Weniger Bürokratie

Stadtrat Marktoberdorf beschließt neues Meldewesen und einheitliche Wegweiser

Schilder in Marktoberdorf
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Derzeit weisen den Wanderern noch verschiedene Generationen von Schildern den Weg. Doch bald wird der Schilderwald überregional vereinheitlicht.

Marktoberdorf – Die Touristen, besonders Wanderurlauber, kommen gerne ins Allgäu. Da die Übernachtungs- und Besucherzahlen in Marktoberdorf jährlich steigen, befasste sich der Stadtrat der Kreisstadt zum einen mit einem neuen, digitalen Meldewesen sowie einer Beitragspflicht für Touristen und Zweitwohnungsbesitzern. Zum anderen soll zukünftig ein kleineres, jedoch besser durchdachtes Wanderwege- und Radtourennetz mit einer neuer, einheitlicher Beschilderung Bewegungsbegeisterten die Richtung weisen.

Die Tourismusbranche in Marktoberdorf verzeichnet weiterhin Zuwächse. Mehr Touristen und mehr Übernachtungen bringen aber auch mehr Verwaltungsaufwand in die Stadt. Daher sollen von nun an die Daten der Touristen nicht mehr durch einen Meldezettel im Hotel, sondern gleich bei der Buchung digital erfasst werden. Philipp Heidrich vom Stadtmarketing Marktoberdorf erwartet dadurch eine deutliche Reduktion des Arbeitsaufwandes, sowohl im Gastgewerbe, als auch bei der Kommune und den statistischen Stellen. Das digitale System könnte laut Heidrich der Stadt auch die Bewirtschaftung von Wohnmobilstellplätzen ohne großen Aufwand ermöglichen. Die Stadt sehe darin künftig eine gute Einnahmequelle, erklärte der Stadtmanager, denn, in den letzten Jahren sei das Wohnmobilaufkommen in der Stadt wie in der Region sprunghaft angestiegen. Ferner soll das neue Meldewesen mit Bonusprogrammen für Gäste, wie zum Beispiel „allgäumobil“ kompatibel sein. Dieses Bonusprogramm, das Touristen freie Fahrten mit Bus und Bahn ermöglicht, werde man in das System aufnehmen, kündigte Heidrich an. Denkbar seien aber auch Kombinationen mit anderen Vergünstigungen, wie zum Beispiel Gästekarten oder einer digitalen Gästemappe, in der auf Restaurantangebote und Veranstaltungen hingewiesen wird.

Beitragspflicht für Touristen

Mehr Gäste und Urlauber bringen aber nicht nur mehr Verwaltungsaufwand. Auch die öffentliche Infrastruktur wie Bäder, öffentliche Wege, Straßen und Parkbänke werden stärker beansprucht und abgenutzt. In einem sogenannten Empfehlungsbeschluss sprach sich der Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Tourismus und Umwelt daher für einen künftigen Kurbeitrag für Touristen aus. Dieser soll dann im Stadtrat ausgearbeitet und diskutiert werden. Vorgesehen ist hierbei eine Beitragspflicht für Touristen, Camper und Wohnmobilbesitzer ab einem Alter von sechs Jahren. Auch Zweitwohnungsbesitzer sollen künftig solch einen Kurbeitrag zahlen. Wie das überprüft und genau abgerechnet werden kann, ist derzeit noch nicht klar. Von der Beitragspflicht ausgenommen sein sollen Geschäftstouristen wie Montagearbeiter, Familienbesucher und Personen, die sich zu Bildungszwecken in der Gemeinde aufhalten, wie zum Beispiel die Mitglieder der Bayerischen Musikakademie.

Über die genaue Höhe des Beitrags wird in Zukunft noch diskutiert werden. In jedem Fall will man sich an der Höhe der bereits existierenden Kurbeiträge in den umliegenden Gemeinden orientieren. Diese fallen jedoch unterschiedlich aus: In Füssen liegt der Beitrag beispielsweise bei 2,20 Euro, in Roßhaupten bei 1,15 Euro, in Nesselwang bei 2,10 Euro und in Halblech bei 1,10 Euro. Da der Kurbeitrag in das digitale Meldewesen eingebettet werden soll, werde es keine zusätzlichen Verwaltungskosten geben, erklärte Heidrich auf Anfrage des 3. Bürgermeisters Michael Eichinger. Denn, das betonte der Leiter des Stadtmarketings: „Es geht um Bürokratieabbau“. Kleinere Betriebe, wie Pensionen und Privatvermieter, denen das digitale Meldewesen Probleme bereite, könnten nach wie vor den gewohnten Meldezettel bei der Stadt abgeben.

Der Empfehlungsbeschluss, der sowohl das digitale Meldewesen, als auch den Kurbeitrag beinhaltete, wurde von den Stadtratsmitgliedern einstimmig angenommen.

Abgespecktes Wanderwegenetz

Gemäß einem Beschluss aus dem Jahr 2018 war das Planungsbüro „topplan“ mit der Erstellung eines neuen Beschilderungskonzepts beauftragt worden, das der Geschäftsführer der Firma Andreas Ampßler in einer öffentlichen Stadtratssitzung am vergangenen Montag vorstellte. Das Konzept sieht nicht nur neue Schilder vor, sondern auch strukturelle Veränderungen. Konkret geht es dabei um eine Verkleinerung des beschilderten Wanderwegenetzes von aktuell rund 160 Kilometern auf circa 115 Kilometer, sowie um eine Reduzierung der beschilderten Rundtouren von 18 auf 14. Ziel dieser Verschlankung soll ein kleineres aber besser durchdachtes und deutlicher beschildertes Wegenetz sein. Die teilweise maroden alten Schilder sollen durch neue ersetzt werden, die vom Layout her vereinheitlicht sind, und somit dem Erscheinungsbild der anderen Wegweiser in der Region inklusive aller Landkreise und aller kreisfreien Städte entsprechen. Auch dieses Konzept sieht eine digitale Datenbank vor, in der jedes einzelne Schild kartographisch eingepflegt und identifizierbar ist. Dies habe laut Ampßler den Vorteil, dass gegebenenfalls das Auswechseln der Schilder schneller und weniger aufwendig erfolgen könne. Der Beauftragte für Tourismus und Stadtmarketing Heidrich stand hinter der Maßnahme und unterfütterte das Vorhaben mit aktuellen Zahlen aus der Tourismusstatistik, der zufolge vergangenes Jahr insgesamt 17 Millionen Menschen in Deutschland Wanderurlaub gemacht hatten. Bei Befragungen dieser Zielgruppe, so Heidrich, habe sich herausgestellt, dass das Bewertungskriterium „Beschilderung“ immerhin an zweiter Stelle stehe. 80 Prozent der Wanderer, fuhr Heidrich fort, wünschten sich auch in Zeiten der Ortung durch GPS weiterhin real existierende Schilder und Markierungen. Die Kosten für die Schilder und deren Rohrpfosten wurden mit 17.000 Euro angesetzt. Anbringung und Aufstellung der Schilder werden nach Aufwand abgerechnet.

Felix Gattinger

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