NS-Erinnerungskultur

Stadtmuseum Kaufbeuren stellt Vier-Stufen-Programm  nach Hakenkreuz-Ausstellung vor

Maria Fischer vor der Vitrine mit den Tagebüchern ihrer Cousine.
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Viele Exponate der Sonderausstellung „Kaufbeuren unterm Hakenkreuz“ waren private Leihgaben. Hier Leihgeberin Maria Fischer vor der Vitrine mit den Tagebüchern ihrer Cousine.

Kaufbeuren – Obwohl man die für kommenden Sonntag geplante Vernissage der neuen Sonderausstellung „Lieblingsstücke“ im Stadtmuseum wie so vieles andere absagen musste, ist das Team des Stadtmuseums nicht untätig: Petra Weber, Leiterin des Stadtmuseums, stellte in der Sitzung des Schul-, Kultur- und Sportausschusses am vergangenen Montag im Stadtsaal ein Vier-Stufen-Programm zur Verankerung der NS-Erinnerungskultur in Kaufbeuren vor.

Mit diesem Konzept soll vor allem sichergestellt werden, dass das Erinnern in Kaufbeuren nicht mit dem im August zu Ende gegangenen Projekt „Kaufbeuren unterm Hakenkreuz. Eine Stadt geht auf Spurensuche“ abgeschlossen ist. Da die Exponate der Sonderausstellung jedoch zum einen aus Platzgründen nicht komplett in die Dauerausstellung integriert werden können und zum anderen teilweise private Leihgaben sind, hat die Museumsverwaltung auf der Grundlage von Empfehlungen des wissenschaftlichen Beirats ein Konzept zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus im Stadtmuseum Kaufbeuren erarbeitet.

Kurzfristig kann eine ausführliche Publikation über die gezeigten Objekte, Biographien und dargestellten Zusammenhänge erstellt werden, um den Verlust der für diese Ausstellung erarbeiteten Informationen zu vermeiden.

Da aus Zeit- und Platzgründen eine Reihe von Themen in der Sonderausstellung nicht behandelt werden konnten, sollen diese Themen weiter untersucht und in bestehenden Abteilungen ergänzend präsentiert werden. Zum Beispiel sind im Stadtarchiv Kaufbeuren Unterlagen aus der NS-Zeit von der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Momm untergebracht, die bislang noch nicht wissenschaftlich bearbeitet worden sind und im Textilraum vorgestellt werden könnten. Eine Aufbereitung des Themas „Kirche in Kaufbeuren während der NS-Zeit“ wäre bei den Kreuzen und Heiligen beziehungsweise im Religionsraum denkbar.

In der dritten Stufe ist die Schaffung eines Ausstellungs-Satelliten in Form einer Schaufläche im Stadtraum angedacht, um bestehende Platzprobleme im Stadtmuseum zu kompensieren. Diese kann dauerhaft in umgestalteten Schauflächen eines leer stehenden Ladengeschäfts entstehen und im Idealfall begehbar werden. Eine andere Variante wäre eine Art gläserne Litfaßsäule. Die Ausstellungsfläche ist jederzeit für Besucher zugänglich, benötigt keine personelle Betreuung und kann gegebenenfalls bestehende oder geplante Orte der Erinnerungskultur – Stadtmuseum, Stolpersteine, Gedenkort zur NS-„Euthanasie“ im BKH – miteinander verbinden. Zusätzlich ist eine Einbindung in ein museumspädagogisches Format, zum Beispiel eine Stadt- und Museumsführung „Auf den Spuren der NS-Zeit“, wünschenswert.

Die vierte Stufe schließlich beschäftigt sich mit einer Umgestaltung der Dauerausstellung des 20. Jahrhunderts. Sie soll einen schlaglichtartigen Charakter erhalten und den Fokus auf Biographien und Objektgeschichten zur NS-Zeit legen sowie einzelne Themen durch zeitgemäßen Medieneinsatz vertiefen. Zudem soll auf weiterführende Informationen aus den ersten drei Stufen sowie weitere Orte und Angebote der Erinnerungskultur verwiesen werden.

Der Schul-, Kultur- und Sportausschuss beauftragte das Stadtmuseum Kaufbeuren mit der Umsetzung dieses Programms. Insgesamt wird dafür ein Zeitraum von etwa fünf bis sieben Jahren veranschlagt. Neben den kommunalen Haushaltsmitteln für die zusätzlich erforderlichen finanziellen und personellen Ressourcen wird das Stadtmuseum Fördermöglichkeiten für die Teilprojekte prüfen und Förderanträge stellen.

In der (hoffentlich) näheren Zukunft ist jedoch – sobald das Museum wieder öffnen darf – zunächst die neue Sonderausstellung „Lieblingsstücke“ einen Besuch wert.

Ingrid Zasche

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