Ein Lob in den höchsten Tönen

Stadtkapelle Marktoberdorf wird mit der Genovefa-Brenner-Medaille bedacht

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Verleihung der Genovefa-Brenner-Medaille. Von links Werner Himmer, ehemaliger Bürgermeister und früher Vorstand der Stadtkapelle, Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, Vorstand Wolfgang Friedl und Rupert Filser vom Kulturamt, der die Laudatio hielt.

Marktoberdorf – Wer den Eindruck hatte, dass die Musiker den Stadträten und Mitarbeiterin der Verwaltung gehörig den Marsch blasen würden, als sie im Rathaussaal Aufstellung nahmen, musste sich eines Besseren belehren lassen. Eine kleine Besetzung bedankte sich mit einem kurzen Ständchen vielmehr dafür, dass der Kulturpreis in Form der Genovefa-Brenner-Medaille heuer an die Stadtkapelle verliehen wurde.

Die Laudatio hielt Rupert Filser, der Leiter des Haupt- und Kulturamtes im Rathaus und selbst staatlich anerkannter Dirigent. Er hatte früher die Kapelle in Geisenried geleitet. Filser würdigte die Historie und die Verdienste des renommierten Klangkörpers in den höchsten Tönen.

Diese Auszeichnung wird nicht automatisch jedes Jahr verliehen. Doch heuer hat der Kulturausschuss beschlossen, die Genovefa-Brenner-Medaille wieder zu vergeben, die mit keinem Geldpreis verbunden ist. Aber die große, einzigartige Medaille selbst hat schon einen vierstelligen Wert.

Sie wird seit dem Jahr 1998 in unregelmäßigen Abständen verliehen und ist nach der Mutter des Komponisten Carl Maria von Weber benannt. Die Sängerin erblickte 1764 in Marktoberdorf das Licht der Welt.

Musik am Galgen

Mit der Jahreszahl 1781 stieg Rupert Filser in die Laudatio ein. Damals erhielt nach der Aufstellung eines Galgens „nur die Musik Bezahlung“, während die anderen Handwerker entrüstet abzogen. Auch bei den Sommeraufenthalten des Fürstbischofs Clemens Wenzeslaus im Oberdorfer Schloss 1793 und 1801 sind Auftritte einer Bürgerkapelle und einer „Türkischen Musik aus hiesigen Bürgersöhnen“ erwähnt.

Ein schon 1801 in der Oberdorfer Musik eingesetzter Schellenbaum ist bis heute im Stadtmuseum erhalten. Auf einem historischen Fächer, der sich im Museum Greenwich in England befindet, ist auf der Vorderseite der Markt Oberdorf mit Schloss und St. Martinskirche und auf der Rückseite eine Sommerfestszene mit einer aufspielenden Musik abgebildet. Auch auf dem bekannten Leichenzug-Bild bei der Beerdigung von Clemens Wenzeslaus im Sommer 1812 sieht man deutlich die Musik.

Ab 1850 nannte sich die Oberdorfer Kapelle „Musikgesellschaft“. Der Name wurde bis zur Stadterhebung 1953 beibehalten. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde in Marktoberdorf vom damaligen Dirigenten eine Damenkapelle gegründet. Eine Frau an der Tuba – das war ein Tabubruch und geradezu revolutionär.

Die Dirigenten

Laudator Filser rief vor allem das Wirken der Dirigenten in Erinnerung. Zuerst die musikalische Legende Remigius Reichart, Dirigent von 1918 bis 1949. In diese lange Ära fiel vor allem der jeweilige Neuaufbau der Kapelle nach den beiden schrecklichen Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts mit vielen menschlichen Verlusten.

Von Remigius Reichart übernahm ein junger, sich zum promovierten Musikwissenschaftler und Pädagogen entwickelnder Profi den Dirigentenstab: der gebürtige Oberdorfer Dr. Hermann Regner. Er war später Professor am Orff-Institut der weltberühmten Musikhochschule Mozarteum in Salzburg. Reichart forderte mehr Originalwerke für Blasorchester.

Im Jahre 1977 kam ein ehemaliger Militärmusiker nach Markt­oberdorf, wurde Dirigent der Stadtkapelle und mischte die Blasmusikszene in der Region gehörig auf: Georg Przybilla, den manche auch den „Wertach-Karajan“ nannten. Übergab 1993 die musikalische Leitung an den jungen, professionellen Dirigenten und Tubisten Maximilian Jan­netti. In seiner Wirkungszeit bis 2010 perfektionierte er die sinfonische Blasmusik mit der Stadtkapelle Marktoberdorf. Daneben war die Stadtkapelle mit Jannetti ein Aushängeschild des Bayerischen Musikbundes.

24 Jahre Vorstand

Seit 2011 hat der ehemalige Chef des Bundespolizeiorchesters München, Stefan Weber, die musikalischen Geschicke der Stadtkapelle in Händen. Der frühere Bürgermeister Werner Himmer – er spielte Flöte und Piccolo – war Stadtkapellenvorstand von 1978 bis 2002. Er war bei der Verleihung des Kulturpreises mit dabei. Der aktuelle Vorstand Wolfgang Friedl ist seit 2006 im Amt. Die Auszeichnung empfindet er als besondere Ehre für die Stadtkapelle.

Die Auszeichnung

Die Genovefa-Brenner-Medaille wurde seit 1998 schon mehrfach verliehen. Ausgezeichnet wurden damit u.a. auch das Jugendblasorchester Marktoberdorf, Monika Schubert (Kleinkunstbühne) und der bekannte Schlagzeuger Max Kinker.

jj

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