Politik aufs Korn genommen

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Dr. Paul Wengert brauchte zwei Anschläge.

Kaufbeuren – Nachdem die ursprünglich geplante Aschermittwochsveranstaltung wegen des Zugunglücks von Bad Aibling abgesagt worden war, veranstaltete die Kaufbeurer SPD vergangene Woche als „Ersatz“, einen zünftiger Starkbieranstich im Hotel „Goldener Hirsch“. Die Fliegerhorst-Kapelle unter der Leitung von Klaus Reggel heizte musikalisch ein.

Als „Fastenprediger“ und für die „große Politik“, war der kommunal- und innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag Dr. Paul Wengert zuständig. Mit zwei Schlägen erledigte der Landtagsabgeordnete seine Aufgabe mit Bravour und so konnten die Krüge gefüllt und auf einen humorvollen Abend angestoßen werden. 

„Wer von mir heute Abend ein deftiges Politikerderblecken erwartet, den muss ich leider enttäuschen“, so Wengert zu Beginn seiner Fastenpredigt. Schließlich müsse laut „Professor Wikipedia“ bei so einer Veranstaltung stets das Bemühen im Vordergrund stehen, den Glauben der Zuhörer für das gesprochene Wort zu intensivieren und über das Normalmaß hinaus zu vertiefen. 

So stand dann auch die Bundes- und Landespolitik im Mittelpunkt seiner Rede. Dabei erinnerte sich Wengert an seine im Jahre 2013 an gleicher Stelle gehaltene „Aschermittwochspredigt“. Damals sei es in erster Linie um marode Staatsstraßen und Brücken, den Breitbandausbau im „Postkutschentempo“, das Totalversagen der Staatsregierung bei der Energiewende und weitere im argen liegende landespolitische Themen gegangen. „Da wäre heute ein Fakten-Check ganz spannend. Aber ich fürchte“, so der SPD-Politiker, „dann könnte ich mich in zwei Minuten wieder hinsetzen. Denn bis auf das Tempo beim Breitbandausbau hat sich nicht viel geändert und verbessert“. Die Zuwanderung von mehr als einer Million Flüchtlinge bezeichnete Wengert als „Riesen-Herausforderung“, wobei die Weichen für die Zukunft jetzt gestellt werden müssten. 

Zum Schluss „schoss“ sich Wengert doch noch auf die CSU und deren „Amateur-Außenpolitiker“ Horst Seehofer ein. So nehme die Öffentlichkeit diese Regionalpartei mit objektiv beschränktem Einfluss viel zu ernst. „Sie ist und bleibt das fünfte Rad am Wagen. Wer braucht schon die CSU in Berlin?“ Die SPD werde auf jeden Fall auch künftig der Motor der Bundesregierung sein und für einen starken Staat sorgen, so Wengert. 

Nach dieser „glaubensvertiefenden“ Fastenpredigt überraschten noch Stadträtin Helga Ilgenfritz und SPD-Ortsvorsitzende Catrin Riedl mit einem humorvollen „Bericht aus dem Kaufbeurer Stadtrat“. Frei nach Schillers „Glocke“ hatte Ilgenfritz das vergangene Jahr in launigen Reimen zusammengefasst und begann mit den Worten: „Fest verankert in der Erden steht die SPD-Fraktion“, die dann im weiteren Verlauf als mahnende Oppositionspartei auf mehr Mitspracherecht hofft. So beim Forettle, dem geplanten „Eis­palast“ und der neu zu gestaltenden Fußgängerzone.

von Klaus-Dieter Körber

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