Da scheiden sich die Geister

Stadtrat Marktoberdorf: „Betriebswirtschaftlich verständlich“ versus „Ramsch“

MOD-City-Center wird ein TEDi-Markt
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Ins ehemalige MOD-City-Center wird ein TEDi-Markt einziehen. Das sorgte im Stadtrat für Unstimmigkeiten.

Marktoberdorf – Es war eine kurze öffentliche Runde, in welcher der Stadtrat vergangenen Montag über die nächsten Schritte in mehreren Bauvorhaben meist einstimmig entschied. Ein fast schon hitziger Austausch ergab sich jedoch anlässlich der Genehmigung einer Fassadenänderung, die eigentlich ein Selbstläufer im Sinne des Baurechts hätte sein sollen. Doch an dem Filialwechsel im Oberdorfer Forum schieden sich die Geister.

Carl Singer (Freie Wähler) sprach von „Diskriminierung“, Jörg Schneider (Die Grünen) von „Ramsch-Laden“ und Christian Vavra warnte vor einer unnötigen Eskalation. Dabei hatte alles ganz harmlos begonnen. Die Tagesordnung sah die Genehmigung einer Nutzungs- und Fassadenanpassung des ehemaligen MOD-City-Center vor. Denn dort wird künftig anstelle des Feneberg-Ladens ein so genannter TEDi-Markt einziehen. Nach langer Zeit des Leerstands hatte der Eigentümer sich für den Filialisten rund um preiswerte Deko-, Drogerie- und Spielwarenartikel als Mieter entschieden.

Nicht gern gesehen

Er könne eine solche Wahl nicht gutheißen, sagte Grünen-Stadtrat Jörg Schneider. „Ein TEDi-Markt führt sicher nicht zur Aufwertung der Innenstadt,“ so der Grünen-Stadtrat, der in diesem Zusammenhang auch das Wort „Ramsch“ fallen ließ. Und Schneider forderte die Stadt auf, bei der Innenstadtentwicklung künftig auf mehr Qualität zu achten. Woraufhin Philipp Heidrich, Leiter der Abteilung Stadtmarketing, den Ball aufnahm und von den Bemühungen berichtete, die Stadt und Eigentümer in die attraktive Belegung des Oberdorfer Forums gesteckt hatten. Vom ersten Augenblick an habe er den Eigentümer intensiv auf der Suche nach einem der gängigen Filialisten begleitet. Er habe sich die Ohren heiß telefoniert, bescheinigte Wolfgang Hannig, zweiter Bürgermeister, seinem Büro-Kollegen vom Stadtmarketing. Doch Corona vereitelte viele Anstrengungen: „Kaum ein Einzelhandel-Unternehmen wagte im Lockdown die Investition“, sagte Heidrich. TEDi sei „übrig geblieben“ und der Eigentümer habe – aus betriebswirtschaftlicher Sicht durchaus verständlich – einer Vermietung zugestimmt.

Nachfrage und Käufer

Doch die Grünen goutierten diese Erklärung nicht. Sie stimmten gegen die Anpassungs-Anträge und zeigten so ihr Missfallen an der Wahl des künftigen Filialisten. „Das sei Diskriminierung“, warf daraufhin Carl Singer in die Diskussion ein. „Solange der TEDi-Markt seine Miete zahlt, und das wird er sicherlich, gibt es Nachfrage und Käufer in Marktoberdorf.“ Das Wort von der Diskriminierung ging wiederum Christian Vavra (Die Grünen) zu weit, der vielmehr die Stadtverwaltung aufforderte, mehr für die Attraktivität der Innenstadt zu tun.

Der Beschluss fiel mit 19:4 Stimmen ohnehin für eine Genehmigung der Nutzungsänderungen aus. Im Grunde sei dies auch einerlei, erklärte Bauamtsleiter Ralf Baur. „Baurechtlich genehmigt werden muss, was nicht abgelehnt werden kann,“ sagte er. Schlussendlich würde das Landratsamt als übergeordnete Behörde die nötige Genehmigung erteilen.

Angelika Hirschberg

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