Städtepartnerschaft ist besiegelt

Ein langer Weg war es bis zum 26. September 2009, ein schwieriger und nicht unumstrittener. Denn die Vorgeschichte dieser nun beschlossenen Städtepartnerschaft erzählt ein trauriges Kapitel im persönlichen Erleben der BürgrInnen des Kaufbeurer Stadtteils Neugablonz, beginnend mit dem Zusammenbruch der „k.u.k. Monarchie“ und dem Entstehen des tschechischen Nationalstaates nach 1918, endend mit Enteignung und Vertreibung von Hunderttausenden Sudetendeutscher aus der geliebten und angestammten Heimat nach dem 2. Weltkrieg. In Kaufbeuren bauten sich die Vertriebenen aus Gablonz an der Neiße und Umgebung im Gebiet „Riederloh“ eine neue Heimat auf: Der Stadtteil „Neugablonz“ entstand.

Ob so nun das Sprichwort „Ende gut, alles gut“ angebracht ist, unterliegt wohl auch in Zukunft persönlicher Betroffenheit. Dennoch führte aus Sicht der Städte Kaufbeuren und Gablonz an der Neiße kein Weg vorbei an einer fälligen politischen Entscheidung: Jahrelange vielfältige Kontakte privater wie gesellschaftlicher Art legten es nahe, zwischen Kaufbeuren und Gablonz eine Städtepartnerschaft zu begründen. Eine solche der Ururenkelgeneration der Heimatvertriebenen zu überlassen, wäre wie eine Flucht vor moralischer Verantwortung erschienen. Sie hätte nicht die Bedeutung und die Qualität einer Städtepartnerschaft, die auf der Bereitschaft und dem Versöhnungwillen der Erlebnisge- neration wesentlich gründet. Denn Leid und Last der Geschichte in die Perspektive einer friedlichen europäischen Entwicklung und Zukunft einzubringen, erfordert gewiss ein hohes Maß an abgeklärter Sicht und Zukunftsorientierung. So sahen es auch Petr Tulpa, Oberbürgermeister von Gablonz a. d. Neiße, und Kaufbeurens Oberbürgermeister (OB) Stefan Bosse. Als sie kürzlich die Glaszylinder mit den Partnerschafts-Urkunden signierten, sprachen sie bewusst von den zerbrechlichen Dingen des Lebens, aber auch von vielen Zeichen der Verbundenheit und Freundschaft. „Gott segne unser Vorhaben, die Menschen in unseren Städten, die Völker - damit Versöhnung möglich sei“, wünschte Bosse zum Abschluss der feierlichen Zeremonie. „Das Vergangene sei nicht mehr der alles bestimmende Blickwinkel. Die gemeinsame Zukunft im europäischen Haus entspreche vielmehr der Jahrhunderte alten gemeinsamen Geschichte, der gemeinsamen Heimat von Deutschen und Slawen im Herzen Europas“, betonte Oberbürgermeister Stefan Bosse. Besondere Partnerschaft Für Gablonz an der Neiße im Isergebirge ist dies nun die neunte Städtepartnerschaft, aber eben eine ganz Besondere, ebenso wie für Kaufbeuren mit seinem größten Stadtteil Neugablonz. Zum Abschluss des Treffens feierten alle Beteiligten zusammen mit den anwesenden Partnerstädten Zwickau, Bautzen, Ronse/Belgien und Marsciano/Italien den Sonntagsgottesdienst in der Stadtpfarrkirche „Herz Jesu“. Dabei überbrachte der Kaufbeurer Delegationsleiter László Kasztner ein Bild der Heiligen Crescentia, deren tragender Grund ihres ganzen Lebens ein unerschütterliches Gottvertrauen gewesen sei, so Kasztner. Mit dabei in Gablonz waren außer OB Bosse mit Gattin, die Bürgermeister Gerhard Bucher und Ernst Holy, die Vertreter der Stadtratsfraktionen von SPD und Freien Wählern, Dr. Thomas Jahn und Dr. Martin Posselt vom Gablonzer Heimatkreis, Frau Dr. Pellengahr und Frau Eva Haupt, Stadtpfarrer Franz Römer, Schulbe- auftragter Alexius Batzer und die Schulleiter Werner Altmann und Gottfried Göppl sowie das Gablonzer „Urgestein“ und Stadtführerin Hannelore Singer. Zünftige Weisen Auch die Oberbeurer „Harmonie“ war mit nach Gablonz gekommen, um beim dortigen Herbstfest ein paar zünftige Weisen erklingen zu lassen. Lange konnte die Delegation aber nicht den heimatlichen Klängen lauschen, da OB Tulpa bereits konkrete Gesprächspartner für verschiedene Bereiche präsentierte. Es ging um Schulkontakte, Austausch im sportlichen Bereich, im sozial-caritativen, um die weitere Zusammenarbeit der Museen und Archive und um touristische Vorhaben. So kehrten die mit herzlicher Gastfreundschaft überhäuften Kaufbeurer zurück, reich an über- raschenden und positiven Eindrücken und Erfahrungen. Busreise nach Gablonz Der „Verein zur Pflege der Städtepartnerschaften Kaufbeuren“ wird kommendes Jahr eine Busreise nach Gablonz a. d. Neiße anbieten. Und wer sich für Kontakte und Gesprächspartner in Gablonz an der Neiße interessiert, kann sich jederzeit an Bürgermeister Ernst Holy und Geschäftsführer László Kasztner im Rathaus wenden.

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