Stärkere Zusammenarbeit

Seit mittlerweile über 25 Jahren besteht der Krankenhaus-Zweckverband Kaufbeuren-Ostallgäu mit den Häusern Kaufbeuren, Buchloe, Obergünzburg, Marktoberdorf und Füssen. Schon länger ist klar, dass eine stärkere Ausrichtung an wirtschaftlichen Gesichtspunkten unausweichlich ist, da der Zweckverband nicht gewinnbringend arbeitet (beispielsweise 9,3 Millionen Defizit für das Jahr 2008). Auf der jüngsten Stadtratssitzung in Buchloe stellte nun Vorstandsvorsitzende Dr. Susanne Schlichtner ein Konzept vor, das durch die Schaffung von spezialisierten Zentren in den einzelnen Kliniken und eine stärkere Zusammenarbeit untereinander Einsparungen in Millionenhöhe ermöglichen soll.

So könnten unter anderem Patienten verstärkt untereinander verlegt werden, je nachdem, in welchem der fünf Krankenhäuser die umfassendste Versorgung möglich ist. Buchloe wäre dann beispielsweise speziali- siert auf die Innere Medizin und die Chirurgie. Die Möglichkeit, in der Nachtzeit im Rahmen der Notfallversorgung Operationen durchzuführen, soll auf Kaufbeuren und Füssen beschränkt werden. „Die entsprechenden Fallzahlen sind so niedrig, dass es nicht nötig ist, in allen fünf Krankenhäusern des Zweckverbandes ein gesamtes OP-Team rund um die Uhr bereit zu halten”, so Dr. Susanne Schlichtner. In Buchloe zum Beispiel hielte sich die Anzahl der Patienten, die nachts eingeliefert würden und sofort eine Operation benötigten, im einstelligen Bereich. „Wir können den Steuerzahler nicht weiter mit diesen Defiziten belasten”, erklärte Schlichtner. Der Zweckverband sei nicht umsonst ein Unternehmen mit verschiedenen Standorten, da müsse überlegt werden, welche Aufgaben sich die Häuser untereinander abnehmen könnten. Die Sicherheit der Patienten leide dabei nicht: „Im Gegenteil. Die Grundversorgung soll in jedem der Krankenhäuser gesichert bleiben. Und nur mit den Einsparungen ist es auf lange Sicht möglich, alle fünf Standorte zu erhalten.” Im Buchloer Stadtrat und bei vielen Besuchern der öffentlichen Sitzung stieß das Konzept jedoch auf wenig Gegenliebe. Befürchtet wurde vor allem, dass nach Umsetzung des Konzeptes Hilfebedürftige in den Nachtzeiten die Krankenhäuser in Buchloe, Marktoberdorf und Obergünzburg gar nicht mehr aufsuchen würden, weil dort im Notfall eine sofortige Operation nicht mehr gesichert sei. „Die psychologische Wirkung eines solchen Einschnitts ist nicht zu unterschätzen. Viele Patienten würden dann andere Kliniken aufsuchen, auch außerhalb des Zweckverbandes, wie beispielsweise das nahe Landsberg”, befürchtet der 3. Buchloer Bürgermeister Manfred Beck (SPD). Auch sei die Vorreiterrolle, die Kaufbeuren in diesem Konzept zukomme, weder mit den wirtschaftlichen Zahlen noch mit der fachlichen Leistung zu erklären. Groß war die allgemeine Befürchtung, gerade das St. Josef-Krankenhaus könne neben Kaufbeuren zunehmend an Bedeutung verlieren und schließlich geschlossen werden. Dies sei jedoch nicht der Fall, versuchte Schlichtner zu beruhigen: „Wir wollen alle Standorte erhalten und stärken.“ Das Konkurrenzdenken unter den einzelnen Krankenhäusern sei nicht mehr zeitgemäß, nur im Rahmen einer größtmöglichen Zusammenarbeit sei die Zukunft der bestmöglichen Patientenversorgung gesichert. Das strittige Konzept ist zwar noch nicht beschlossen, es wurde jedoch bereits im Verwaltungsrat der Kliniken besprochen und soll in der nächsten Phase an den einzelnen Klinikstandorten vorgestellt und diskutiert werden.

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