Pro Unterführung

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Schüler überqueren regelmäßig den Bahnübergang am Schulzentrum. Der Stadtrat einigte sich nun in einem Grundsatzentschluss darauf, die Querung auszubauen.

Marktoberdorf – Es ist eine Kehrtwende und zugleich eine gute Nachricht: Die Mitglieder des Marktoberdorfer Stadtrates haben bei ihrer Sitzung grünes Licht für ein Bauvorhaben am Bahnübergang Schulzentrum gegeben. Mit 19:2-Stimmen fiel die Entscheidung relativ deutlich aus, anders als noch im Stadtentwicklungsausschuss. Hier gab es bei 6:6-Stimmen keine Mehrheit. Favorisiert wird dabei eine Unterführung.

Rückblickend wurde im Stadtrat nochmals die Historie aufgegriffen. Schon in den 1990er Jahren wollte man das ungesicherte Überqueren der Gleise mittels eines Zauns, später gar mithilfe von Bahnpolizei und Bundesgrenzschutz verhindern. Doch erfolglos. Auch eine Unterschriftenliste, die den Bau eines Bahnübergangs am Schulzentrum forderte, scheiterte zunächst. Immerhin erfolgte der Bau einer provisorischen Bahnquerung, die bis heute Bestand hat – allerdings seit 2007 ohne Genehmigung vonseiten der Deutschen Bahn. Daher auch die Kritik, die Werner Moll in aller Deutlichkeit an dem Vorgehen der Bahn übte: „Es ärgert mich maßlos. Noch im Jahr 2002 hatte man sich für weitere fünf Jahre auf den Übergang verständigt. Dann bittet die Stadt um eine Verlängerung. Und dann dauert es bis 2016, bis sich die Bahn wieder meldet“, sagte Moll und forderte hierfür die Unterstützung des hiesigen Bundestagsabgeordneten.

Die Bahn droht momentan mit einer sofortigen Schließung der Querungsanlage, sollte die Stadt nicht für einen gesicherten Übergang sorgen. Das sah Georg Martin (Grüne) gelassen. Für die Schüler sei es kein gravierender Umweg, betonte er. „Benachteiligt sind hier eher Spieler und Zuschauer des FC Thalhofen. Doch sie könnten am Schulzentrum parken und den kurzen Weg laufen.“ Neben der prompten Schließung des Bahnübergangs am Schulzentrum stand ein weiterer Vorschlag zur Diskussion, nämlich mit finanzieller Beteiligung von Bund und Bahn den Bahnübergang am Schulzentrum auszubauen. Dafür hätte aber eine benachbarte Bahnquerung geschlossen werden müssen, nämlich der Bahnübergang an der Zugspitzstraße. Für dieses Opfer schien der Stadtrat nicht bereit.

Ausschlaggebend war hierfür eine Zählung der Fußgänger, Rad- und Autofahrer, die beide Bahnübergänge passierten. Im Februar dieses Jahres wurden jeweils an drei Tagen morgens vor Schulbeginn und mittags nach Schulschluss die Frequentierungen bestimmt. Während es im Schnitt am Schulzentrum knapp 300 Schülerinnen und Schüler waren, nutzten den Übergang in der Zugspitzstraße in Thalhofen gut 100 Passanten. Da zu diesem Zeitpunkt der Sportbetrieb beim FC Thalhofen ruhte und auch die Zahl der Fahrradfahrer gering war, dürfte die tatsächliche Zahl noch weiter nach oben steigen.

Die große Mehrheit der Ratsmitglieder befürwortete also die Öffnung beider Übergänge. Ulrike Wieser (SPD): „Es führt kein Weg daran vorbei. Für die Thalhofener ist er notwendig. Das dürfen wir nicht unterschätzen“. Dem stimmte auch Veronika Diepolder (CSU) zu. „Da wären wir schlecht beraten, es nicht zu tun.“ Während die überwiegende Mehrheit der Ratsmitglieder eine Unterführung favorisierte, schlugen Peter Grotz und Franz Barnsteiner (beide Freie Wähler) andere Töne an. Sie befürworten dagegen eine Überquerung. „Die Bau- und auch die Folgekosten bei Instandsetzung von Aufzügen dürften hier aber wahrscheinlich teurer werden“, sagte Ralf Baur, Leiter des Bauamts. „Der Fahrstuhl kann die tägliche Masse an Schülerinnen und Schüler wohl kaum stemmen“, machte Eugen Kögel (CSU) noch deutlich.

Der Bau einer Fußgängerunterführung veranschlagt Kosten in Höhe von einer Million Euro. Hinzu kommen 500.000 Euro Ablöse an die DB. Diese Kosten hätte die Stadt ohne Unterstützung von Bund und Bahn zu stemmen. Marion Schmidt vom Bauamt betonte aber, dass die Stadt Zuschüsse der förderfähigen Baukosten von etwa 50 Prozent erwarten könne.

von Stefan Günter und Angelika Hirschberg

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