Neue Satzung – neue Gebühren

Städtische Sing- und Musikschule Marktoberdorf bekommt eine neue rechtliche Grundordnung

Marktoberdorfer Sing- und Musikschule
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Bei der Marktoberdorfer Sing- und Musikschule stehen tiefgreifende Reformen an.

Marktoberdorf – Bei ihrer Sitzung am Montag im Modeon verliehen die Mitglieder des Markt­oberdorfer Stadtrates in mehreren jeweils einstimmigen Beschlüssen der Städtischen Musikschule eine neue Satzung sowie Gebührenordnung.

Im Grunde würden die Diskussionen bereits seit den 1990er Jahren geführt, berichtete Marktoberdorfs Erster Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. In den letzten 20 Jahren erwirtschaftete die Musikschule ein jährliches Defizit von rund 250.000 Euro. Die Strukturreformen in den Jahren 2017 und 2018 hätten, so Hell weiter, nur wenig geholfen, das Defizit zu verringern. Im Jahr 2020 hätten den Einnahmen von rund 343.000 Euro Ausgaben von circa 552.000 Euro gegenübergestanden. Somit ergebe sich ein Jahresdefizit von aktuell 209.000 Euro. Daher sei die Stadt von der Kommunalaufsicht dazu aufgefordert worden, Maßnahmen zu ergreifen, die einen mehr oder weniger kostendeckenden Betrieb an der Musikschule ermöglichen sollen. In Zusammenarbeit mit dem Verband der Bayerischen Sing- und Musikschulen e. V. habe man nun eine Reihe von Korrekturen vorgenommen, die zum nächsten Schuljahr in Kraft treten sollen.

Hierzu wird es neben einer geänderten Schul- und einer Gebührensatzung erstmals eine Schul- und Benutzungsordnung geben, die unter anderem vorsieht, dass an der Schule der Einzelunterricht gegenüber dem Gruppenunterricht zurücktreten soll. Der Einzelunterricht trage wesentlich zur Vergrößerung des Defizits bei, und sei an der Marktoberdorfer Schule im bayernweiten Vergleich überdurchschnittlich vertreten, erklärte der Leiter der Kultur- und Schulverwaltung, Rupert Filser, in seinem Sachvortrag. Gegenüber dem Gruppenunterricht von zwei bis vier Schülern, soll Einzelunterricht nur noch in Ausnahmefällen gegeben werden, so zum Beispiel für Schüler ab dem dritten Unterrichtsjahr bis zu einer Länge von 30 Minuten, oder für bis zu 45 Minuten bei entsprechender Eignung ab dem fünften Unterrichtsjahr. Für Kinder ab zehn Jahre soll es möglich sein, ab fünf Teilnehmern zusätzlich musikalische Gruppenangebote wahrzunehmen. Denkbar wäre zum Beispiel die Gründung eines Bläserquintetts, das von einer professionellen Fachkraft betreut wird. Verstärkt angeboten werden sollen ferner musikalische Kooperationen mit Erziehungs- und Bildungseinrichtungen wie Kitas und Schulen. Das stieß vor allem bei Thorsten Krebs (CSU) auf positive Resonanz. Die Kooperationen förderten soziales Lernen, lobte dieser. Die Kontakte könnten zudem der Musikschule verstärkten Zulauf bescheren.

„Was nix koscht, is nix!”

Angesichts der hohen Defizite sehen die Reformen deutliche Gebührenerhöhungen vor. Diese stützen sich laut Filser auf eine Berechnungsgrundlage vom Verband der Sing- und Musikschulen, die es ermöglichen soll, dass die Musikschule annähernd kostendeckend arbeiten kann. „Was nix koscht, is nix!”, sagte Filser und rechtfertigte die vergleichsweise hohen Personalkosten von 533.000 Euro mit der entsprechenden beruflichen Qualifikation aller Lehrkräfte der Einrichtung. Die teuerste Leistung Einzelunterricht (45 Minuten) wird sich mit einem künftigen Monatsbeitrag von 179,76 Euro (statt bisher 130,33 Euro) empfindlich verteuern, beim ermäßigten Tarif von monatlich 98,87 Euro wären es knapp zwölf Euro mehr im Monat. Andere Leistungen, die bisher mit weniger Defizit zu Buche geschlagen haben, werden sich weit weniger verteuern, oder, wie zum Beispiel die musikalische Grundausbildung von bisher 29,67 Euro auf 28,30 Euro sogar vergünstigen. Ermäßigte Gebührensätze von bis zu 45 Prozent sollen künftig nur noch für Schüler aus Marktoberdorf gelten. Für Auswärtige empfiehlt der Verband der Musikschulen ausschließlich „kostendeckende Gebühren” zu erheben. Nach wie vor soll ein Familienrabatt gelten, wenn mehr als eine Person in der Familie Unterricht nimmt, und zwar von zehn Prozent für das erste, 15 Prozent für das zweite Familienmitglied, sowie ein Rabatt von 20 Prozent für jedes weitere Kind.

Einigkeit nach Debatten

Den nun jeweils einstimmig gefällten Beschlüssen waren in der Vergangenheit lange Diskussionen vorausgegangen. Das erwähnte Georg Martin (Grüne) in einem State­ment stellvertretend für seine Fraktion. Man sei nicht ganz überzeugt von dem „Konstrukt” gewesen und habe andere Vorschläge gemacht. Nach vielen Diskussionen sei es im betreffenden Ausschuss zu einer Mehrheitsentscheidung gekommen, der sich die Grünen nun anschließen wollten, denn schließlich gelte es vor allem, „die Musikschule zu erhalten und den Neuerungen eine Chance zu geben”. Die Bezeichnung „Konstrukt” wollte Hell wie einige andere im Gremium nicht gelten lassen. Eine Neuausrichtung in der vorliegenden Form sei absolut nötig gewesen. Zweimal betonte Hell, dass das Betreiben einer Musikschule zu den freiwilligen Leistungen einer Stadt gehöre. Die Alternative zu den Reformen wäre die Umwandlung in einen Verein gewesen, und das hätte keiner gewollt. Die Städtische Musikschule solle neu ausgerichtet und in ihrer jetzigen Form als Bildungs- und Kulturvermittlungsanstalt erhalten bleiben. Darin sei man auf einem Guten Weg. Abschließend bedankte sich Hell besonders bei der Kooperation derjeniger, die vorerst Bedenken getragen hatten und schloss mit den Worten: „Änderungen sind nicht immer erwünscht, wohl aber, wenn sie die Zukunft sichern”. Unterstützung bekam er von Stefan Elmer (SPD) der von einem „tollen Ergebnis” sprach und sich diesbezüglich auch bei Filser für die Neuaufstellung der Satzungen und die Benutzerordnung bedankte. Dr. Andrea Weinhart (FW) pflichtete ihm bei. Auch sie stehe absolut hinter den Änderungen, denn nur so könne die Schule eine neue Ausrichtung bekommen und dauerhaft erhalten werden. Lobend erwähnte sie auch die Arbeit der Lehrenden an der Musikschule.

Dort findet übrigens wegen der Coronapandemie der Musikunterricht seit 17. März ausschließlich online statt.

von Felix Gattinger

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