunftsländer sind die Türkei, Italien, Albanien, Kosovo, Russland oder Portugal. Aber auch Kinder und Jugendliche aus Spanien, Griechenland, Bosnien oder dem Irak seien vertreten. Der Stadtjugendpfleger wies darauf hin, dass seit 2013 auch die ersten Asylbewerber ins Jugendzentrum gekommen seien. Auf Nachfrage von Ratsmitglied Herbert Barthelmes betonte der Stadtjugendpfleger, im Hinblick auf die zu erwartenden neuen Asylbewerber im kommenden Jahr werde er und sein Team aktiv auf die Menschen zu gehen. „Wir wollen integrieren“, sagte Mayer. Dabei spiele es keine Rolle, woher die Menschen kommen. Sie sollen zur Gemeinschaft gehören.

Die Jugendlichen gehen sehr direkt, aber freundschaftlich miteinander um. Streitigkeiten seien selten, körperliche Angriffe fast nie, bilanzierte der Stadtjugendpfleger. Auch sei die Toleranz zwischen den Jugendlichen verschiedener Herkunftsländer in den letzten Jahren immer größer geworden. Ausgrenzung und Vorurteile gebe es kaum noch, sagte Mayer. „Wir verlangen von allen, soweit es geht, Deutsch zu sprechen.“ Der Stadtjugendpfleger betonte, dass es keinerlei Konflikte zwischen den Religionen gebe. Das Jugendzentrum vermittle auch hier die Grundsätze von Meinungsfreiheit, freie Glaubensausübung sowie Toleranz zwischen den Religionen.

Die Bewertung der Situation der Jugend in Buchloe sei natürlich subjektiv, betonte Hans-Jürgen Mayer. Bei den meisten Jugendlichen sei eine gewisse Zufriedenheit beim Angebot von Freizeitaktivitäten festzustellen. Unzufrieden sei man eher wegen fehlender Einkaufsmöglichkeiten, mit der Kneipenszene und einem fehlenden Kino. Mayer sieht aber auch die Schwierigkeiten, die Jugendliche bei ihrer Entwicklung haben. Trennungen oder Scheidungen der Eltern seien weiterhin ein Problem. Immer mehr Jugendliche und Kinder würden auch unter der oft finanziell schlechten Situation der Familien leiden.

Der Stadtjugendpfleger berichtete den Stadträten über die umfangreichen Kooperationen und Zusammenarbeit mit anderen Institutionen der Jugendarbeit. Hervorragend sei die Zusammenarbeit mit den Jugendsozialarbeitern der Schulen, insbesondere der Mittelschule, da von hier die meisten der Besucher des Jugendzentrums kämen. „KinderKram“ ist übrigens ein Arbeitskreis, in dem interdisziplinär Themen wie die kindliche Entwicklung, Betreuung, Beratung oder therapeutische Möglichkeiten diskutiert werden.

Besonders erfreulich ist für Hans-Jürgen Mayer, dass die Zusammenarbeit mit den Eltern und Erziehungsberechtigten deutlich zugenommen habe. Das liege zum Teil auch an den Privatfeiern im Jugendzentrum, die man in Absprache mit den Eltern zulasse. Es kämen aber auch immer wieder Eltern während des normalen Betriebs.

Probleme gebe es nach den Aussagen des Stadtjugendpflegers hin und wieder mit dem Müll. Ansonsten sei festzustellen, dass die Jugendlichen der Arbeit im Jugendzentrum große Wertschätzung entgegenbrächten. Sie würden die Angebote und Öffnungszeiten nicht für selbstverständlich betrachten, sondern auch offen Dank und Anerkennung aussprechen. Informationen gibt es unter www.jugendzentrum-buchloe.de. Auch auf Facebook ist das Jugendzentrum vertreten.

von Siegfried Spörer

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