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Stadtrat gegen längere Öffnungszeiten im Hallenbad Marktoberdorf

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Von: Angelika Hirschberg

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Die Stadt kehrt nicht zu den erweiterten Hallenbad-Öffnungszeiten aus der Zeit vor der Corona-Pandemie zurück. Das liegt an steigenden Energiekosten und dem Fachkräftemangel. © Stadt Marktoberdorf

Marktoberdorf – Kein Frühschwimmen mehr, kein Saunieren bis 22 Uhr. Der Stadtrat beschloss in einer selten so knappen Abstimmung, die verkürzten Öffnungszeiten, die während der Corona-Pandemie eingeführt wurden, bis auf weiteres beizubehalten. Grund dafür ist die befürchtete Energiekrise und der anhaltende Fachkräftemangel. Gegenwind kam insbesondere aus den Reihen der Grünen und der SPD auf.

Doch zunächst erhielt Hallenbad-Betriebsleiter Gary Kögel viel Lob und Wertschätzung von den Stadträten, als er vergangenen Montag seine Bilanz der letzten zwei Jahre vorlegte. Trotz langer Schließzeiten, die halbierte Besucherzahlen und damit auch stark reduzierte Einnahmen bedingten, habe sich das Hallenbad gut gehalten. So konnte auch das jährliche Defizit mithilfe verschiedener Sparmaßnahmen von üblicherweise rund 1,2 Millionen Euro jährlich auf rund 760.000 Euro in den Jahren 2020 und 2021 reduziert werden. Auch wurden zahlreiche Sanierungsarbeiten größtenteils in Eigenleistung der Mitarbeiter erbracht und notwendige Schritte zur Digitalisierung veranlasst.

Das Marktoberdorfer Hallenbad stehe also hervorragend da, resümierte Rathauschef Dr. Wolfgang Hell. Nichtsdestotrotz brachte die Stadtverwaltung den Beschlussvorschlag ein, nicht zu den Öffnungszeiten vor der Pandemie zurückzukehren, sondern sie im Gegenteil bis auf weiteres zu reduzieren.

So soll das Hallenbad ab Juli grundsätzlich um 20 Uhr schließen. Vor der Pandemie waren Sauna und Bad teilweise bis 22 Uhr geöffnet. Doch damit ist jetzt Schluss, denn Belegungszahlen wiesen schon damals auf eine nur geringe Nutzung der abendlichen Schwimmzeiten hin. Gleiches gelte für das Frühschwimmen von 7 bis 8 Uhr, das durchschnittlich nur 16 Personen regelmäßig genutzt hätten. Zudem wies Gary Kögel auf den hohen Personaleinsatz von zwei bis drei Fachkräften während der Randzeiten hin. Mit der Beibehaltung der Corona-Öffnungszeiten erhofft sich die Stadt deshalb eine Minderung des Energieverbrauchs und einen wirtschaftlicheren Einsatz der Personalkapazitäten.

Doch die Argumentation der Verwaltung kam nicht bei allen Stadträten gut an. Mehr kreative Lösungen forderte beispielsweise Jörg Schneider (Grüne), um nicht an der Attraktivität des Hallenbads für seine Besucher zu sparen. Gemeinsam mit SPD-Rat Stefan Elmer forderte er, zumindest einen Abend in der Woche länger, also bis 21 Uhr, zu öffnen und das Frühschwimmen zumindest im Winter zu ermöglichen. Auch Dr. Anne-Dore Fritzsche (Grüne) setzte sich dafür ein, längere Öffnungszeiten, besondere Angebote für Frühschwimmer oder die Rheuma-Liga als Alleinstellungsmerkmal des Bades weiter zu betreiben.

Auf diese Einwände reagierte Bürgermeister Hell emotional und mit Unverständnis: „Wollen wir der drohenden Energie- und Klimakrise tatsächlich das Frühschwimmen voranstellen?“, fragte das Stadt­oberhaupt. Und mahnte: „Wir haben sehr kritische Zeiten vor uns, was nicht nur die Energiepreise, sondern auch die Verfügbarkeit von Energie betrifft. Gleichzeitig sehen wir in anderen Bädern laut Presseberichten die Auswirkungen der Personalverfügbarkeit.“ So musste kürzlich auch das Freibad Kaufbeuren wegen Mitarbeitermangel für einige Tage schließen. „Das wollen wir auch langfristig verhindern“, bekräftigten Kögel und Hell unisono.

Nach längerer Diskussion stimmten schließlich zehn Stadträte für, neun Räte gegen die Anpassung der Öffnungszeiten. Allerdings behält sich der Beschluss vor, die Entwicklung abzuwarten und eventuell neu zu bewerten.

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