Klinikverwaltungsräte haben entschieden

Zwei Kliniken werden geschlossen

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Klinikchef Dr. Philipp Ostwald, Landrat Johann Fleschhut und Oberbürgermeister Stefan Bosse verkünden das Ergebnis der Verwaltungsratssitzung.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Am Donnerstag hat der Verwaltungsrat des Klinikverbunds Ostallgäu-Kaufbeuren die Schließung des Hauses Marktoberdorf und des Hauses Obergünzburg mit großer Mehrheit beschlossen.

Die Häuser in Obergünzburg und Marktoberdorf werden geschlossen. Das hat der Verwaltungsrat des Klinikver- bundes Ostallgäu-Kaufbeuren in seiner Sitzung am Donnerstag beschlossen. Die ebenfalls von der Schließung bedrohte Klinik in Buchloe soll bestehen bleiben. Damit reagiert nach langem Hin und Her der Klinik-Verwaltungsrat auf das hohe prognostizierte Defizit für 2013 von rund 14 Millionen Euro. Dieses hatte der neue Klinikchef Dr. Philipp Ostwald kürzlich angekündigt und war vom Gremium beauftragt worden, eine Lösung für dieses Problem zu finden.

Ostwald habe sich intensiv mit den Zahlen und Fakten auseinandergesetzt, alle Bereiche genau angeschaut, unterschiedliche Varianten überprüft und verschiedene Modelle durchgerechnet. Darüber hinaus habe er in den vergangenen Wochen und Tagen eine Vielzahl von Gesprächen im gesamten Ostallgäu geführt und sich mit den Wünschen, Sorgen und Ängsten betroffener Bürger auseinandergesetzt. Die nun getroffene Entscheidung sei gemessen an der prekären Ausgangslage in jeder Hinsicht die bestmögliche Lösung. „Mit dem Erhalt der Buchloer Klinik und der dadurch entstehenden Nord-Süd-Versorgungsachse Buchloe-Kaufbeuren-Füssen ist für die nächsten Jahre das beste wirtschaftliche Ergebnis zu erzielen“, erklärte Ostwald. Darüber hinaus würden durch diese Lösung die meisten Arbeitsplätze erhalten und ein bei weitem bestes Versorgungsange- bot für die Patienten im Ostallgäu bestehen.

Ostwald macht auch keinen Hehl daraus, dass die Einschnitte in Marktoberdorf und Obergünzburg „schmerzhaft“ seien. Das Krankenhaus gehöre zum Ort wie die Kirche oder die Schule: „Sie alle haben mit Herzblut für den Erhalt der Kliniken gekämpft“, betonte der Klinikchef und erinnerte an die kürzlich friedliche Demonstration in Obergünzburg, wo die Bürger ihr Krankenhaus symbolisch umarmt hätten – „dies hat mich sehr berührt“, so Ostwald. Ungeachtet dessen könne er als verantwortlicher Klinikchef diese Nachricht den Bürgern nicht ersparen. Er machte aber deutlich, dass trotz der Schließungen die Bürger im Ostallgäu bei der Notfallversorgung keine Abstriche machen müsseten. „Die Bürger in und um Marktoberdorf und Obergünzburg sind notfallmedizinisch zuverlässig versorgt“, betonte Ostwald. So sei die bodengestützte Notfallversorgung mit fünf Notarzt- standorten in Buchloe, Kaufbeuren, Marktoberdorf, Füssen und Pfronten rund um die Uhr wie bisher sichergestellt. Laut Ostwald würden die betroffenen Regionen über die integrierte Leitstelle im Bedarfsfall durch Standorte in den angrenzenden Landkreisen ergänzt. Darüber hinaus stellen die niedergelassenen Ärzte sowohl für den Landkreis als auch für Kaufbeuren eine ausreichende Versorgung in allen fachärztlichen Bereichen sicher.

Was wird aus den geschlossenen Häusern?


Wie Ostwald betont, soll für die beiden Kliniken eine „zukunftsfähige Nachnutzung“ gefunden werden. Zuvor müsse jedoch eine „solide Klinikverbundstruktur“ geschaffen werden, um sich dann in einem zweiten Schritt für eine sinnvolle Nachnutzung einzusetzen. „Dabei müssen die An- forderungen der Fördermittelrichtlinien berücksichtigt werden, um hohe Rückzahlungen im zweistelligen Millionenbereich zu vermeiden“, betonte der Klinikchef. Letztlich zeigte sich Ostwald froh über die Entscheidung, „dass nun alle Beteiligten an einem Strang ziehen und die Verwaltungsräte eine Entschei- dung jenseits von Partikularinteressen zum Wohle des Unternehmens und damit letztlich zum Wohle aller Bürger im Kreis und der Stadt getroffen haben“.

Defizite zwingen zur Abkehr


Nach der Entscheidung des Kliniken-Verwaltungsrates erklärte der Verwaltungsratsvorsitzende und Landrat Johann Fleschhut, dass man lange versucht habe, mit fünf Kliniken in der Region einen Sonderweg zu gehen. Trotz Beteiligung mehrerer Beratungs- firmen sei es auch verschiedenen Vorständen mit dem Verwaltungsrat nicht gelungen, für alle Standorte eine medizinische Nutzung auf wirtschaftlicher Grundlage zu finden. „Im Gegenteil“, so Fleschhut, die Defizite seien 2012 auf eine „exorbitante Höhe“ gestiegen, die auch aus Sicht von Ostwald „ohne erhebliche Sanierung bleiben würde“. „12 Millionen Euro plus X kann niemand mehr bezahlen und weder unsere Kreiskommunen noch der Landkreis können dies verkraften! Deshalb war für den Verwaltungsrat kein Ermessens- spielraum mehr nach einem fundierten Sanierungsvorschlag des neuen Vorstandes vorhanden“, resümierte Fleschhut. Nach der fehlenden Umsetzung des Kienbaumgutachtens und Maßnahmen die nicht umsetzbar waren oder gewirkt haben, liegt laut Fleschhut nun kein weiterer Vorschlag für alle fünf Häuser vor, um diese erhalten zu können. Nicht wenige aus der Wirtschaft und Politik hätten auf fachlicher Ebene schon früher Schließungen für richtig befunden, erinnerte Fleschhut. „Wir sollten jetzt solidarisch mit Marktoberdorf und Obergünzburg sein und alle Kraft neben der Sanierung des Kommunalunternehmens in eine positive Nachnutzung legen“.

Wie der Landrat betonte, wurde geprüft, ob man nicht nur ein Haus (Marktoberdorf) hätte schließen müssen. Die Option Erhalt und Umstrukturierung der Klinik Obergünzburg in eine chirurgische Fachklinik erwies sich „als Variante mit dem schlechtesten wirtschaftlichen Ergebnis“, so Fleschhut. In diesem Falle hätte das KU jährlich erneut ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe erwartet. Dies habe die umfassende Analyse Ostwalds ergeben, so Fleschhut. Geschuldet sei dies der Größe des Obergünzburger Krankenhauses. Es ist zu klein, um im heutigen DRG-Abrechnungssytem (spezielles Abrechungssystem für Kranken- häuser) noch wirtschaftlich betrieben werden zu können.

Schließlich müsse man laut Fleschhut die Entscheidung auch vor dem Hintergrund der Tatsache sehen, dass das Ostallgäu rund 370 Betten über dem Bedarf aufweise. Dies spiegele sich in der niedrigen Auslastung der Betten im Klinikverbund von unter 60 Prozent wieder, so Fleschhut. „Diese Überversorgung können sich weder der Landkreis noch die Stadt weiter leisten“ ist die übereinstimmende Auffassung von Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse und Landrat Fleschhut. „Nur ein finanziell stabiler Kreishaushalt ermögliche in Zukunft ausreichend Mittel für öffentliche Ausgaben wie Schulen, Kindergärten und Kultur“, fügte Fleschhut hinzu.Über weitere Reaktionen zur Schließung der beiden Klinik-Standorte aus Obergünzburg und Marktoberdorf sowie aus Politik und Wirtschaft lesen Sie in der kommenden Ausgabe des Kreisboten.
Von Kai Lorenz

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