Neues Eisstadion soll 3500 Zuschauer fassen – Kämmerer mahnt zur Sparsamkeit

Noch zwei Standorte im Rennen

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So könnte die Anordnung der Trainingsstätten sowie der neuen Eishalle an der B16 „Untere Au“ sein. Die dafür nötigen Parkplätze würden entlang der B16 entstehen.

Kaufbeuren – Es war eine Mammutsitzung am vergangenen Dienstag. Ganze sechs Stunden befasste sich der Kaufbeurer Stadtrat mit dem Thema „Neubau Eisstadion“.

Auch wenn noch kein endgültiger Beschluss für den Bau gefasst wurde, werden die Planungen für ein neues Eisstadion in Kaufbeuren jetzt eifrig vorangetrieben. Zwei mögliche Standorte stehen noch zur Auswahl. Stadtkämmerer Markus Pferner machte auf der jüngsten Stadtratssitzung jedoch deutlich, dass der finanzielle Spielraum für solch ein etwa 20 Millionen Euro teures Projekt eng sei und die Kosten den städtischen Haushalt an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit und Darstellung bringen würden. 

Ungeachtet der finanziellen Belastung des Haushaltes wurde in der Sitzung deutlich, dass sich die Stadträte für ein neues Eisstadion aussprechen. Wo dies allerdings errichtet werden soll, darüber scheiden sich aktuell noch die Geister. Zur Auswahl stehen nach der Sitzung nur noch zwei Standorte: die „Untere Au“ an der Bundesstraße 16 und die jetzigen Trainingsplätze der Spielvereinigung Kaufbeuren neben dem Parkstadion. Standorte wie etwa Berliner Platz (derzeitiger Standort), Johannes-Haag-Straße (ehemalige Kunstanstalten) oder auch das Fliegerhorstgelände (Teilfläche Hohe Buchleuthe) schieden bei der Betrachtung aus unterschiedlichen Gründen aus. 

Lediglich Richard Drexl von den Freien Wählern stellte den Antrag, den Fliegerhorst „planerisch mitlaufen“ zu lassen. Denn nur hierfür seien letztlich Mittel aus Konversionsmaßnahmen zu erwarten. Laut OB Stefan Bosse sei dies problematisch, da man zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen könne, ob und wann der Abzug der Truppen erfolge. „Wir müssen ab Ende Juli mit Volldampf planen, auf einem Grundstück, das uns gehört“. Auch Wirtschaftsreferent Siegfried Knaak gab zu bedenken, dass die Stadt damit die fliegerische Nutzung des Geländes oder eine andere Nachnutzungen gefährden könnte. Sowohl CSU als auch KI sprachen sich für den Standort am Parkstadion aus, da die Kosten hierfür am geringsten seien und die Nähe zum Bahnhof und der Innenstadt bestehe. „Wer die Belebung der Innenstadt fordert, kann nicht ernsthaft wollen, dass das Stadion an den Stadtrand verlegt wird“, erklärte hierzu CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Thomas Jahn. Er forderte einen „gesunden Mittelweg“ der nicht übergebührend den Haushalt belaste und die Zukunft des ESVK sichere. Über die Zukunft dieses Geländes stimmen aber die Kaufbeurer beim Bürgerentscheid am 27. Juli ab. Sollte sich eine Mehrheit dafür aussprechen, dass dort ein neues Stadtviertel mit dem Schwerpunkt „Wohnen und Arbeiten“ entsteht, wäre laut Verwaltung der Neubau eines Eisstadions beim Parkstadion zunächst nicht zulässig. Deshalb könne erst nach dem Bürgerentscheid endgültig über ein neues Stadion und dessen Standort befunden werden. Die Freien Wähler hingegen favorisieren nach wie vor das Areal „Untere Au“ an der B16. Hier plant die Stadt, wie berichtet, ein Gewerbegebiet zu verwirklichen, für das es bereits zahlreiche Interessenten gibt. Laut Baureferent Helge Carl spreche eigentlich „grundsätzlich nichts“ gegen diesen Standort. Jedoch gab er zu bedenken, dass die Nähe zur Innenstadt fehle, die Erreichbarkeit durch den ÖPNV nicht „optimal“ sei und die dort zu errichtenden Parkplätze (800-1000) entlang der B16 allein mit rund 2,5 Millionen Euro finanziell deutlich ins Gewicht fallen würden. Stadtrat Bernhard Pohl (FW) hob in diesem Zusammenhang noch einmal hervor, dass das Bürgerbegehren nicht das Eisstadion verhindere, sondern mit dem Standort „Untere Au“ eine Alternative bestünde. Dieses hätte nämlich, so Pohls Argumentation, OB Bosse in jüngster Zeit immer wieder behauptet. 

Wer soll das bezahlen? 

Die finanziellen Rahmenbedingungen stellte Stadtkämmerer Pferner vor. Gleich zu Beginn machte er deutlich, dass dieses Projekt den Haushalt an seine Belastungsgrenze bringen werde. Pferner verwies zudem auf eine Vielzahl von Abhängigkeiten, „die nicht zuverlässig prognostiziert werden können“. Dies umfasse zum Beispiel die Entwicklung der Betriebsverlust im Kommunalunternehmen Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, die Steuereinnahmen oder auch Schlüsselzuweisungen. „Es ist bei der Höhe der Folgekosten davon auszugehen, dass diese unter den gegebenen Umständen negative Auswirkungen auf die Sicherung der dauernden Leistungsfähigkeit und die Sicherung der stetigen Aufgabenerfüllung der Stadt Kaufbeuren haben werden“, betonte Pferner. Dabei dürfe nicht verkannt werden, dass bereits die Folgekosten der günstigeren Standortwahl und der günstigeren Bauausführung den städtischen Haushalt in einem ungewöhnlichen Maß belasten, so der Kämmerer. Darüber hinaus erklärte Bosse, dass aus München nun doch nicht die „große“ finanzielle Spritze zu erwarten sei, wenngleich er betonte, dass diesbezüglich Ministerpräsident Horst Seehofer nichts versprochen habe. 

Pferner bezifferte die Folgekosten für das neue Eisstadion anfangs jährlich auf rund 1,5 Millionen Euro, später könnte sich der Betrag noch erhöhen. Die benötigen rund 20 Millionen Euro müssten zudem komplett finanziert werden. Darüber hinaus rief er zur Sparsamkeit bei diesem Projekt auf. Mit Blick auf den teureren (21,85 Millionen Euro) Standort „Untere Au“ betonte Pferner, dass jede zusätzliche Nettoneuverschuldung die Genehmigungsfähigkeit des Haushaltes gefährde. „Aktuell haben wir vier Millionen Euro Neuverschuldung im Haushalt genehmigt, allerdings bereits unter Auflagen“, so Pferner. „Wenn wir bauen, müssen wir uns im Klaren sein, dass andere Investitionen möglicherweise geschoben werden müssen“, so der Kämmerer weiter. Für die Vereine gibt er jedoch Entwarnung. So mache es keinen Sinn deshalb freiwillige Leistungen zu kürzen, da diese Maßnahme in der Summe unterm Strich zu wenig Entlastung bringen würde. 

Sitzung am 29. Juli 

Am 29. Juli findet nun die nächste Sondersitzung zum Eisstadion statt. An diesem Abend soll unter anderem geklärt werden, ob der Stadtrat allein über das Vorhaben „neues Eisstadion“ abstimmt oder ob auch hierzu die Kaufbeurer Bürger in einem weiteren Bürgerentscheid befragt werden. Unabhängig davon wurde die Verwaltung beauftragt, die nötige Projektsteuerungsleistungen für den Neubau auszuschreiben. Zudem bereitet sie dafür die Gründung eines Kommunalunternehmens oder einer GmbH vor. Wie Stadtkämmerer Pferner berichtete, wurden im aktuellen Haushalt einen halbe Million Euro für das Projekt Eisstadion bereitgestellt. Das Geld stammt vom vierten Bauabschnitt des Neuen Marktes in Neugablonz, der heuer nicht verwirklicht wird. Ferner beschloss das Gremium die Zuschauerkapazität für das neue Eisstadion auf maximal 3500 zu beschränken. Auch eine Generalsanierung der alten Eishalle wurde nun endgültig vom Tisch gewischt. Der Stadtrat nahm zudem einstimmig zur Kenntnis, dass die Gesamtkosten der Neubaumaßnahme mit Preisbasis von 2014 je nach endgültigem Standort zwischen 19,5 und 21,9 Millionen Euro plus/minus 20 Prozent betragen werde. von Kai Lorenz

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