Klinik Marktoberdorf: Stadtrat stimmt für das Nachnutzungskonzept des Landrats

Kritisch bis konstruktiv wohlwollend

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Auch bei den Bürgern stieß da Konzept des Landrates „Leben und Wohnen für Jung und Alt“ auf großes Interesse.

Marktoberdorf – Man habe jetzt einen relativ konkreten Zwischenstand bezüglich einer möglichen Nachnutzung des Krankenhauses, erklärte Landrat Johann Fleschhut den Stadträten anlässlich seiner Präsentation des Konzeptes „Leben und Wohnen für Jung und Alt“.

Außerplanmäßig war der Stadtrat am Montag zu einer Sitzung zusammengekommen, um über das von Fleschhut entwickelte Konzept als Basis für das weitere Vorgehen abzustimmen. Während die Ideen des Landrates von Freien Wählern, SPD und Grünen überwiegend positiv bewertet wurden, gab es von Seiten der CSU und der Bayernpartei eine Reihe sehr kritischer Anmerkungen. Der Aufforderung von Bürgermeister Werner Himmer, „ein Signal zu setzen“, schloss sich der Stadtrat trotzdem an und billigte das Konzept schließlich mit sechs Gegenstimmen. 

Vor zwei Wochen schon war das Konzept durch Fleschhut, der sowohl als Landrat, als auch als Verwaltungsratsvorsitzender des Kommunalunternehmens (KU) handelt, den Fraktionsführern (außer Bayernpartei) im Landratsamt vorgestellt worden (wir berichteten). Am Montag forderte er den Stadtrat auf, darüber abzustimmen, ob das Konzept mitgetragen werde, um die Weichen für das weitere Vorgehen zu stellen. Nach wie vor ist dabei der Kern seines Planes die Folgerungen aus der demographischen Entwicklung umzusetzen – und das sowohl mit Blick auf die zunehmende Zahl von Senioren, als auch im Hinblick auf die Jungen (Familien) und sozial Schwächere, denen durch bezahlbaren Wohnraum ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort geboten werden soll. In diesem Gesamtkontext sei es einfacher, so Fleschhut, die bisher erfolglose Suche nach Investoren für die angestrebte medizinische Nachnutzung des Krankenhauses mit neuen Anstrengungen doch noch zum Erfolg zu führen. 

Das Kernproblem Bettenhaus 

Diese Chance bewertete Eduard Gapp (CSU) eher pessimistisch und fragte, ob denn bisher nicht intensiv genug nach einem Nachnutzer gesucht worden sei. Das Kernproblem für seine Fraktion sei das Bettenhaus, das natürlich in keiner Weise in Konkurrenz zum KU betrieben werden dürfe. Der Alternative „Reha“ messe er jedoch wenig Chancen ein, da das Angebot in diesem Bereich ausreichend sei. Gapp wies auch darauf hin, dass der Konzeptbestandteil „Barrierefreies Wohnen“ überall in der Stadt, besonders aber zentrumsnah, möglich sei. Möglicherweise schrecke aber auch der hohe Quadratmeterpreis die Investoren ab, in jedem Falle aber sei es unter diesen Umständen nicht möglich einen Generalunternehmer zu finden, der hier „erschwingliches Wohnen“ realisiert. Es sei auch unklar wie die Stadt sich an diesem Projekt beteiligen solle, argumentierte Gapp weiter und er lehne es ab, dass die Stadt die Rolle des Zahlmeisters für die Nachnutzung übernehme. An die Adresse von Peter Fendt (BP) gerichtet, erklärte Gapp, dass es kein Krankenhaus mehr geben werde, denn die Betten seien endgültig aus dem so genannten Bettenplan gestrichen worden. Fendt hatte vorher erklärt, seine Fraktion werde dem Konzept auch deshalb nicht zustimmen, da er, falls er Bürgermeister wird, alles tun werde, um das Krankenhaus zu reaktivieren. Sollte dies nicht gelingen, müsse das Krankenhaus abgebrochen werden – hier sehe er auf keinen Fall die Stadt, sondern das KU in der Pflicht. 

Nur mit ÖPNV-Anbindung 

Fleschhuts Konzept sei bei allen Fraktionsvorsitzenden auf ein positives Echo gestoßen, erklärte Klara Knestel (Grüne), dabei müsse allerdings das geschlossene Krankenhaus Teil des Nachnutzungskonzeptes werden. Wichtig sei auch, dass die schon seit langem bestehende Forderung nach einem behindertengerechten ÖPNV realisiert werde, auch wenn das viel Geld koste. Knestel vermisste in dem Konzept außerdem eine Einrichtung für junge Menschen und wollte zudem wissen, wie lange die Bindung der Fördermittel das Landes Bayern noch bestehen bleibe. ÖPNV sei natürlich auch insgesamt ein Thema meinte Bürgermeister Werner Himmer (FW), dieser sei allerdings in Zusammenarbeit mit dem Landkreis zu sehen. Jutta Jandl (SPD) fand ihre gesamten Erfahrungen als Seniorenbeauftragte im vorgestellten Konzept wieder und forderte, man solle nicht wieder alles zerreden. Natürlich blieben aus ihrer Sicht viele Einzelheiten diskussionswürdig und sie gab zu bedenken, dann man auch an diejenigen Menschen denken müsse, die in ihren Wohnungen bleiben wollen. In diesem Zusammenhang wies Jandl auch auf die Bedeutung eines ÖPNV hin. Außerdem wollte sie wissen, ob die Wundambulanz in dem neuen Konzept „als gesetzt“ gelte. Dies sei noch nicht gesichert, aber es bleibe das Ziel, antwortete Fleschhut. Insgesamt sehe er sich in der Pflicht, sich nach der Schließung des Krankenhauses um einen Ausgleich zu kümmern. Außerdem könne man nicht bis zum St. Nimmerleinstag warten, denn das Haus koste 60.000 Euro pro Monat. Im Falle einer „sozialstaatlichen Folgenutzung sehe er gute Chancen, dass der Freistaat mit Blick auf die dem Krankenhaus gewährten Förder- mittel auf eine Rückzahlung verzichten werde. 

Für die Freien Wähler befürwortete Dr. Andrea Weinhart das Konzept und knüpfte an die mehrfach genannte Forderung einer Anbindung an die Innenstadt an. Wie auch bereits durch die CSU angemerkt, sah Wolfgang Schmid (FW) erheblichen Diskussionsbedarf im Hinblick auf eine mögliche Verlegung des Gulilminetti Heimes an den Stadtrand. Er erwarte in jedem Falle, dass sich in erster Linie sowohl der Landrat als auch das KU verantwortlich für eine Nachnutzung zeigten. von Klaus Bauer

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