Mit dem Rad nach Friesenried

Aus dem Stadtrat Kaufbeuren: Planungen des Geh- und Radwegs sehen Querung statt Unterführung vor

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Auf Höhe der Einmündung „Eichwald“ soll anstelle eines Tunnels ein oberirdischer Fahrbahnteiler entstehen, um die Staatsstraße 2055 sicher überqueren zu können.

Kaufbeuren/Friesenried – 20 Jahre ist es her, dass der erste Antrag auf einen Radweg zwischen Kaufbeuren und Friesenried im Kaufbeurer Stadtrat gestellt wurde. Seitdem war diese Maßnahme regelmäßig Thema in den Haushaltsberatungen des Stadtrats, wurde aber immer wieder verschoben.

Doch mit der jüngsten Entscheidung brachte das Gremium in seiner Sitzung am Dienstag einstimmig die Planungen noch für dieses Jahr auf den Weg.

Endlich Licht am Ende des Tunnels, wobei man diese Redewendung in dem Fall nicht wörtlich nehmen darf, denn eine Untertunnellung, wie im November 2019 noch beschlossen, wird es nicht geben. Wesentlicher Bestandteil der Entwurfsplanung war zu dem Zeitpunkt noch, dass ein sogenannter Wellstahlrohrdurchlass unter der Staatsstraße 2055 zwischen Kaufbeuren und Friesenried als Unterquerung dient. Da außerorts liegende Geh- und Radwege, die von Staatsstraßen begleitet werden, grundsätzlich in der Baulast des Staatlichen Bauamts liegen, leitete die Kemptener Behörde die Planungen an die Regierung von Schwaben zur Prüfung der Zuwendung gemäß der Sonderbaulast des Bundes (FAG) weiter. 

Kommunen, in diesem Fall die Stadt Kaufbeuren, haben die Möglichkeit, Geh- und Radwegverbindungen selbst herzustellen, weil sie vom Staat derzeit aus Kapazitätsgründen nicht vordringlich realisiert werden, wie Baureferent Helge Carl in der Sitzung erläuterte. Nach eingehender Prüfung der Unterlagen forderte die Regierung von Schwaben die Stadt nun auf, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit auf die Unterquerung zu verzichten. Sie soll durch eine höhengleiche Querung mit Fahrbahnteiler auf Höhe der Einmündung „Eichwald“ ersetzt werden. Obwohl er zunächst über die Änderungen überrascht war, bat Carl nun um Zustimmung zur neuen Planung. Der Baureferent verwies darauf, dass der Radweg für den Staat gebaut werde und dieser für den langfristigen Unterhalt aufkommen muss.

Ursprünglicher Beschluss 

Um Konflikte zu vermeiden, könne er dem Stadtrat nicht empfehlen, beim ursprünglichen Beschluss zu bleiben. Er betonte, dass Unterquerungen durchaus Gefahren bergen könnten, weil sie als dunkler Raum und Angstraum wahrgenommen werden können. Dies könne sich negativ auf das persönliche Sicherheitsgefühl auswirken. Auch Begegnungsunfälle in Unterführungen seien als problematisch zu werten, so Carl. Für eine höhengleiche Querung als gleichwertig im Sinne der Verkehrssicherheit sprächen mehrere Argumente. Carl listete auf, dass die ausreichende Sicht von etwa 200 Metern an der Einmündung „Eichwald“ weit über der geforderten Sichtweite von 100 Metern liege, der touristische und freizeitorientierte Rad- und Fußgängerverkehr verhältnismäßig gering ausgelastet sei und Verkehrsteilnehmer eine oberirdische Querungshilfe vermutlich besser annehmen würden als eine „umwegebehaftete Unterführung“. Zudem habe das Staatliche Bauamt Kempten seit circa zehn Jahren ausschließlich positive Erfahrungen mit baugleichen, sogar höher frequentierten Querungen der B16 im Ostallgäu. Tempo 70 und eine Beleuchtung sollen zusätzlich zum Fahrbahnteiler der Sicherheit an der Überquerung dienen.

Situation vor Ort angeschaut

An einem von Stadträtin Catrin Riedl (SPD) angeregten Ortstermin haben Ende Mai Mitglieder des Bauausschusses, des Staatlichen Bauamts, der Polizeiinspektion Kaufbeuren und der Gemeinde Friesenried zusammen mit den Ingenieurbüro Mooser und dem Kaufbeurer Baureferat teilgenommen. Dabei wurde diskutiert ob die regelkonforme Breite der Querungshilfe von zweieinhalb Metern auf dreieinhalb Meter erweitert werden soll, um Radfahrern mit Anhängern mehr Sicherheit zu verschaffen. Dies verschlinge zusätzliche Kosten von etwa 20.000 Euro, erläuterte der Baureferatsleiter.

In der Sitzung war diese Überlegung schnell vom Tisch, da eine solche Investition nur einer kleinen Nutzergruppe dienen würde. Das Geld solle lieber an anderer Stelle in der Stadt sinnvoll für Radfahrer eingesetzt werden, räumte auch Riedl ein, wenn auch „mit größten Bauchschmerzen“. Ulrike Seifert (Grüne) und Julia Bosse (Generation KF) sahen ebenfalls keine Notwendigkeit der Verbeiterung. Riedl ließ den geringem Rad- und Fußverkehr aber nicht als Argument gelten, das sei schließlich nur der Ist-Zustand. Sie geht davon aus, dass er zunehmen wird.

Für Frauen „immer furchtbar“

Ernst Holy (KI) wollte die Unterführungsvariante verwirklicht sehen, denn die Argumente in den vergangenen Jahren seien immer gewesen, „dass es ohne Tunnel keinen Sinn macht“. Er hielt die Querung für „äußert bedenklich“, Sicherheit habe Vorrang vor Wirtschaftlichkeit. Seinem diesbezüglichen Antrag stimmte außer ihm jedoch nur Alexander Uhrle (KI) zu. Christian Sobl (CSU) kam in diesem Zusammenhang wieder zurück auf die Gefahren, die ein Tunnel berge. Wichtig sei jetzt, nach der langen Planungsphase bald zu bauen. Auch Seifert war der Meinung, dass eine oberirdische Querung ausreiche, zumal ein Tunnel besonders für Frauen „immer furchtbar“ sei.

Darüber, dass nach 20 Jahren nun ein „wunder Punkt geschlossen“ werde, nachdem man so oft vertröstet worden war, freute sich Bernhard Pohl (Freie Wähler). Mit dem Beschluss setze der Stadtrat endlich ein Signal.

Von den 470.000 Euro, die die Stadt zunächst in die Baumaßnahme investieren muss, erhält sie laut Carl Kostenerstattungen und Zuschüsse, darunter eine FAG-Förderung von 208.000 Euro, 100.000 Euro vom Staatlichen Bauamt und 27.500 Euro, mit denen sich Friesenried beteiligt.

Martina Staudinger

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