Helfen statt nur „Zeigen“

Neugablonz gegen Leukämie

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Der Neugablonzer Feuerwehrzug mit dem TLF 25 aus dem Jahr 1949.

Kaufbeuren-Neugablonz – Der 3. Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr mit Standort in Neugablonz feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Die Verantwortlichen wollten aber keine reine Feuerwehrgeräteschau zeigen, sondern an diesem Tage wirklich Hilfe leisten. Und so entschied sich die Feuerwehr für eine Stammzellen-Typisierungsaktion zur Bekämpfung von Leukämie (Blutkrebs) am kommenden Sonntag, den 23. April, von 11 bis 16 Uhr.

Seit 1946 hatten sich Vertriebene aus Gablonz a. d. Neiße in Kaufbeuren und Umgebung angesiedelt und begannen auf dem Gelände der ehemaligen Dynamit AG den Verbund ihrer weltberühmten Schmuckindustrie wieder aufzubauen. Ein kleiner Brand in einer Werkstatt rüttelte die Ratsherren in Kaufbeuren wach, über Feuerschutz in der neuen Siedlung nachzudenken. Und so führten die Gespräche zur Gründungsversammlung am 20. Februar 1947. In kurzer Zeit war die Abteilung auf 56 Personen angewachsen, von denen 19 im aktiven Dienst waren. Nach einigen Monaten übergab man dann auch das erste Tanklöschfahrzeug aus dem Bestand des Fliegerhorstes an den Löschzug Neugablonz. War die Feuerwehr zunächst noch an der „Neuen Zeile“ untergebracht, erfolgte 1957 der Umzug in die neue Fahrzeughalle in der Perlengasse im Zentrum von Neugablonz. Durch die „brandgefährdete“ Glasindustrie und den Umgang mit Chemikalien bestand bei den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr ein Selbstverständnis für ihre Tätigkeit zum Schutz der Allgemeinheit.

Sorgen um den Nachwuchs

Heute macht sich Zugführer Ottmar Venus eher Sorgen um den Nachwuchs. Der demographische Wandel und der Wegfall der Wehrpflicht verändern das Angebot an Helfern. Durch eine mehrjährige Verpflichtung zur Mitwirkung im Zivil- oder Katastrophenschutz (Technisches Hilfswerk oder Feuerwehr) konnte man früher die Ableistung des Wehrdienstes ersetzen. „Ein großer Teil unserer aktiven Feuerwehrmänner werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren altersbedingt ausscheiden“, resümiert Venus nachdenklich. Besonders würde Nachwuchs bei Maschinisten und Führungskräften benötigt. „Dabei kann man sogar den Lkw-Führerschein bei der Feuerwehr machen“, sagt Venus. Heute ist er im 3. Löschzug verantwortlich für 38 Mann mit fünf Fahrzeugen und zuständig für das Stadtgebiet Neugablonz. Durch Spezialausrüstung und zusätzliche Schulungen ist sein Zug sogar als Gefahrgutzug überregional im Ostallgäu unterwegs und bekämpft im Einsatz Gefährdungen durch gefährliche Stoffe, Gemische, Chemikalien und Gegenstände. Dabei übt man in der Freiwilligen Feuerwehr in Neugablonz jeden zweiten Freitagabend, müssen die Helfer doch den gleichen Leistungsstand nachweisen, wie eine Berufsfeuerwehr.

Helfen statt nur „Zeigen“

Zu der Stammzellen-Typisierung zur Hilfe von Leukämiepatienten, haben sich die Verantwortlichen entschlossen, weil man am Tag des Jubiläums nicht „Zeigen“, sondern „Helfen“ wollte. Auch der Kabarettist Wolfgang Krebs war sofort zur Unterstützung als Schirmherr bereit, ist er doch durch frühere Tätigkeiten als Nikolaus mit Neugablonz verbunden.

Bei der Typisierung – einer einfachen Blutspende nach einer ausführlichen Beratung – können sich gesunde junge Menschen zwischen 17 und 45 Jahren als freiwillige Stammzellspender registrieren lassen. Die Neugablonzer Feuerwehr arbeitet hier mit der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) zusammen. Die eigentliche Knochenmarkspende wird erst dann durchgeführt, wenn die Daten des Patienten und des entsprechende Spenders zusammenpassen.

Im Anschluss an die Typisierung im Gerätehaus in der Perlengasse 13 in Neugablonz gibt es Kartoffelsuppe. Alle Spenden und Einnahmen dieses Tages gehen zur Unterstützung an die AKB. Infos zur Stammzellenspende finden sich auch unter www.akb.de.

Wer sich zudem für die Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr interessiert, kommt einfach vorbei oder informiert sich vorher übers Internet unter www.feuerwehr-kaufbeuren.de. Löschzugführer Venus freut sich auf Interessenten: „Feuerwehr kann nur helfen, wenn sie Helfer hat“.

von Wolfgang Krusche

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