Große Zuversicht

Stationäre Wohnhilfe: Neun Plätze in Biessenhofen

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Die Gemeinde steht hinter der stationären Wohnhilfe: Christian Meier (von links) und Martin Holleschovsky (beide Herzogsägmühle) mit Bürgermeister Wolfgang Eurisch vor der Immobilie an der Füssener Straße.

Biessenhofen – Große Zuversicht herrscht sowohl bei der Gemeinde als auch bei Herzogsägmühle als Träger der Maßnahme, dass sich die stationäre Wohnhilfe für Menschen in sozialen Lagen positiv entwickeln kann. Darin stimmt Biessenhofens Bürgermeister Wolfgang Eurisch mit Martin Holleschovsky (ambulante Dienste) und Christian Meier (Wohnhilfe Ostallgäu) überein. Neun der 30 Plätze im Landkreis sind, wie berichtet, in einer Immobilie vorgesehen, die sich in der Nachbarschaft des Rathauses in Biessenhofen befindet.

Eine Besonderheit ist, dass Herzogsägmühle als Träger der Maßnahme das Gebäude an der Füssener Straße 14 selbst erworben hat. Üblich ist, dass Räume angemietet werden. Zuletzt war die Immobilie, die laut Bürgermeister Eurisch bisher einem externen Eigentümer gehörte, als Asylbewerberunterkunft genutzt worden.

Das Haus muss demnächst für den neuen Zweck umgebaut werden. Martin Holleschovsky, der in Herzogsägmühle seit zehn Jahren für die ambulanten Hilfen zuständig ist und früher 25 Jahre in der Schuldnerberatung tätig war, ist sich dessen bewusst, dass aufgrund der Planung und des Einbaus von Apartments die Maßnahme erst im Jahr 2020 starten kann.

Der Kauf der Immobilie an der Füssener Straße in Biessenhofen ist der erste konkrete Abschluss bei dem Bemühen, Immobilien im Ostallgäu für eine dezentrale Versorgung in der stationären Wohnungshilfe zu akquirieren. Dazu haben Holleschovsky und Meier die Gemeinderäte informiert. Weitere Standorte in Marktoberdorf (bis zu zehn Plätze) und anderen Orten im Landkreis sollen folgen.

„Es ist wichtig, dass sich Menschen, denen es gut geht, um solche Menschen kümmern, denen es nicht so gut geht.“ Mit diesen Worten eröffnete Bürgermeister Wolfgang Eurisch ein Pressegespräch zur Übergangseinrichtung in Biessenhofen.

Wie bereits berichtet, hatte der Bezirk Schwaben mit der Diakonie in Herzogsägmühle als Träger der Maßnahme eine Leistungsvereinbarung für bis zu 30 Plätze in der Region Ostallgäu. Ein Drittel der betroffenen Personen wird in Biessenhofen ein Dach über dem Kopf finden und sozialpädagogisch begleitet werden. Ebenso wie für Marktoberdorf gilt auch in Biessenhofen: Frühere Straftäter, die aufgrund schwerer Verbrechen verurteilt wurden, werden anderweitig integriert.

Der angespannte Wohnungsmarkt

Martin Holleschovsky von Herzogsägmühle verwies im Pressegespräch auf die „Armutsthematik“. Im Bemühen, Wohnungen für Obdachlose zu finden, habe sich die Situation dramatisch verschärft. Dies liege zum einen am zurückgefahrenen sozialen Wohnungsbau und zum anderen an der Tatsache, dass der Landkreis Ostallgäu in den letzten 20 Jahren um 17.000 Einwohner auf nunmehr knapp 140.000 gewachsen sei.

Christian Meier, der aus Markt­oberdorf kommt und seit 20 Jahren in der Wohnungslosenhilfe arbeitet, hob vor allem einen Aspekt hervor. Es ginge nicht nur darum, hilfeberechtigte Menschen mit einem Schlafplatz zu versorgen. Je nachdem, wie die soziale Schwierigkeit im Einzelfall ausgeprägt sei, müsse man sich um die Menschen kümmern. Die Vereinbarung zwischen dem Bezirk Schwaben und Herzogsägmühle sehe vor, dass neun Sozialpädagogen bzw. andere Fachkräfte um die bis zu 30 Leute in der stationären Wohnhilfe im Ostallgäu betreuen und täglich ein Ansprechpartner zwischen 7 und 21 Uhr da ist. Dafür sucht Herzogsägmühle Fachpersonal.

Allgemein erfahren Hilfeberechtigte in der stationären Wohnhilfe bis zu 18 Monate fachliche Unterstützung. In Einzelfällen wird die Nachsorge bei geringerem Betreuungsaufwand um sechs bis acht Monate verlängert, erklärte Christian Meier.

Zu bedenken sei, dass der Verlust einer Wohnung oft einen herben Einbruch bedeute, weil dadurch ein vertrautes Umfeld mit der Nachbarschaft wegbricht. Darum lege Herzog­sägmühle auch ein Augenmerk darauf, Menschen mit sozialen Schwierigkeiten bereits dann zu stützen, wenn sie noch einen Wohnraum haben.

In Oberbayern gibt es über 1000 stationäre Wohnplätze. In Schwaben sind es bisher 36, die sich allesamt in Augsburg befinden. Ein Fünftel der Personen, die in Herzogsägmühle (Marktgemeinde Peiting) in der stationären Wohnhilfe aufgenommen sind, kommt aus dem Bezirk Schwaben. Das sind 44 Personen.

jj

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